Nur vier Tage arbeiten, aber dabei volles Gehalt bekommen: Klingt zu gut, um wahr zu sein? Wir zeigen dir, welche Vorteile die 4-Tage-Woche mit sich bringt und wo das alternative Arbeitszeitmodell bereits erfolgreich umgesetzt wird! Mit den richtigen Argumenten kannst du deinen Chef sicher überzeugen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

4-Tage-Woche: Was heißt das eigentlich?

Die 5-Tage-Woche ist in Deutschland in den meisten Branchen noch Standard. Die zu leistenden Stunden verteilen sich dabei in der Regel auf fünf Werktage. Je nach Branche sind auch Wochenend- oder Nachtarbeit möglich. Bei der 4-Tage-Woche unterscheidet man zwischen zwei Modellen:

  1. Modell: Die Arbeitszeit wird bei gleichem Lohn verkürzt.
  2. Modell: Die Arbeitszeit wird auf Teilzeit-Niveau reduziert, mit entsprechender Gehaltsanpassung.

In anderen Ländern ist es darüber hinaus möglich, die Wochenarbeitszeit auf noch weniger Tage umzulegen.

Mitarbeiterin in Büro mit 4-Tage-Woche organisiert Workflow mit Post-Its
Bildquelle: www.istockphoto.com / fizkes

Gesetzliche Regelungen zur Arbeitszeit in Deutschland

Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) in Deutschland schreibt vor, dass die tägliche Arbeitszeit maximal acht Stunden beträgt. Diese Regel darf nur überschritten und auf bis zu zehn Stunden täglich verlängert werden, wenn innerhalb eines halben Jahrs bzw. 24 Wochen trotzdem durchschnittlich nur acht Stunden pro Werktag gearbeitet werden, also im Zweifelsfall eine deutlich kürzere Arbeitszeit an anderen Tagen vorliegt. Zusätzlich gilt es außerdem, entsprechende Pausen einzuhalten: mindestens 30 Minuten bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden und 45 Minuten bei einer Arbeitszeit von mehr als neun Stunden insgesamt.

Bei fünf Arbeitstagen und zwei Tagen Wochenende ergibt sich daraus eine Arbeitszeit von durchschnittlich 40 Stunden für Vollzeitbeschäftigte. Auch bei einem Betrag von bis zu 36 Wochenstunden spricht man in der Regel noch von Vollzeit. Arbeitszeitmodelle, die darunter liegen, werden meist als Teilzeit bezeichnet.

Arbeitszeitmodelle in anderen Ländern

In vielen anderen Ländern wie den Niederlanden, Neuseeland oder Japan ist die 4-Tage-Woche als Teilzeitmodell bereits verbreitet. In Belgien kann man seit November 2022 sogar rechtlich auf eine 4-Tage-Woche bestehen: Hier ist es allerdings erlaubt, die Wochenarbeitszeit von bis zu 40 Stunden bei gleichem Gehalt auf vier Tage aufzuteilen. Auch in Österreich ist eine ähnliche Regelung möglich. Länder wie Dänemark, in denen die Wochenarbeitszeit generell oft bei 37 oder weniger Stunden liegt, schneiden übrigens regelmäßig überdurchschnittlich gut in Umfragen zur Lebensqualität ab.

Eine Studie der Universität Cambridge in Großbritannien konnte im Rahmen eines Pilotprojekts erstaunliche Ergebnisse erzielen: Die insgesamt 2.900 Beschäftigten, die versuchsweise für den Studienzeitraum bei vollem Lohnausgleich nur vier Tage pro Woche arbeiteten, gaben mehrheitlich an, sich weniger ausgebrannt zu fühlen. Grundsätzlich zeigte sich, dass die Produktivität nicht unter der Zeiteinbuße litt, die Mitarbeiter jedoch weniger gestresst waren. Von den 61 teilnehmenden Unternehmen behielten daher ganze 56 die verkürzte Wochenarbeitszeit anschließend bei. Das hört sich nach einer echten Win-Win-Situation für Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite an.

Work-Life-Balance: Das sind die Vorteile der 4-Tage-Woche

1. Mehr Freizeit

Egal ob private Erledigungen, Zeit mit der Familie oder ein neues Hobby – ein freier Tag pro Woche bietet neue Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und jede Menge verlängerte Wochenenden. Das macht nicht nur glücklich, sondern kann im Idealfall sogar inspirierend sein!

2. Erhöhte Zufriedenheit

Durch die bessere Work-Life-Balance fühlen sich Mitarbeiter dem Unternehmen verbunden. Das Commitment und die Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber steigen. So kann die 4-Tage-Woche in Zeiten des Fachkräftemangels sogar als Recruiting-Instrument eingesetzt werden!

3. Steigerung der Produktivität

Erholte und ausgeglichene Mitarbeiterinnen können sich besser auf ihre Arbeit konzentrieren und so mitunter Aufgaben schneller und effektiver erledigen. Die Fehlerquote nimmt ab und man lässt sich weniger ablenken.

4. Ressourcenschonung

Energie-, Reinigungs- und Wartungskosten im Büro können gesenkt werden, wenn Mitarbeiter nicht jeden Tag vor Ort sind. Darüber hinaus reduziert sich oftmals auch der CO₂-Ausstoß, wenn man nicht jeden Tag zur Arbeit oder geschäftlichen Terminen fährt.

5. Weniger Krankheitstage

Langfristig zahlt sich die Arbeitszeitreduzierung aus: Wer sich öfter eine Pause gönnt, wird nachweislich weniger krank. So können oft kostspielige krankheitsbedingte Arbeitsausfälle auf ein Minimum reduziert werden.

Eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK zeigt, dass eine 4-Tage-Woche zu einer höheren Arbeitszufriedenheit, besserer Gesundheit und einem niedrigeren Stressniveau führen kann. Die Studie ergab auch, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit einer verkürzten Arbeitswoche in der Regel weniger Fehltage aufgrund von Krankheit hatten.

Arbeitnehmer lehnt in Terrassentür mit Blick nach draußen und genießt 4-Tage-Woche
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Reduzierte Arbeitszeit: Erfolgreiche Vorreiter

Du willst wissen, wie du deine 40-Stunden-Woche auf eine 4-Tage-Woche à 8 Stunden reduzieren kannst? Mit den oben genannten Vorteilen wird schnell klar, dass auch Arbeitgeber von einer kürzeren Arbeitswoche profitieren können. Wichtig ist dabei allerdings, den Rahmen klar abzustecken: Die gleiche Arbeit in weniger Zeit zu schaffen, kann auch Druck erzeugen oder einen zusätzlichen Personalaufwand bedeuten. Bereite deshalb am besten anhand dieses Beitrags schon mal eine Liste mit deinen Argumenten für deinen Arbeitgeber vor!

Dass die Umsetzung in ganz unterschiedlichen Branchen und Abteilungen funktioniert, zeigen diese Unternehmen, die mit gutem Beispiel vorangehen: Bei der Deutsche Bank oder innerhalb des Versicherungskonzerns Allianz wurde in einigen Abteilungen bereits die 4-Tage-Woche eingeführt. Der Bio-Supermarkt Alnatura bietet seit 2017 eine 30-Stunden-Woche an, bei der die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an vier Tagen arbeiten. Das Softwareunternehmen Salesforce hat flexible Arbeitszeitmodelle zum Teil seines „Work from Anywhere“-Programms eingeführt. Und kreative Start-ups wie das Berliner Unternehmen Einhorn, das sich auf vegane Kondome und nachhaltige Menstruationsprodukte spezialisiert hat, setzen schon lange auf das Teilzeit-Modell.

Fazit

Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels gewinnen Themen wie die 4-Tage-Woche in der Arbeitswelt zunehmend an Bedeutung. Obwohl sie nicht in allen Branchen oder Jobs umsetzbar ist, bietet eine reduzierte Arbeitszeit die Möglichkeit, eine bessere Work-Life-Balance zu erreichen und die Gesundheit und Produktivität der Beschäftigten zu verbessern. Es gibt jedoch auch Herausforderungen bei der Umsetzung, die man gerade in Bezug auf die Organisation und den Arbeitsablauf beachten muss. Daher bleibt es im Einzelfall individuell zu prüfen, ob dieses Arbeitszeitmodell innerhalb des eigenen Arbeitsverhältnisses sinnvoll und praktikabel ist.

Quellen:
cam.ac.uk, wido.de

FAQs

Was ist eine 4-Tage-Woche und wie funktioniert sie?

Eine 4-Tage-Woche ist eine Arbeitszeitregelung, bei der Arbeitnehmer nur an vier Tagen pro Woche arbeiten anstatt an fünf Tagen. Dabei kann man zwischen zwei Modellen unterscheiden: Entweder, die wöchentliche Arbeitszeit wird bei gleichem Lohn verkürzt, oder die Arbeitszeit wird auf Teilzeit-Niveau reduziert und zugleich das Gehalt entsprechend nach unten angepasst. In anderen Ländern ist es möglich, die wöchentliche Arbeitszeit von 40 Stunden einfach auf nur 4 Tage zu verteilen. Dem steht in Deutschland das relativ strikte Arbeitszeitgesetz entgegen, das eine maximale tägliche Arbeitszeit von 8 Stunden vorgibt.

Welche Vorteile bietet eine 4-Tage-Woche für Arbeitnehmer?

Eine 4-Tage-Woche kann viele Vorteile für Arbeitnehmer mit sich bringen, wie zum Beispiel:
– eine verbessere Work-Life-Balance
– mehr Erholung
– weniger Stress
– höhere Motivation und engere Bindung an das Unternehmen
– weniger Krankheitstage

Gibt es auch Nachteile bei einer 4-Tage-Woche?

Natürlich kann eine 4-Tage-Woche dazu führen, dass eine höhere Arbeitsbelastung an den vier verbleibenden Arbeitstagen entsteht. Das kann mehr Stress und zeitlichen Druck zur Folge haben. Wird zudem der Lohn pro Stunde berechnet, hat man ein geringeres Einkommen zur Verfügung, wenn man weniger Wochenstunden arbeitet. Außerdem kann auch die Organisation im Team erschwert werden, wenn die Mitarbeiter sich nicht mehr jeden Arbeitstag austauschen können, da sie zeitlich flexibler arbeiten.

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