Schwierige Menschen im nahen Umfeld können einem den Alltag zur Hölle machen. Besonders unangenehm wird es, wenn du toxische Kollegen am Arbeitsplatz hast. Woran erkennst du sie und wie verhältst du dich am besten?

Diesen Artikel als Video ansehen:

Weißt du noch, der Kollege, der quartalsmäßig total ausgetickt ist im Büro und alle angebrüllt hat? Oder die Mitarbeiterin, die jeden neuen im Team konsequent so gemobbt hat, dass die meisten nach vier Wochen schon wieder gekündigt haben? Sind das alles „Toxiker“?

Der Begriff „Toxiker“ entstammt einem Buch der Diplom-Psychologin und Beraterin Heidrun Schüler-Lubienetzki und des Business-Coaches Ulf Lubienetzki. In „Schwierige Menschen am Arbeitsplatz“ klassifizieren die Autoren damit einen bestimmten Typus Mensch, der ihnen in ihrer langjährigen Beratertätigkeit in Unternehmen des Öfteren begegnet ist. Dabei handelt es sich um Kollegen, die ihren Mitmenschen systematisch das Leben am Arbeitsplatz zur Hölle machen bzw. den Büroalltag vergiften, und die dabei besonders konsequent und perfide vorgehen.

streitende, toxische Arbeitskollegen am Schreibtisch
Bildquelle: www.istockphoto.com / AndreyPopov

Definition: Was sind toxische Kollegen?

Das Wort „toxisch“ leitet sich ursprünglich ab von dem griechischen Begriff „toxikón“ – „(Pfeil-)Gift“. 

„Toxisch“ bedeutet „giftig“ bzw. „durch Gift verursacht, auf einer Vergiftung beruhend“. (vgl. dwds.de)

Schüler-Lubienetzki und Lubienetzki betonen, dass natürlich nicht jeder Konflikt an der Arbeitsstelle gleich auf einen Toxiker zurückgeht. Was hingegen toxische Menschen definiert, ist ihr unbedingtes Streben nach Macht. Sie wollen ihre ganz eigenen, egoistischen Motive realisieren – ohne Rücksicht auf andere.

Laut der Autoren sind es besonders diese vier Persönlichkeitsmerkmale, die toxische Kollegen ausmachen:

  • Rücksichtslosigkeit
  • extremer Egoismus
  • Skrupellosigkeit
  • Machtstreben

Und: Toxiker setzen Strategien wie Manipulieren, Täuschen und Blenden vorsätzlich, also ganz bewusst ein.

Toxische Verhaltensweisen im Job

Toxische Kollegen wollen ausschließlich ihre eigenen Ziele erreichen. Unternehmensziele oder gar der Teamgedanke sind ihnen völlig fremd und auch tatsächlich egal, solange diese ihnen nichts nutzen.

Toxikern geht es in erster Linie immer um Machterhalte oder den Zugewinn an Macht.

Dieser Umstand macht sie auch so gefährlich und schädlich für Unternehmen. Denn sie arbeiten nur für ihr eigenes Ich, nicht für die Firma. Hinzu kommt, dass sie mit ihrem unsozialen und nicht empathischen Verhalten ganze Teams zersetzen und zerstören können. Für die unmittelbar betroffenen Kollegen kann das unter Umständen persönliche Tragödien nach sich ziehen. Für die Firma kann es sich ganz klar als wirtschaftlicher Schaden erweisen.

Unterschätzen darf man toxische Mitarbeiter auf keinen Fall: Nicht selten treten sie besonders eloquent, zunächst freundlich und charmant auf. Denn mit dieser Fassade gelangen sie eindeutig besser an ihr Ziel. 

Junge Kollegin leidet unter Lästerei toxischer Kollegen
Bildquelle: www.istockphoto.com / MachineHeadz

Toxische Kollegen erkennen: So verhalten sich Toxiker

  • Skrupelloses Lügen, Betrügen und das Verbreiten falscher Tatsachen als Taktik
  • Manipulatives Verhalten gegenüber Kollegen
  • Ausnutzen von Personen
  • Kontrollieren und Überwachen von Mitarbeitern
  • Provozieren von Streitigkeiten
  • Aggressivität, Grenzverletzungen
  • Mobbing
  • Sexuelle Nötigung

Die Strategie des Vorgehens entspricht laut Schüler-Lubienetzki und Lubienetzki fast immer dem gleichen Schema. Der Toxiker analysiert zunächst die Situation, zum Beispiel in seinem direkten Arbeitsumfeld oder Team. Dann versucht er im nächsten Schritt mit Lügen und Manipulation die anderen Menschen zu beeinflussen. Dabei werden andere Arbeitskräfte auch in ihrer Arbeitsleistung ausgebeutet oder für eigene Zwecke missbraucht. Schließlich fordert der Toxiker von den anderen die Unterwerfung – ganz im Sinne von „es kann nur einen geben“. Er erreicht damit entweder seine Ziele und seine angestrebte Machtposition, oder aber – beim Scheitern dieser Taktik – er verlässt die Firma.

Negative Auswirkungen auf das Arbeitsklima

Toxische Mitarbeiter können das Arbeitsklima in ganzen Teams und Bereichsfeldern vergiften. Denn durch Täuschen und Betrügen können sich ehemals gute Beziehungen ins Gegenteil verkehren. Das Misstrauen in einer Arbeitsgruppe wächst und es gibt kein Miteinander mehr. Feindbilder entstehen, Missgunst und Neid werden begünstigt.

Durch toxisches Verhalten werden zudem Lagerbildung und die Aufspaltung von Gruppen vorangetrieben. Besonders, wenn Chefs oder Führungskräfte eine toxische Persönlichkeit aufweisen, ist das der Fall. Als Folge können Teams auseinanderbrechen oder arbeitsunfähig werden.

Frau im Yogasitz auf Schreibtisch zwischen sich streitenden toxischen Kollegen
Bildquelle: www.istockphoto.com / Antonio_Diaz

Was tun gegen toxische Kollegen?

Der erste wichtige Schritt im Umgang mit toxischen Menschen liegt darin, überhaupt zu erkennen, dass man es mit solch einer Persönlichkeit zu tun hat. Nicht immer lässt sich auch für geschulte Personaler auf den ersten Blick erahnen, dass es sich um eine toxische Person handelt. Häufen sich jedoch Probleme, Streitigkeiten und Konflikte im Umfeld eines bestimmten Mitarbeiters, lohnt ein genauerer Blick.

In ihrem Grund ist eine toxische Persönlichkeit narzisstisch, machiavellistisch oder psychopathisch angelegt. Deshalb wird es auch schwierig sein, den Konflikt in einem vernünftigen Vier-Augen-Gespräch zu lösen. Selbstverständlich kann man den Arbeitskollegen ganz konkret auf seine Verhaltensweisen ansprechen. Du kannst ihn mit seinen Lügen konfrontieren, ihm sein egoistisches Verhalten vorwerfen oder ihm seine Grenzverletzung aufzeigen. Doch Vorsicht: In der Regel wird das wenig Erfolg haben.

Im Grunde werden drei Strategien empfohlen, wie man mit solch einer Situation umgehen kann. Sie lassen sich in einer kurzen Handlungsempfehlung zusammenfassen:

„Love it, change it oder leave it.“

Strategie 1: Sich mit der Situation arrangieren

Als Betroffener hast du die toxische Situation erkannt. Du kannst dich mit ihr arrangieren, ohne dass sie dich zerstört. Das heißt, du akzeptierst das Verhalten des Toxikers und versuchst für dich, einen Weg zu finden, damit im Berufsalltag umzugehen. Eine auf die Dauer sicher nicht einfache Lösung. Und: Sie funktioniert nur, wenn du nicht an der Situation leidest und du dir bis zu einem gewissen Grad Distanz dazu verschaffen kannst.

Strategie 2: Die Situation verändern

In diesem Fall kann der aktuelle Zustand in der Arbeit aus deiner Sicht nicht so bleiben. Du versuchst also, die Situation zu verändern. Dafür solltest du dir auf jeden Fall Hilfe im Unternehmen holen. Suche vorab das Gespräch mit Vertrauenspersonen und auch Vorgesetzten. Eine Anlaufstelle kann auch der Betriebsrat oder die Personalabteilung sein. Organisiere dich vorzeitig und gehe nicht unvorbereitet in ein Zweier-Gespräch mit dem Toxiker.

Oftmals lässt sich der Konflikt jedoch tatsächlich nur lösen, wenn der toxische Kollege oder die toxische Kollegin aus der Firma entfernt wird.

Gekündigte toxische Kollegin verlässt Arbeitsplatz
Bildquelle: www.istockphoto.com / monkeybusinessimages

Strategie 3: Du verlässt die Arbeit

Hast du das Gefühl, du kannst nichts ändern, oder haben bereits mehrere Versuche nichts gebracht, bleibt dir nur eins: Du flüchtest aus der Situation. Das kann ein interner Wechsel der Arbeitsstelle sein, eine neue Position in einem anderen Team oder aber ein Neuanfang bei einem anderen Arbeitgeber. Bevor deine eigene Gesundheit in Mitleidenschaft gezogen wird, musst du den Notausstieg wählen.

Fazit

Es gibt tatsächlich Persönlichkeiten, die das Potenzial haben, große Zerstörung und erheblichen Schaden in Unternehmen anzurichten. Durch ihr toxisches Verhalten, das auf Egoismus, Skrupellosigkeit und rücksichtslosem Machtstreben fußt, können sie ganze Teams vernichten und Erfolge gefährden. Besonders schwierig wird es, wenn Führungskräfte über diesen Charakter verfügen. Im Umgang mit Toxikern muss man sich unbedingt Hilfe und weitere Gesprächspartner im Unternehmen suchen.

Quellen:
dwds.de, springerprofessional.de, hrpraxis.ch, betriebsrat.de

Aktuelle Jobangebote




Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwenden wir die männliche Form (generisches Maskulinum), z. B. „der Mitarbeiter“. Wir meinen immer alle Geschlechter im Sinne der Gleichbehandlung. Die verkürzte Sprachform hat redaktionelle Gründe und ist wertfrei.