Wie sehr sorgen sich verschiedene Bevölkerungsgruppen um den Verlust ihres Arbeitsplatzes im Angesicht der Corona-Krise? Dieser Frage gehen Forscher des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung im Rahmen einer Online-Befragung nach. Erste Ergebnisse der Studie wurden jetzt vorab veröffentlicht. Sie zeigen:
Die Angst vor Arbeitslosigkeit wächst.

Die Studie

Die Wissenschaftler wollten wissen, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf den Alltag von Menschen in Deutschland, ihre Erwerbstätigkeit, ihr Familienleben und ihr subjektives Wohlbefinden hat. Dazu starteten sie eine Online-Befragung. Knapp 8.000 Personen füllten die Umfrage innerhalb der ersten beiden Wochen vollständig aus, also zwischen dem 23. März und 5. April 2020. Die Fragen, die sie beantworteten, bezogen sich sowohl auf die aktuelle Zeit als auch auf die Zeit vor der Pandemie. Den vorläufigen Ergebnissen der Befragung, die nun präsentiert wurden, liegen die Antworten von ca. 6.200 Personen im Alter von 18 bis 65 Jahren zugrunde. Sie alle gaben an, erwerbstätig zu sein. Zu den Erwerbstätigen wurden auch Personen gezählt, die nur aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie vorübergehend nicht arbeiten. Konkrete Ergebnisse der Stichprobe können hier eingesehen werden.

Ergebnis: Die Angst vor Arbeitslosigkeit wächst

Die Befragung fand Ende März bzw. Anfang April statt. Zu dieser Zeit war die Bundesrepublik Deutschland auf Hochtouren bemüht, einen größeren Ausbruch der Covid-19-Erkrankungen hierzulande zu verhindern. Wir steckten mitten im Lockdown. Im ganzen Land waren Schulen und Kitas geschlossen, die Gastronomie hatte zu, und jeder, der konnte, arbeitete im Home-Office. Aus heutiger Sicht kann man sagen: Wir befanden uns aber noch ziemlich am Anfang der Pandemie. Für akute wirtschaftliche Folgen war es da noch fast zu früh. Deshalb verwundert es auch nicht, dass in der Befragung nur 19 Personen angaben, dass sie ihren Job bereits aufgrund der Corona-Krise verloren hätten.

Aber: Es sorgten sich bereits viele Menschen darum, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Vor allem Personen, die bereits vor der Pandemie Schwierigkeiten hatten, mit ihrem Einkommen zurecht zu kommen, fürchteten jetzt deutlich häufiger die Arbeitslosigkeit. Das kann darauf hindeuten, dass die Corona-Krise die soziale Schere im Land weiter aufspreizt. Wer bislang schon eher gering verdient hat, trägt jetzt also noch mehr Sorge, gekündigt zu werden.

Die Krise verstärkt soziale Ungleichheiten.

Darüber hinaus lässt sich in der Gruppe der Selbstständigen eine deutlich gestiegene Sorge vor Arbeitsplatzverlust feststellen. Schon vor der Pandemie war bei ihnen die Angst vor Arbeitslosigkeit größer als bei Angestellten. Doch diese ist nun noch einmal um gut zehn Prozentpunkte angewachsen. Viele Selbstständige sind sich nicht sicher, ob ihr Unternehmen diese Krise und einen eventuell länger andauernden Lockdown übersteht.

Wer sorgt sich am meisten?

Die Wissenschaftler untersuchten auch, welches Geschlecht sich mehr Sorgen um den Arbeitsplatzverlust macht. Hier wurde deutlich, dass im Zuge der Pandemie die Angst bei Frauen und auch bei Müttern etwas mehr gestiegen ist, als bei Männern und Vätern.

In der ältesten Altersgruppe der Befragten, also der der 56- bis 65-Jährigen, stieg die Sorge vor Arbeitslosigkeit weniger stark an als bei den Jüngeren. Hier dürfte eine Rolle spielen, dass viele Menschen in diesem Alter sozusagen ihre Schäfchen schon im Trockenen haben und deshalb finanzielle Einbußen weniger fürchten.

Einen Einfluss hatte auch die Größe eines Unternehmens, bei dem die Befragten angestellt sind. Vor der Pandemie konnte man hier keinen relevanten Unterschied bzgl. der Angst vor Arbeitsplatzverlust feststellen, der mit der Firmengröße korreliert. Jetzt jedoch ergab sich ein anderes Bild: Vor allem bei Beschäftigten in kleineren Unternehmen mit weniger als 20 Angestellten stieg die Sorge stark an. Sie fürchten vermutlich, dass kleinere Firmen den wirtschaftlichen Herausforderungen nicht so gut gewachsen sein könnten.

Fazit

Glaubt man Virologen und Epidemiologen, so werden wir uns auf ein Zusammenleben mit dem Virus einstellen müssen. Erst die kommenden Monate werden zeigen, wie sich die Situation weiterentwickelt, sowohl in pandemischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Studie zeigt, dass jedoch bei vielen Befragten bereits zu Beginn der Krise die Sorge um den Verlust ihres Arbeitsplatzes wuchs. Besonders auffällig: Vor allem Geringverdiener oder Menschen, die schon vor der Corona-Krise Mühe hatten, mit ihrem Verdienst ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, fürchten jetzt noch stärker die Arbeitslosigkeit.

Quelle:
https://wzb.eu/de/pressemitteilung/erwerbsarbeit-in-zeiten-von-corona


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