Kopf oder Bauch? Wenn es um die Arbeit geht, entscheiden wir uns meist für Ersteres. Schließlich sind es Zahlen, Ergebnisse und Resultate, mit denen wir überzeugen sollen. Daher ist es nur logisch, wenn wir im beruflichen Kontext rational handeln. Doch in der Realität sieht dies meist anders aus, denn unsere Emotionen beeinflussen unsere Entscheidungen dennoch – ob wir wollen oder nicht. Deshalb spielt Emotionale Intelligenz eine wichtige Rolle, wenn es um das Thema Karriere geht.

Was ist Emotionale Intelligenz?

Emotionale Intelligenz bezeichnet die Fähigkeit, Gefühle zu verstehen, zu kontrollieren und mit ihnen umgehen zu können. Das betrifft sowohl die eigenen Gefühle als auch die der anderen. Emotional intelligente Menschen können sich demnach besser in andere hineinversetzen und deren Gefühle und dadurch auch ihr Handeln nachvollziehen. Das Bewusstsein über die eigenen Emotionen sorgt außerdem dafür, dass sie mit sich selbst mehr im Reinen sind. 

Geprägt wurde der Begriff von dem US-amerikanischen Psychologen Daniel Goleman. Dieser bezeichnet Emotionale Intelligenz als essenzielle Grundlage für den beruflichen Erfolg und vor allem auch für gute Führung. Dabei spielen seiner Meinung nach fünf unterschiedliche Bereiche eine große Rolle:

  • Selbstwahrnehmung (eigene Emotionen bewusst wahrnehmen, akzeptieren, beobachten)
  • Selbstregulierung (Emotionen kontrollieren)
  • Motivation (sich selbst auch in schwierigen Situationen motivieren können)
  • Empathiefähigkeit (sich in andere hineinversetzen können)
  • Soziale Fähigkeiten (Kontakte aufbauen und Beziehungen pflegen)

Während die Intelligenz eines Menschen mit dem wohlbekannten IQ gemessen wird, nutzt die Wissenschaft für die Messung der Emotionalen Intelligenz den sogenannten EQ, welcher unter anderem eine Aussage über die Empathiefähigkeit und soziale Kompetenz eines Menschen gibt. Menschen mit hohem EQ wirken sich positiv auf das Arbeitsklima in einem Unternehmen aus.

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Bist du emotional intelligent? Ein Test

Um herauszufinden, ob du emotional intelligent bist, beantworte einfach folgende Fragen. Je mehr der Aussagen auf dich zutreffen, desto höher ist dein EQ.

  • Kennst du deine eigenen Emotionen, Ziele und Motive?
  • Kannst du deine Gefühle annehmen und richtig benennen, wenn du sie empfindest?
  • Verstehst du dadurch dein Verhalten besser?
  • Kannst du deine Emotionen steuern und der Situation anpassen?
  • Reagierst du angemessen in herausfordernden Situationen?
  • Kannst du deine Gefühle so steuern, dass du deine Ziele erreichst?
  • Fällt es dir leicht, Kontakte mit anderen Menschen zu knüpfen?
  • Kannst du Versuchungen widerstehen?
  • Kannst du Beziehungen erfolgreich gestalten und pflegen?
  • Kannst du angemessen mit den Gefühlen anderer Menschen umgehen?
  • Bist du empathisch?
  • Kannst du dich selbst motivieren?
  • Fühlen andere sich in deiner Gegenwart wohl?
  • Kannst du am Verhalten anderer Menschen erkennen, was sie wollen oder brauchen?

Emotionale Intelligenz im Job: Deshalb ist sie so wichtig

Jeder kennt diese Tage, an denen es einfach nicht läuft und der Job nur noch nervt. Vielleicht ist da dieser eine Kollege, der dich auf die Palme bringt oder du bist wütend auf deinen Chef, weil er dir dieses Projekt zugeteilt hat, auf das du keine Lust hast. In diesen Situationen ist es besser, einen kühlen Kopf zu bewahren und den eigenen Emotionen nicht sofort freien Lauf zu lassen, sondern nüchtern und sachlich zu bleiben. Dabei hilft die Fähigkeit der Emotionalen Intelligenz. 

Auch was die Beziehungen zu den Kollegen oder zur Führungskraft angeht, ist es wichtig, ein gewisses Einfühlungsvermögen zu besitzen. Verhält sich jemand merkwürdig dir gegenüber, hilft dir die Emotionale Intelligenz dabei, dieses Verhalten zu verstehen, wodurch du besser darauf eingehen kannst. Auch bei Konversationen mit schwierigen Gesprächspartnern ist diese Fähigkeit ein nützliches Werkzeug und du hast viel eher die Chance, euer Gespräch zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen. Zudem vermeidest du unnötige Konflikte in der Arbeit. 

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Auch wenn Emotionen am Arbeitsplatz oft eher in den Hintergrund gestellt werden, so ist dennoch klar, dass man gewisse soziale Kompetenzen benötigt, um beruflich voranzukommen. Bei einer Studie des Capgemini Research Institute gaben 74 Prozent der befragen Arbeitgeber und 58 Prozent der befragten Arbeitnehmer an, sie seien davon überzeugt, dass die Emotionale Intelligenz in den kommenden Jahren eine immer wichtigere Voraussetzung für den Erfolg sein wird. Zudem waren sich 76 Prozent der Führungskräfte einig, dass KI und Automatisierung die Nachfrage nach EI-Kompetenzen deutlich steigern werden, weil Mitarbeiter dadurch vermehrt kundennahe Rollen übernehmen. 

Besonders wichtig ist Emotionale Intelligenz in Führungspositionen, da es ein großer Vorteil ist, wenn man sich in seine Mitarbeiter hineinversetzen und dadurch ihre Probleme lösen und für Zufriedenheit sorgen kann. Aber auch in der Zusammenarbeit mit Patienten, zum Beispiel als Therapeut, Pflegekraft oder Arzthelfer/in, ist Empathie essenziell, da hier ein vertrauensvolles Verhältnis geschaffen werden muss. Für Menschen, die beruflich viel mit Kindern zu tun haben – etwa Erzieher oder Lehrer – ist es ebenfalls notwendig, sich in diese hineinversetzen zu können, um ihnen zu helfen.

Kann man Emotionale Intelligenz lernen?

Die Wissenschaft geht davon aus, dass es bei jedem Menschen eine Grundveranlagung für Emotionale Intelligenz gibt, die sich in den ersten fünf Lebensjahren entwickelt. Im Laufe des Lebens lernt man jedoch erst, diese richtig zu nutzen. Manche Personen haben also von Geburt an einen relativ hohen EQ, wovon sie später beruflich definitiv profitieren können. Glücklicherweise kann man Emotionale Intelligenz aber auch trainieren und ausbauen.

Hier ein paar Tipps:

Reflektiere: Deine Selbstwahrnehmung ist die Grundlage dafür, dass du deine eigenen Emotionen verstehen kannst. Akzeptiere hochkommende Emotionen und verdränge sie nicht. Beobachte dich in verschiedenen Situationen und achte darauf, wie du dich fühlst. Welche Gefühle sind die Auslöser deiner Handlungen? Durch diese Beobachtungen wirst du dir über deine Gefühle nach und nach immer mehr bewusst. Wenn du achtsam gegenüber deinen Emotionen bist, fällt es dir deutlich leichter, sie zu steuern, anstatt von ihnen gesteuert zu werden. Reflektiere dein Verhalten und werde dir klar darüber, wie ausgeprägt Selbstkontrolle und innere Motivation bei dir sind. 

Tipps zur Selbstreflexion findest du hier:

Entspanne dich regelmäßig: Entspannung hilft dir dabei, eine gewisse Distanz zu deinen Emotionen aufzubauen. Wenn du sie von außen beobachtest, ohne zu werten, ist es in Zukunft deutlich einfacher, gelassen auf eine Situation zu reagieren. Auch Sport kann dabei helfen, Stress abzubauen und gelassener zu werden

Tipps zur Entspannung gibt es hier:

Trainiere deine Kritikfähigkeit: Angemessen auf Kritik zu reagieren zeugt von Professionalität und gehört ebenfalls zu einer hohen Emotionalen Intelligenz. Versuche, in einer herausfordernden Situation nicht gleich an die Decke zu gehen, sondern erst einmal tief durchzuatmen und deine Gedanken zu sortieren. Es ist besser, wenn du mit deiner Reaktion wartest, als wenn du vorschnell zu emotional unpassend antwortest. 

Tipps dazu findest du in diesem Artikel:

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Schenke anderen deine ungeteilte Aufmerksamkeit: Je mehr du dich mit den Personen in deinem Umfeld beschäftigst, desto besser kannst du sie verstehen. Lerne, anderen richtig zuzuhören und auch auf ihre Körpersprache zu achten. Diese Übung hilft dir dabei, empathisch zu reagieren.

Tipps dazu findest du hier:

Fazit

Und somit stellen wir uns noch einmal die Frage: Kopf oder Bauch? Der Mensch ist ein emotionales Wesen, weshalb es durchaus die richtige Entscheidung sein kann, ab und zu auch mal auf den Bauch zu hören. Insbesondere dann, wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen geht. Emotionale Intelligenz hilft dabei, in schwierigen Situationen angemessen zu reagieren und die passende Entscheidung zu treffen. Sie ist ein immer wichtiger werdender Soft Skill in der Arbeitswelt und eine essenzielle Fähigkeit für jede Führungskraft. Aber auch im Alltag kann eine gewisse emotionale Kompetenz einiges erleichtern. 

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