Immer wieder wird beklagt, dass wir in Deutschland ein viel zu kompliziertes Steuersystem hätten. Doch eine Berufsgruppe kann sich über das deutsche Steuerrecht freuen: die Steuerberater. Sie beraten Privatleute wie auch Unternehmen in Steuersachen, fertigen Steuererklärungen an, reichen diese ein und weisen all den Steuerlaien im Land den Weg durch den komplizierten Vorschriften- und Zahlendschungel.

Wie wird man Steuerberater?

Die Steuerberaterprüfung

Steuerberater ist in Deutschland eine geschützte Berufsbezeichnung. Nur, wer die Steuerberaterprüfung erfolgreich abgelegt hat, darf sich mit diesem Titel schmücken. Die Steuerberaterprüfung gilt als legendär schwer, viele Mythen ranken sich darum – begleitet von einer sehr hohen Quote an Teilnehmern, die scheitern. So schafften die Steuerberaterprüfung 2018/2019 nur ganze 57,5 % der Prüflinge (vgl. www.nwb.de). Das bedeutet umgekehrt, dass fast jeder Zweite, der zur Prüfung antritt, durchfällt.

Die Steuerberaterprüfung besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil. Die schriftliche Prüfung ist bundeseinheitlich gestaltet und findet einmal pro Jahr im Oktober statt. Die mündliche Prüfung wird je nach Bundesland zwischen Januar und April abgehalten. Für die Zulassung zur Prüfung und die organisatorische Durchführung der Prüfung ist die jeweilige Steuerberaterkammer der Bundesländer zuständig.


Wer darf zur Prüfung antreten?

Es gelten spezielle Zulassungsvoraussetzungen für die Steuerberaterprüfung. Die Prüfung absolvieren darf, wer …

  • ein Masterstudium (Regelstudienzeit mindestens acht Semester) in einem steuerrelevanten Bereich absolviert hat (z. B. Wirtschaftswissenschaften oder Rechtswissenschaften) und darüber hinaus mindestens zwei Jahre praktische Berufserfahrung im Bereich Steuern nachweisen kann.
  • ein Bachelorstudium (Regelstudienzeit mindestens sechs Semester) in einem steuerrelevanten Bereich absolviert hat (z. B. Wirtschaftswissenschaften oder Rechtswissenschaften) und darüber hinaus mindestens drei Jahre praktische Berufserfahrung im Bereich Steuern nachweisen kann.
  • Beamter des gehobenen Dienstes der Finanzverwaltung ist und zudem sieben Jahre praktische Tätigkeit im Steuerbereich oder mehr vorweisen kann.
  • eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten absolviert hat, anschließend eine Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter oder zum Steuerfachwirt abgelegt hat und darüber hinaus mindestens sieben Jahre Berufserfahrung in diesem Bereich nachweisen kann.
  • eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten gemacht und anschließend mindestens zehn Jahre in diesem Bereich gearbeitet hat.

Die erforderliche Berufspraxis ist folgendermaßen definiert: Sie umfasst mindestens 16 Wochenstunden praktische Tätigkeit auf dem Gebiet der von den Bundes- oder Landesfinanzbehörden verwalteten Steuern. Das heißt, die Tätigkeit kann also auch in Teilzeit erbracht werden; der Mindestumfang muss eben 16 Wochenstunden betragen.

Job Steuerberater
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Was macht ein Steuerberater?

Anstellungsmöglichkeiten

Als Steuerberater kannst du dich selbstständig machen oder aber als Angestellter in einer Kanzlei arbeiten. Welche Mandanten bzw. Steuersachen du begleitest und bearbeitest hängt in erster Linie von der Wahl deines Arbeitgebers ab. Bist du bei einer großen Wirtschafts- bzw. Bilanzprüfungsgesellschaft angestellt, wirst du vermutlich mit anderen wirtschaftlichen Verhältnissen und betriebswirtschaftlichen bzw. steuerrechtlichen Fragen zu tun haben, als wenn du als Ein-Mann- bzw. Ein-Frau-Unternehmen für Privatleute die Steuererklärung verfasst. Du kannst jedoch auch bei einer Finanzbehörde oder beim Finanzgericht beschäftigt sein. Das Berufsbild Steuerberater ist dadurch sehr vielseitig und umfangreich.


Aufgabengebiete

In dein Tätigkeitsfeld als Steuerberater fallen viele unterschiedliche Aufgaben im Bereich Finanzen und Steuern, wie zum Beispiel:

  • Beratung rund um das Thema Steuererklärung und Steuersparmodelle
  • Anfertigen und Einreichen der Steuererklärung
  • Prüfen von Verträgen unter steuerrechtlichem Aspekt
  • Beratung bei Unternehmensgründungen oder Umstrukturierungen
  • betriebswirtschaftliche Hilfestellung bei Rechnungslegung nach nationalem oder internationalem Recht, bei Bilanzen und Zollangelegenheiten
  • Vertretung von Mandanten vor dem Finanzgericht
  • Aufgaben als Treuhänder, Insolvenz- oder Vermögensverwalter

Verdienstmöglichkeiten

Als Steuerberater kannst du zu Beginn deiner Karriere mit einem monatlichen Einstiegsgehalt von ca. 4.000 Euro brutto rechnen. Je nach deiner Ausbildung und deiner Berufserfahrung, die du schon mitbringst, kann der Verdienst aber erheblich variieren. Später sind durchaus Jahresgehälter von über 100.000 Euro möglich, vorausgesetzt, du arbeitest in der richtigen Branche und mit wichtigen Großkunden.


Fazit

Wer sich gerne mit Zahlen beschäftigt, mit Vorliebe exakt und genau arbeitet und die Behörden- und Rechtssprache liebt, für den könnte der Beruf des Steuerberaters interessant sein. Fakt ist: Steuerberater sind nicht nur aktuell, sondern schon seit Jahren extrem gesucht auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Durch die strengen Zulassungsvoraussetzungen zur Steuerberaterprüfung und die hohe Durchfallquote liegt die Zahl derer, die sich Steuerberater nennen dürfen, bereits seit langem immer weit unter dem vom Arbeitsmarkt geforderten Maß. Du hast also sehr gute Berufsaussichten auf einen tollen Job, wenn du alle Hürden genommen hast und dich mit dem Titel „Steuerberater“ schmücken darfst.

Quellen:
beruf-steuerberater.de, berufenet.arbeitsagentur.de


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