Business Mode - beliebte Irrtümer zum Dresscode

03.11.2009

Bei uns in der Firma sind alle locker drauf!
Tatsächlich? Sie meinen, weil Mode in Ihrer Firma kein Thema ist? Oder weil Sie sich nicht vorstellen können, dass Kolleginnen und Kollegen so über Sie sprechen, wie Sie mit ihnen über andere? Gehen Sie davon aus: Alle haben eine Meinung zum Aussehen anderer. Und sie tauschen sich darüber gern aus.

Wer in der Arbeitswelt glaubt, alle seien locker drauf, hat meist einen Vertrag in der Tasche, der das zulässt. Im öffentlichen Dienst ist jedenfalls eine Menge erlaubt. Es handelt sich hier um jene beliebte, aber aussterbende Institution, in der sich nur langsam herumspricht, dass es so etwas wie Publikumsverkehr gibt. Deshalb kommen die Mitarbeiter nach eigener Auskunft auch prima ohne Rangordnungssignale und hochwertige Kleidung aus. In der Regel begegnen einem auf dem Amt Sachbearbeiterinnen um die Fünfzig mit hautengen Leggins, einer Bluse im Tigerlillie-Look, die das Bäuchlein kaschieren soll, grellroten Fingernägeln und hochtoupierten Haaren.

Und dann gibt es noch die, die denken, alle seien locker drauf, weil sie noch nicht mitbekommen haben, dass der Dotcom-Hype zu Ende ist. Highend-Jeans, Cargohosen und Tank Tops wurden in der allgemeinen Euphorie der New Economy gern geduldet. Aber in nüchternen Zeiten fällt bald auf, was nicht ins Büro gehört.

Die Unternehmen von heute sind zur Realität des Businessalltags zurückgekehrt. 84 Prozent der amerikanischen Unternehmen mit mehr als 2000 Mitarbeitern haben sich wieder geerdet und üben sich darin, den Vorlieben für Schräges, Offenherziges und Buntes Grenzen zu setzen. Sie erarbeiten Dresscodes. Bei rein administrativen Jobs sollen gar Uniformen zum Einsatz kommen. Auch in Deutschland wird am Schalter wieder Uniform getragen, seit Post und Bahn privatisiert wurden.

Amerika schafft gerade den Casual Dress Friday ab. Im Gegensatz dazu werden ehemals rigide Dresscodes wie white tie oder black tie, die auch immer den Look der Begleitung definieren, um Formulierungen wie sommerlich elegant oder smart casual erweitert.

Die locker klingende Formulierung stellt Sie in Wirklichkeit auf eine knallharte Probe. Es ist an Ihnen, Stil und Geschmack zu zeigen, den Sie ganz allein verantworten. Letztlich stehen Sie vor zwei möglichen Situationen. Die erste: Es gibt in Ihrer Firma einen Dresscode. Freuen sie sich! Er bietet allzu unansehnlichen Mode-Freizügigkeiten Paroli und nimmt Ihnen Verantwortung ab. Die zweite: Es gibt keinen Dresscode. An dieser Stelle wird Ihnen Freiheit geschenkt mit der Sie, liebe Pippi Langstrumpf, umzugehen üben sollten.

In einer diffusen Gemengelage der Stilrichtungen hilft es, sich nach oben zu orientieren und alles darunter zu ignorieren. Kleiden Sie sich so, wie Sie die Mitarbeiter gern sehen wollten, gehörte die Firma Ihnen, denn im Business sind innere Werte gerade soviel wert, wie man sie von außen erkennen kann.


Dieser Text stammt aus:

Der feminine Stil
Silke Frink

Haufe Verlag, 2007
208 Seiten mit CD-ROM. € 19,80 [D]





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