Jeder Mensch hat einmal einen schlechten Tag oder fühlt sich niedergeschlagen. Ca. 8,3 Prozent der Bevölkerung in Deutschland leiden jedoch unter einer Depression, ob in schwächerer oder stärkerer Ausprägung. Ist man wegen einer solchen „ausgesteuert“ und hat also nicht mehr die Möglichkeit, Krankengeld oder Arbeitslosengeld zu erhalten, kann es Sinn machen eine Frührente zu beantragen. In vielen Fällen kommt es jedoch gar nicht so weit, und es bieten sich dem Betroffenen Alternativen.

Allgemeines zur Depression

Bei der Depression handelt es sich um eine weit verbreitete psychische Störung. Typische Symptome sind eine anhaltend gedrückte Laune, ein verminderter Antrieb, Interessenverlust und weitere Beschwerden wie Appetitlosigkeit sowie körperliche Symptome. Dauern diese Beschwerden mindestens zwei Wochen an, kann die Diagnose Depression gestellt werden.

Depressionen werden häufig falsch behandelt

Insbesondere dann, wenn als Begleiterscheinung körperliche Beschwerden auftreten, wird eine Depression vom Hausarzt nicht als solche erkannt und der Patient deshalb falsch behandelt. Auch Symptome wie Vergesslichkeit oder Angstzustände können dazu führen, dass ein Patient, der eigentlich an einer Depression leidet, mit den falschen Medikamenten oder den verkehrten Maßnahmen behandelt wird.

Es gibt standardisierte Fragebögen, anhand derer eine Diagnose gestellt werden kann. Voraussetzung ist jedoch, dass alle Fragen wahrheitsgemäß beantwortet werden. Auch wenn Letzteres zu Schamgefühlen führen kann, ist es unumgänglich, dem Arzt gegenüber nichts schönzureden, denn nur dann kann der betroffenen Person geholfen werden.

Die unterschiedlichen Arten der Depression

Bei einer unipolaren Depression tritt keine manische Phase auf, bei einer bipolaren Störung hingegen schon. Was eine manische Phase ist? Bei einer Manie ist die Stimmung grundlos übermäßig gehoben, und die Betroffenen legen ein riskantes Verhalten an den Tag, was beispielsweise zu besonders unvernünftigen Geldausgaben führen kann.

Wenn jemand an einer leichten Depression leidet, kann der Appetit gesteigert sein, während Betroffene bei einer schweren Depression an Appetitlosigkeit und weiteren Symptomen leiden. Bei der Letzteren ist meistens eine umfangreichere Bandbreite an Symptomen zu beobachten.

Ursachen von Depressionen

Eine Depression hat entweder psychosoziale oder neurobiologische Aspekte, in vielen Fällen auch beides: Eine genetische Veranlagung kann eine Rolle spielen. Es ist zur Entstehung einer Depression also nicht immer ein traumatisches Erlebnis wie der Verlust einer Bezugsperson erforderlich. Auch kann eine Depression hormonell bedingt sein oder als Nebenwirkung eines Medikaments auftreten.

Sowohl Zeitmangel als auch zu viel Zeit können eine Depression auslösen: Bei manchen Personen ist es der langanhaltende Stress, bei anderen Menschen ein Urlaubsantritt, der dafür sorgt, dass sie in ein tiefes Loch des Traurigseins fallen.

Antidepressiva
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Wie wird eine Depression behandelt?

  • Die Art und Dauer der Behandlung hängt vom Schweregrad der Depression ab. Während bei einer leichten Depression häufig eine Psychotherapie und regelmäßige Arzttermine sinnvoll sind, ist eine medikamentöse Behandlung laut MSD Manual erst bei einer mäßigen bis schweren Depression zu empfehlen, wobei zusätzlich eine Psychotherapie sinnvoll sein kann. Viele der Antidepressiva haben lästige Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme oder sexuelle Störungen, die bei dem Patienten zusätzlich zur Belastung werden können. Deshalb ist es wichtig, dass, wenn ein entsprechender Bedarf besteht, gemeinsam mit einem Arzt der Wahl ein Medikament gefunden wird, dessen Nebenwirkungsprofil für die jeweilige Person möglichst erträglich ist.
  • Eine Psychotherapie kann in Einzelsitzungen oder in einer Gruppe stattfinden und dem Patienten dabei helfen, wieder belastbar zu werden und Verantwortungen tragen zu können.
  • Wer keine Medikamente nehmen möchte: Es wird in vielen Fällen davon berichtet, dass ein Schlafentzug bei einer Depression sehr gut geholfen habe. Spreche am besten mit deinem behandelnden Psychiater oder Psychotherapeuten darüber.
  • Ist eine Depression hormonell bedingt, so sollte die Ursache angegangen werden. Frauen können etwa vor der Menstruation (Prämenstruelles Syndrom) oder nach einer Geburt (Wochenbettdepression) an Depressionen leiden. So kann sich die Gabe von natürlichem Progesteron oder DHEA antidepressiv auswirken, wenn eine entsprechende hormonelle Dysbalance besteht (siehe auch ganzheitliche Behandlung der Depression).
  • Es sei angemerkt, dass man sowohl bei Psychiatern als auch bei Psychotherapeuten häufig lange auf einen Termin warten muss. Wenn du stark depressiv bist und keinen zeitnahen Termin bei einem Arzt bekommst, dann gehe am besten zum Hausarzt. Dieser wird dich, wenn du Suizidgedanken schilderst, in eine Klinik einweisen, in der du sofort behandelt wirst. Wer sich vor einer solchen Einweisung fürchtet, sollte dennoch nicht tatenlos abwarten, sondern bei der anonymen Telefonseelsorge anrufen.

Wiedereingliederung – der Versuch wieder in das Arbeitsleben einzusteigen

Bei dem Wiedereinstieg ins Berufsleben nach langer Krankschreibung können Allgemeinmediziner, Psychiater, Betriebsärzte und die Unternehmen selbst kooperieren. Denn ein Arbeitsplatz trägt viel zur sozialen Integration und zum Selbstwertgefühl der an einer Depression erkrankten Person bei.

Bei dem sogenannten „Hamburger Modell“ erfolgt eine stufenweise Wiedereingliederung in den Arbeitsalltag. Während dieser Zeit ist der Patient weiter krankgeschrieben. Dem Arbeitgeber selbst entstehen für diese Art der Beschäftigung keine Kosten. Diese Phase kann 6 Wochen bis 12 Monate dauern.

Auch wenn die Therapie erfolgreich verlaufen ist, muss man während der stufenweisen Wiedereingliederung in das Arbeitsleben mit Einschränkungen rechnen. Und wenn man Fehler in der Arbeit macht, wirkt sich das wiederum negativ auf den Verlauf der Depression aus. Deshalb ist bei einer Wiedereingliederung darauf zu achten, dass nicht nur die Stundenzahl langsam gesteigert wird: Der Mitarbeiter darf nicht wieder von Beginn an dieselbe Verantwortung tragen wie zuvor.

Beim Arbeitgeber nachfragen, ob eine Teilzeitbeschäftigung möglich ist

Auch wenn die psychiatrische und/oder psychotherapeutische Behandlung gut angeschlagen hat, ist es nicht sicher, dass du nach der Wiedereingliederung dazu in der Lage bist, täglich 8 Stunden zu arbeiten. Wenn du beispielsweise denkst, dass 4 Stunden klappen könnten, solltest du bei deinem Arbeitgeber nachfragen, ob dies möglich ist. Solltest du eine Rente wegen Erwerbsminderung beantragen (dazu ausführlich unten), kann die Rentenversicherung von dir auch fordern, bei deinem Arbeitgeber entsprechend nachzufragen.

Rente
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Frührente wegen Depression

  • Je nach Fall gibt es die Möglichkeit eine Rente wegen voller Erwerbsminderung oder eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung zu erhalten. Eine volle Rente erhält, wer am Tag laut ärztlicher Sicht weniger als drei Stunden arbeiten kann, eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung, wenn jemand weniger als 6 Stunden am Tag arbeiten kann. Für viele Personen ist die Frührente mit einem hohen Armutsrisiko verbunden. Da die Renten nicht hoch sind, besteht die Möglichkeit, 450 € im Monat hinzuzuverdienen.
  • Bei der sogenannten „Arbeitsmarktrente“ wird eine volle Erwerbsminderungsrente befristet bewilligt, da der Teilzeitarbeitsmarkt „verschlossen“ ist. Das heißt: Obwohl die Person in Teilzeit arbeiten könnte, erhält sie eine volle Rente, da ein geeigneter Teilzeitarbeitsplatz nicht in Aussicht ist.

Rente wegen Erwerbsminderung – das sind die Voraussetzungen

Man kann bei jeder Rentenversicherung im Landkreis eine Rente wegen Erwerbsminderung beantragen. Es ist jedoch in vielen Fällen gar nicht so leicht, eine solche Rente erfolgreich durchzuboxen. Zuerst wird die Rentenversicherung versuchen, deine Leistungsfähigkeit durch eine Reha wiederherzustellen: Nach Aussage der Deutschen Rentenversicherung gilt nämlich der Grundsatz „Reha vor Rente„. Hat die Reha nicht gegen die Depression geholfen, wird festgestellt, in welchem Umfang der Patient noch arbeitsfähig ist. Dabei wird erwartet, dass der Betroffene eine Bereitschaft zum Wechsel des Berufs zeigt. Das bedeutet: Ist jemand als Arzt zwar nicht mehr arbeitsfähig, wird beispielsweise eine Bereitschaft erwartet, als Küchenhilfe tätig zu sein.

Eine Berufsunfähigkeitsrente kommt laut Deutscher Rentenversicherung übrigens nur für Personen infrage, die vor dem 02.01.1961 geboren sind und damit ohnehin recht bald ihr Rentenalter erreichen.

Zuerst einmal muss die Depression aktenkundig gemacht werden

In den Augen der Rentenversicherung „zählt“ es nicht, wenn man fünf Jahre im stillen Kämmerchen an Depressionen gelitten hat. Suche deshalb einen Psychiater auf und erzähle ihm von deinen Beschwerden. Verschweige auch deine körperlichen Beschwerden nicht. Beantworte all seine Fragen wahrheitsgemäß, da jegliche Übertreibungen von Fachmännern und -frauen als solche entlarvt werden können.

Du solltest auch nicht versuchen, bei dem Arzt einen besonders guten Eindruck zu machen. Wenn du dich normalerweise nicht dazu aufraffen kannst, dich zu duschen oder zu kämmen, dann gehe ruhig in einem ungepflegten Zustand zum Psychiater. Dieser wird diese Auswirkung der Antriebslosigkeit als Depressionssymptom erkennen.

Wenn du einen Rentenantrag stellst, werden alle Ärzte von der Schweigepflicht entbunden. Daraufhin wird der Fall von einem Gutachter der Rentenversicherung untersucht. Dieser fällt eine Entscheidung nach Aktenlage.

  • Man muss die Diagnose Depression erhalten haben (Nur zur Vorbeugung von Missverständnissen: Natürlich kann man eine Rente wegen Erwerbsminderung auch aufgrund anderer Krankheiten beantragen).
  • In der Regel muss man in den letzten drei Jahren 78 Wochen wegen der Depression Krankengeld erhalten haben.
  • Vor Beginn der Erwerbsminderung muss man fünf Beitragsjahre hinter sich gebracht haben.
  • Man muss in den letzten fünf Jahren, bevor die Erwerbsminderung festgestellt wurde, mindestens drei Jahre lang Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung gezahlt haben.

Eine Rente wegen Erwerbsminderung ist immer auf drei Jahre befristet. Wenn man einen Verlängerungsantrag stellt, und der Gutachter rät dazu, eine unbefristete Rente zu bewilligen, kann die erneute Befristung der Rente wegfallen.

Schlusswort

Auch wenn du denkst, dass es keine Lösung für dein Problem gibt: In vielen Fällen sind einfach nur viel Geduld und Beharrlichkeit erforderlich. Es kann dauern, bis du einen Psychotherapeuten findest, der dir wirklich helfen kann oder ein Medikament, das in deinem Fall die Beschwerden zum Verschwinden bringt. Es kann erforderlich sein, den Arzt mehrfach zu wechseln, bis du dich in guten Händen fühlst.

Ein Antrag auf Rente wegen Erwerbsminderung sollte nur dann gestellt werden, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft wurden. Wenn du Arbeit bisher als etwas empfunden hast, das dich krank macht, dann kann es sich auch positiv auf deine Depression auswirken, wenn du einen Job findest, in dem du dich selbst verwirklichen kannst. Die Suche nach einem „maßgeschneiderten“ Job, der sich positiv auf dein Befinden auswirkt, kann lange dauern oder vielleicht auch die Bereitschaft zu einem Umzug erfordern. Falls du eine solche Stelle nicht so schnell findest: Auch eine für dich angenehme Tätigkeit in einem sympathischen Team kann deinen Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.

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