Arbeiten in der Schwangerschaft ist für die meisten Schwangeren kein Problem. Und doch gibt es immer wieder Frauen, die ab Bekanntwerden der Schwangerschaft von einem Tag auf den anderen nicht mehr in der Arbeit auftauchen. Sie haben ein Beschäftigungsverbot erhalten. Worum handelt es sich dabei genau?

Was ist ein Beschäftigungsverbot für Schwangere?

Der Begriff „Beschäftigungsverbot“ taucht im Mutterschutzgesetz (MuSchG) auf. Es gibt verschiedene Arten von Beschäftigungsverboten für Schwangere:


1. Ein generelles Beschäftigungsverbot

… gilt während des Mutterschutzes, also sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin und acht Wochen ab Geburt. In dieser Zeit darf nicht gearbeitet werden. Kommt das Baby einige Tage vor dem Termin auf die Welt, dauert die Mutterschutzfrist insgesamt trotzdem 14 Wochen. Die Tage, die das Kind früher auf die Welt gekommen ist, werden angehängt.

Eine Mutterschutzfrist von 12 Wochen nach der Geburt (statt acht Wochen) erhält, wer

  • eine medizinische Frühgeburt hatte (beispielsweise, wenn das Neugeborene bei Geburt unter 2.500 Gramm wiegt),
  • Zwillinge, Drillinge oder Mehrlinge bekommt oder
  • ein Kind mit Behinderung bekommt. In diesem Fall kannst du bei deiner Krankenkasse beantragen, die Schutzfrist zu verlängern.

Neben diesem generellen Beschäftigungsverbot, in dessen Anspruch alle Schwangeren bzw. Mütter kommen, gibt es jedoch noch weitere Umstände, die greifen können und dich dann von deiner Arbeit fernhalten. Diese richten sich nach deiner zu leistenden Tätigkeit, deinem Arbeitsplatz und deinem Gesundheitszustand.

Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft
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2. Ein betriebliches Beschäftigungsverbot

… hängt von der Arbeit ab, die du im Normalfall in deinem Job verrichten musst. Klar ist: Bist du schwanger, so gilt ab jetzt ein besonderer Schutz für dich und dein Ungeborenes. Im Mutterschutzgesetz sind verschiedene Gefahren festgehalten, denen du dann am Arbeitsplatz nicht mehr ausgesetzt werden darfst. Darunter fallen beispielsweise:

  • besondere körperliche Anstrengungen (wie schweres Heben, ständiges Stehen, erhebliches Bücken oder Strecken)
  • der Kontakt mit Gefahren- oder Giftstoffen
  • eine Beschäftigung in besonders belastenden Arbeitssituationen (zum Beispiel in Räumen mit Überdruck o.ä.)

Bevor dir dein Arbeitgeber jedoch ein betriebliches Beschäftigungsverbot ausstellt, wird er erst versuchen, deinen Arbeitsplatz passend umzugestalten, sodass keine unverantwortbare Gefährdung mehr für dich und dein Baby besteht. Das ist auch sein gutes Recht. Alternativ kann es auch sein, dass dir die Versetzung in eine andere Abteilung nahegelegt wird, um dich und dein Ungeborenes ausreichend zu schützen.

Wer beurteilt die Situation?

Doch wer entscheidet letztendlich darüber, was tatsächlich eine unzumutbare Gefährdung darstellt? Im Streitfall wird es auch hier ein Mediziner wie beispielsweise der Betriebsarzt sein, der darüber zu urteilen hat.

Bei einem Beschäftigungsverbot hast du Anspruch auf Mutterschutzlohn laut § 18 MuSchG. Dieser errechnet sich aus dem durchschnittlichen Lohn, den du von deinem Arbeitgeber in den letzten drei Monaten vor Ausspruch des Beschäftigungsverbots erhalten hast. Dein Arbeitgeber bekommt diese Ausgaben von deiner Krankenkasse rückerstattet.


3. Ein ärztliches Beschäftigungsverbot

Früher sprach man hier vom individuellen Beschäftigungsverbot. Grundlage für dieses Verbot ist immer ein ärztliches Attest. Der Arzt bescheinigt darin, dass das individuelle Gesundheitsrisiko für dich und dein ungeborenes Kind zu hoch ist, wenn du weiterarbeitest. In der Regel möchte man dadurch vor allem Frühgeburten vermeiden. Klassische Indikationen für solch ein ärztliches Beschäftigungsverbot sind beispielsweise eine zu frühe Gebärmutterhalsverkürzung oder vorzeitige Wehen. Es kann aber durchaus auch die psychische Verfassung einer Schwangeren solch ein Beschäftigungsverbot nötig machen, wenn entsprechend belastende Umstände vorliegen.

Beschäftigungsverbot durch Arzt
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4. Ein vorläufiges Beschäftigungsverbot

Ein vorläufiges Beschäftigungsverbot stellt ebenfalls ein Arzt aus. Es besagt allerdings nur, dass du aktuell nicht zur Arbeit gehen darfst, solange dein Arbeitsplatz und deine Tätigkeit vonseiten deines Arbeitgebers nicht daraufhin überprüft wurden, ob sie deiner Gesundheit schaden könnten. Im Zweifelsfall kann hier die zuständige Aufsichtsbehörde deines Bundeslandes eingeschaltet werden. Sie wird in der Regel vor allem dann hinzugezogen, wenn du dich als Schwangere nicht mit deinem Arbeitgeber einigen kannst. Du hast das Recht, dich an deine zuständige Aufsichtsbehörde zu wenden, um abklären zu lassen, ob du an deinem Arbeitsplatz ohne Gefährdung tätig sein kannst bzw. ob und wie dein Arbeitgeber deinen Arbeitsplatz entsprechend umgestalten kann oder vielmehr muss. Je nach Bundesland unterscheiden sich die zuständigen Behörden. In der Regel sind hier die Ämter für Verbraucher- oder Arbeitsschutz oder die Gewerbeaufsichtsämter der richtige Ansprechpartner. 


5. Ein arbeitszeitliches Beschäftigungsverbot

Bestimmte arbeitszeitliche Beschränkungen sind generell gesetzlich vorgeschrieben. So dürfen Schwangere nicht zwischen 20 Uhr und 6 Uhr morgens arbeiten, keine Sonn- oder Feiertagsarbeit leisten und nicht zu Mehrarbeit verpflichtet sein. Allerdings kann hier die zuständige Aufsichtsbehörde Ausnahmeregelungen verhängen. Zudem gelten bei besonderen Beschäftigungsverhältnissen, wie beispielsweise in der Schauspielbranche oder in der Gastronomie, ebenso Ausnahmen.


Fazit

Es gibt verschiedene Arten von Beschäftigungsverboten, die in der Schwangerschaft greifen können. Einige davon orientieren sich an deinem Arbeitsplatz und deiner Tätigkeit, andere wiederum sind von deinem Gesundheitszustand abhängig. Ein Beschäftigungsverbot kann entweder von einem Arzt oder von deinem Arbeitgeber bzw. der zuständigen Aufsichtsbehörde angeordnet werden. 

Quellen:
bmfsfj.de, familienportal.de, betriebsarzt.online

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