Wir leben in einer virtuellen Welt. Gemeinsam. Einsam. Einer Welt aus Bildschirmen und Touchpads, aus Bits und Bytes, Einsern und Nullen. Wir verschicken virtuelle Briefe, halten virtuelle Meetings, senden virtuelle Grüße. Digital. Wir hören unsere Stimmen, sehen unsere Gesichter, bleiben jedoch in unserem eigenen Raum. Distanziert. Weit weg von jeglicher Möglichkeit auf Berührung.

Durch Corona haben wir gelernt, wie wichtig diese digitale Welt für uns sein kann. Wie sehr sie die Dinge vereinfacht oder überhaupt erst möglich gemacht hat. Und dennoch haben wir auch noch etwas anderes gelernt: Unsere virtuelle Welt macht uns einsam.

Vor ein paar Tagen habe ich in einer Serie aus den frühen 2000er Jahren ein Gespräch über die Effizienz von E-Mails gehört. Wer eine Mail schreibt, anstatt anzurufen, verzichtet auf das obligatorische „chit-chat“ – das Plaudern – und kommt gleich zum Punkt, wurde argumentiert. So spart man sich jede Menge Zeit und ermöglicht eine produktivere Arbeit. Das stimmt natürlich, weshalb ich im Büro selbst meist auch lieber eine kurze Mail schreibe, anstatt zum Hörer zu greifen. Doch der persönliche Austausch und die dadurch entstehende Verbundenheit bleiben dabei auf der Strecke. Fehlende Menschlichkeit. Wir merken es nicht sofort. Aber Technik und Effizienz können uns wichtige Berührungspunkte stehlen. 

Haben wir nicht schon vor Corona damit angefangen, uns immer mehr zu isolieren? Uns zu distanzieren? Abstand zu halten? Unsere sozialen Kontakte aufgrund von Zeitoptimierung einzuschränken?

Online-shopping, ein paar Klicks und rein in den Warenkorb, schon hat man ein neues Outfit. Dabei war shoppen gehen doch früher einmal ein soziales Event, bei dem man sich mit einer Freundin getroffen und von einer Verkäuferin beraten lassen hat. Schaufensterbummel, Klamotten anprobieren und danach die Ausbeute in einem Café begießen. Doch wozu das alles, wenn man doch die ganze Welt auf seinem Bildschirm hat?

Eine digitale Welt, die wir oft der realen vorziehen. Weil sie uns schützt. Nicht nur vor Coronaviren. Sie ist ein Zufluchtsort, an dem wir uns sicher fühlen. Unsere Komfortzone. Alles, was wir möchten, ist nur ein paar Klicks entfernt. Und wenn du heute noch bestellst, wird es garantiert morgen noch geliefert. Virtual Reality. Achterbahnfahren auf dem Sofa. Garantiert risikofrei.

Vielleicht haben wir mit der virtuellen Welt nicht nur grenzenlose Freiheit erschaffen, sondern gleichzeitig auch unser persönliches Gefängnis. Vielleicht zeigt uns Corona, dass die echte Welt da draußen auf uns wartet, auch wenn wir sie oft genug zugunsten einer anderen ignorieren. Doch jetzt vermissen wir sie.

Weil uns klar wird, dass keine Technik der Welt Berührungen ersetzen kann.

Und sozialer Austausch manchmal wichtiger ist, als Effizienz.

Und weil Virtualität nun einmal per Definition zwar real erscheint, jedoch einfach nicht echt ist. 


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