Bei deinem Vorgesetzten schrillen alle Alarmglocken, denn du hast gerade ein Zwischenzeugnis angefordert. Das kann doch nur eines heißen: Du hast innerlich schon gekündigt und bist bereits mit einem Bein in einem anderen Unternehmen. Einen anderen Grund dafür wird es wohl nicht geben! Oder etwa doch? 

Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Eventuell möchtest du auch einfach nur wissen, wie gut du deine Arbeit machst? Oder du hast tatsächlich vor, dich irgendwann nach einem neuen Job umzuschauen, möchtest dir damit aber noch Zeit lassen. Damit dein Chef nicht sofort vom Schlimmsten ausgeht, solltest du dein Zwischenzeugnis geschickt anfordern. 

Anspruch auf ein Zwischenzeugnis?

Tatsächlich hast du prinzipiell keinen gesetzlichen Anspruch auf ein Zwischenzeugnis und kannst es somit bei einer Verweigerung auch nicht von deinem Arbeitgeber erzwingen. Anders wiederum ist dies bei einem Arbeitszeugnis, welches jedem Arbeitnehmer nach Beendigung eines Arbeitsverhältnisses, unabhängig von Dauer und Art, gesetzlich zusteht. 

Für die Erstellung eines Zwischenzeugnisses ist dagegen ein plausibler Grund notwendig, um deinen Arbeitgeber von der Anfertigung zu überzeugen. 

Was sind triftige Gründe?

Zu diesen Gründen gehören beispielsweise:

– Du bist schon lange im Unternehmen

Wenn du bereits über drei Jahre im Unternehmen bist, noch nie ein Zwischenzeugnis erhalten hast und nun eines anforderst, befinden das viele Experten als durchaus gerechtfertigt. Immerhin ist es interessant, die eigenen Leistungen mithilfe eines Zeugnisses besser einschätzen und sich dadurch weiterhin verbessern zu können. Außerdem können deine Leistungen so langfristig ordentlich dokumentiert werden. 

– Du bekommst einen neuen Chef

Wenn sich dein direkter Vorgesetzter ändert, ist dies ein guter Zeitpunkt, um ein Zwischenzeugnis anzufordern. Dies gilt auch für einen bevorstehenden Übergang des Betriebs. Immerhin weißt du nie, ob du mit deinem neuen Chef genauso gut klarkommen wirst, wie mit deinem bisherigen, und ob er dich wirklich leistungsgerecht beurteilen kann. Zudem kennt dich dein aktueller Chef in den meisten Fällen schon lange, weiß um deine Erfolge der letzten Jahre und kann deine Arbeitsleistung deshalb definitiv besser bewerten. 

– Du möchtest eine Auszeit machen 

Sabbaticals werden immer beliebter und sind schon lange nichts Ungewöhnliches mehr. Möchtest du dir eine kurze oder längere Auszeit von deinem Beruf nehmen, ist dies ebenfalls ein guter Grund, um ein Arbeitszeugnis anzufordern. Immerhin könnte sich dein Vorgesetzter nach deiner Rückkehr geändert haben oder aber du möchtest später gerne deine Position verändern. 

– Du wechselst deinen Job innerhalb der Firma

Auch wenn du innerhalb deiner Firma den Job wechselst, beispielsweise weil du versetzt oder befördert wirst, ist es legitim, ein Zwischenzeugnis anzufordern. Du stehst nun vor neuen Aufgaben, doch deine bisherigen Erfahrungen und Leistungen sollen trotzdem nicht in Vergessenheit geraten. Außerdem kann es immer passieren, dass dir der neue Job nicht gefällt. Zudem gibt es auch hier häufig einen Wechsel des direkten Vorgesetzten.

– Deine Elternzeit steht an

Auch vor dem Antritt der Elternzeit bietet sich die Frage nach einem Zwischenzeugnis günstig an. Nicht immer ist bei der Rückkehr in die Firma alles so, wie man sie verlassen hat. 

– Du möchtest dich weiterbilden

Viele Fortbildungsstätten fordern ein Zwischenzeugnis von den Teilnehmern an, weshalb eine berufliche Weiterbildung ein sehr guter Grund ist, ein solches von deinem Chef zu erfragen. Außerdem wird dein Weiterbildungsdrang eventuell auch durchaus positiv ausgefasst.

– Dir droht eine Entlassung

Du hast Angst um deinen aktuellen Job? Dann ist dies mit Sicherheit ein triftiger Grund, um ein Zwischenzeugnis anzufordern. Deine Befürchtungen können beispielsweise mit einem betriebsbedingten Stellenabbau in deiner Firma einhergehen. Auch die Übernahme eines Unternehmens kann ein Grund zur Sorge sein. 

– Du möchtest tatsächlich den Job wechseln

Wenn du nun doch kündigen und einen neuen Arbeitgeber suchen möchtest, kann ein Zwischenzeugnis für die Bewerbungen sehr hilfreich sein. Jedoch ist es oft nicht unbedingt ratsam, dies seinem Vorgesetzten auf die Nase zu binden. Falls du diesen Grund lieber nicht offen ansprechen möchtest und deshalb auf ein Zwischenzeugnis verzichtest, findest du hier Tipps zum Bewerben ohne Arbeitszeugnis. 

Zwischenzeugnis anfordern - Zeitpunkt
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Darauf solltest du bei deiner Anfrage achten

Trotz guter Gründe könnte deine Anfrage für ein Zwischenzeugnis Auswirkungen haben, sollte dein Arbeitgeber dennoch von einer drohenden Kündigung deinerseits ausgehen. So kann es passieren, dass die Stimmung in der Arbeit plötzlich angespannt ist oder dass du von deinem Vorgesetzten benachteiligt wirst, da er sowieso nicht mehr lange mit dir rechnet. 

Versuche deshalb, den passenden Moment für deine Anfrage zu finden und gehe dabei mit viel Fingerspitzengefühl vor. Bitte um ein privates Mitarbeitergespräch und sprich möglichst offen und ehrlich über deine Situation. Zeige deinem Chef durch deinen stetigen Einsatz, dass er sich auch weiterhin auf dich verlassen kann und du dem Unternehmen treu bleibst.

Solltest du tatsächlich einen Jobwechsel vorhaben, aber dies mit einer erfundenen Geschichte vertuschen, könnte dir das eventuell zum Verhängnis werden. Bleibe lieber bei der Wahrheit oder verzichte auf ein Zwischenzeugnis. 

In manchen Fällen kann es dir sogar Vorteile bringen, wenn dein Chef eine Kündigung vermutet, da er so eventuell entsprechende Maßnahmen, wie beispielsweise eine Gehaltserhöhung, trifft, um dich zu halten. Dennoch: Vorsicht ist geboten!

Die Art des Zeugnisses

Das Zwischenzeugnis gleicht dem Arbeitszeugnis inhaltlich, bis auf eine Ausnahme: Da du ja immer noch in der Firma tätig bist, ist es in der Gegenwart geschrieben. Wie beim Arbeitszeugnis auch gibt es beim Zwischenzeugnis zwei verschiedene Varianten: das einfache und das qualifizierende. Während das einfache Arbeitszeugnis lediglich eine neutrale Tätigkeitsbeschreibung ist, sind im qualifizierenden alle folgenden Punkte enthalten:

Qualifiziertes Zwischenzeugnis:

  • Angaben zum Arbeitnehmer
  • Beginn der Beschäftigung
  • Tätigkeitsbeschreibung
  • Beurteilung der Leistung und des Sozialverhaltens
  • Schlussformel

Es ist daher ratsam, immer ein qualifizierendes Zwischenzeugnis anzufordern.

Das qualifizierte Zwischenzeugnis hat eine große Auswirkung auf dein Arbeitszeugnis, denn die Bewertung in diesem darf nicht ohne triftigen Grund grundlegend von deinem Zwischenzeugnis abweichen. 

Tipps zur Formulierung der Anfrage
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Tipps zur Formulierung

Damit unangenehme Folgen deiner Forderung möglichst ausbleiben ist es wichtig, dein Anliegen passend zu formulieren. Egal, ob du es mündlich oder schriftlich vorträgst – du solltest dir zuvor bereits die richtigen Worte zurechtgelegt haben. Wichtig ist, deinen Wunsch zu begründen, um Missverständnisse bereits von vornherein zu vermeiden. Dein Ansprechpartner ist in den meisten Fällen dein direkter Vorgesetzter. Die Formulierung deines Anliegens solltest du natürlich entsprechend eurem normalen Umgangston miteinander anpassen. 

Hier ist ein Beispiel für eine positive Formulierung des Zeugniswunsches:

Nun ist es ja bald so weit und ich werde in Elternzeit gehen. Da sich für mich durch die Geburt meines Kindes ein neuer Lebensabschnitt auftut, wird sich sicherlich einiges in meinem Leben verändern. Doch auch in der Firma wird die Zeit nicht stillstehen, solange ich weg bin. Deshalb hätte ich gerne ein qualifiziertes Zeugnis, um einen schriftlichen Nachweis über meine bisherigen Leistungen zu haben. Um die damit verbundene Arbeit zu erleichtern, habe ich bereits einen Entwurf erstellt und meine Aufgaben, Leistungen und Erfolge zusammengetragen.

Vielen Dank für Ihre/Deine Unterstützung.

Fazit

Ein qualifiziertes Zwischenzeugnis zu verlangen kann immer mit einem gewissen Risiko verbunden sein, da der Arbeitgeber oft eine bevorstehende Kündigung vermutet. Wenn du deinem Vorgesetzten jedoch einen plausiblen Grund lieferst und den richtigen Ton triffst, ist dieser sicher auch gewillt, dich zu unterstützen und deinem Wunsch nachzukommen.

Falls du bereits seit längerer Zeit in einem Unternehmen bist, empfiehlt sich außerdem eine regelmäßige Anforderung des Zwischenzeugnisses im Abstand von ca. 3 Jahren. So bist du immer auf der sicheren Seite und für deinen Arbeitgeber ist dein Wunsch kein Warnsignal mehr. Aufgrund des zusätzlichen Arbeitsaufwandes solltest du das Zeugnis jedoch keinesfalls häufiger verlangen. 


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