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Bedingungsloses Grundeinkommen: Anreiz zur Arbeit oder Anreiz zur Kündigung?

Cornelia Weidemann 2016/02/01

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Am 5. Juni 2016 stimmt die Schweiz über ein bedingungsloses Grundeinkommen ab. Die Idee dahinter: Jeder Bürger soll regelmäßig einen feststehenden Betrag erhalten, ohne Bedürftigkeitsprüfung und unabhängig von Gehalt oder Anstellung. Denn wer keine Angst hat, seinen Job als Existenzgrundlage zu verlieren, der arbeitet entspannter und somit auch produktiver – so die Initiatoren der Schweizer Volksabstimmung.

Wie würden Sie ganz persönlich auf die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens reagieren?
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Hier die Fakten zur Schweizer Volksabstimmung im kurzen Überblick:

Wie hoch soll das bedingungslose Grundeinkommen sein?
Über den genauen Betrag soll erst nach der Volksabstimmung entschieden werden. Die Initiatoren sprechen über 2.500 CHF pro Person und Monat (auf deutsche Verhältnisse umgerechnet ca. 1.500 Euro). Ein deutsches Paar mit gemeinsamer Wohnung erhielte nach diesem Modell umgerechnet ca. 3.000 Euro pro Monat.

Was sind mögliche Folgen?
Befürworter des Modells argumentieren, dass Arbeit kreativer und fruchtbarer ist, wenn man sie freiwillig macht. Kritiker wenden ein: Wie viele Bürger möchten noch arbeiten gehen, wenn das Gehalt vom Arbeitgeber nicht mehr zum Überleben nötig ist?

Wie sich der Großteil der Bevölkerung verhält, lässt sich schwer voraussagen. Das ist aber essentiell für die langfristige Finanzierung des Vorhabens.

Was wird diskutiert?
Folgende Argumente werden bei der Diskussion um die Einführung des Modells ins Feld geführt:

Für ein bedingungsloses Grundeinkommen

  • Teilnahme am öffentlichen Leben sowie menschenwürdiges Dasein für alle Bürger möglich
  • Keine Existenzsorgen: Arbeit wird freiwillig, Arbeitnehmer werden dadurch produktiver
  • Mehr Engagement z. B. bei ehrenamtlichen Tätigkeiten
  • Einsparungen bei Sozialausgaben und beim Verwaltungsaufwand
  • Entlastung des Arbeitsmarktes

Gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen

  • Volkswirtschaftliche Folgen nicht absehbar
  • Möglicher fehlender Arbeitsanreiz und Personalrückgang bei eher unangenehmen oder schlechter bezahlten Jobs
  • Rückgang des Bildungswunsches
 

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8 Kommentare zu “Bedingungsloses Grundeinkommen: Anreiz zur Arbeit oder Anreiz zur Kündigung?”

  1. Linux Nerd 2016/02/02 um 16:34

    Würde die Zeit für Bildung und Wissenschaftliche Tätigkeiten nutzen anstatt weiterhin in der ewigen Routine der Lohnarbeit festzuhängen.

  2. Angelika 2016/02/02 um 16:58

    Wenn es zu meiner Rente dazu kommt, könnte ich endlich Sorgloser leben, meine Medis bezahlen und die Existänsängste wären weg.

  3. kali balcerowiak 2016/02/02 um 18:35

    bedingungsloses grundeinkommen ist kein wunschkonzert sondern eine zeitgemässe umsetzung der sozialstaatlich gebotenen grundsicherung – entbürokratisiert und diskriminierungsfrei

    die volkswirtschaftliche formel ist schon seit fast hundert jahren entwickelt und sagt dass die hälfte des volkseinkommens pro kopf rückverteilt wird

    warum das so hartnäckig ignoriert wird und stattdessen phantasiesummen ins gespräch gebracht werden ist mir ein rätsel

    diese lösung erfordert auch keine philosophischen diskussionen sondern lediglich eine grundgesetzkonforme änderung des einkommen-steuergesetzes

    niemand hat damit weniger in der tasche als jetzt aber die meisten mehr – auch gibt es keine mehrbelastung für den staatshaushalt

    also weniger reden und endlich vernünftig rechnen – dann kann das was werden!

  4. Malte 2016/02/02 um 19:09

    Bei SOFORT 1500,- € (in Deutschland) würde ich SOFORT kündigen und erstmal nicht mehr für andere arbeiten. Wie ich glaube, viele andere im Billiglohnsektor auch. Das ist das Problem. Wer macht denn dann die zur Zeit schlechter bezahlte Arbeit zur Aufrechterhaltung der Infrastruktur und Finanzierung des BGE? Es wäre dann eine SOFORTIGE Umstellung / Umverteilung von Löhnen nötig. Wenn diese Jobs dann besser bezahlt werden würden (ich bin total dafür!!!), ob dann nicht vieles teurer werden würde? Ich bin gespannt, ob das klappt… Bin natürlich für das BGE, aber man müßte es zB. stufenweise einführen (meine Meinung).

  5. Eva 2016/02/02 um 19:11

    Würde auf keinen Fall aufhören zu arbeiten, aber die Stunden reduzieren und in der so gewonnenen “Freizeit” mich meiner Lieblingsbeschäftigung widmen können: kreativ sein :-) wow, wäre das schön!

  6. Susanne 2016/02/03 um 13:36

    Ich würde meine Selbstständigkeit reduzieren und mich mehr im künstlerischen Bereich ausleben.

  7. kani 2016/02/03 um 21:20

    Würde auf jedenfall weiter arbeiten, allerdings würde ich auch die Stunden reduzieren um mich auch als Freischaffende weiter zu arbeiten und mich weiter zu entwickeln. Und ich würde mir einen Job such der genau zu mir passt, die Arbeitsbedingungen fair sind und nicht hin muss weil ich Geld brauche. Wenn Arbeit Spass, die Menschen mit denen man arbeitet zufrieden sind und man gerne dort hingeht, dann is Arbeit wirklich Produktiv.

  8. Lasse 2016/02/05 um 14:26

    Von mir gibts einen Daumen hoch. Bei sowas denke ich immer an eine Situation, die wohl jeder kennt. Man hat seine 8 Stunden schon lange hinter sich, dann packt man die Sachen und wird von Kollegen schief angesehen, weil man vor Ihnen geht. Typisch Deutsch. Kaum auszuhalten.

    Skandinavische Länder machen vor, wie man die Leute zu produktiver Arbeit bewegt, wieso nicht bald auch die Schweiz.

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