#BlackLivesMatter – unter diesem Hashtag wird bereits seit dem Jahr 2013 in den sozialen Netzwerken gegen Gewalt gegen Schwarze protestiert. Die grausame Festnahme und Tötung von George Floyd am 25. Mai 2020 durch einen Polizisten löste nicht nur in den USA zahlreiche Demonstrationen gegen Rassismus aus, sondern auf der ganzen Welt. Denn Rassismus ist auch hierzulande allgegenwärtig und betrifft nicht nur Schwarze Menschen, sondern zahlreiche Minderheiten, die aufgrund ihrer ethnischen Herkunft, Religion oder Hautfarbe ungleich behandelt und Opfer rassistischer Beleidigungen werden.

Auch in der Arbeitswelt stellt dies ein großes Problem dar. Ob ausländerfeindliche Witze im Büro, anzügliche Bemerkungen in der Kantine oder Diskriminierung im Bewerbungsprozess: Minderheiten haben häufig sowohl direkt als auch indirekt mit Vorurteilen und Benachteiligungen auf dem Arbeitsmarkt zu kämpfen. 

Was ist Diskriminierung?

Während Rassismus als eine bestimmte Geisteshaltung definiert wird, die Menschen aufgrund äußerer Merkmale in bestimmte „Rassen“ einordnet, meint Diskriminierung eine konkrete Handlung. Diskriminierung bedeutet prinzipiell jede Form von Benachteiligung, Ungleichbehandlung, Herabwürdigung oder Ausschluss von einzelnen Personen oder Gruppen aufgrund von Merkmalen, die in diesem bestimmten Zusammenhang nicht relevant sind. Dazu gehören beispielsweise Geschlecht, Rasse, Alter oder bestimmte Krankheiten und Behinderungen. 

Diskriminierung findet auf verschiedenen Ebenen statt und ist deshalb nicht immer sofort sichtbar. Insbesondere kann zwischen direkter und indirekter Diskriminierung unterschieden werden:

  • Direkte Diskriminierung: Menschen werden aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe oder einem sonstigen äußerlichen Merkmal ungleich behandelt oder ihre Würde wird verletzt, indem sie angefeindet, erniedrigt oder beleidigt werden. 

Beispiel aus der Arbeitswelt:

Der Personalchef lädt die tunesische Bewerberin nicht zu einem Vorstellungsgespräch ein, obwohl sie die gleichen Qualifikationen besitzt, wie eine einheimische Bewerberin, weil er der Meinung ist, dass sie als Tunesierin ein niedrigeres Ausbildungsniveau hat. 

  • Indirekte Diskriminierung: Minderheiten werden durch eine scheinbar neutrale Vorschrift benachteiligt. 

Beispiele aus der Arbeitswelt:

Ein Unternehmen verbietet das Tragen von Kopfbedeckungen. Dadurch werden indirekt Frauen diskriminiert, die gemäß ihrer Religion ein Kopftuch tragen. 

Ein Unternehmen bietet bestimmte Vergünstigungen nicht für Teilzeitkräfte an, welche jedoch mehrheitlich Frauen sind. Dies ist indirekt eine geschlechtsspezifische Benachteiligung.  

Diskriminierung in der Arbeitswelt
Bildquelle: www.istockphoto.com / Michail_Petrov-96

Wie zeigt sich Diskriminierung in der Arbeitswelt?

Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt meint, dass Menschen trotz gleichwertiger Voraussetzungen von einem Arbeitgeber ungleich behandelt werden. So können ausländische Beschäftigte in einem Betrieb niedrigere Stellen besetzen als ihre gleich qualifizierten einheimischen Kollegen, da beispielsweise ihre Beförderungschancen geringer sind. 

Weiterhin können direkte und indirekte Diskriminierung in der Arbeitswelt auch folgende Bereiche betreffen: 

  • Lohndiskriminierung
  • Weiterbildung
  • Arbeitsschutz
  • Anstellungsdiskriminierung
  • Kündigung und Kündigungsschutz
  • Mobbing

Studie aus der Schweiz

In der Studie „Möglichkeiten von Massnahmen gegen rassistische Diskriminierung in der Arbeitswelt – Eine Bestandesaufnahme von Problemlagen und Handlungsmöglichkeiten“, welche im Auftrag der Fachstelle für Rassismusbekämpfung des EDI erstellt wurde, fand man heraus, dass ausländische Erwerbstätige gegenüber Schweizer/innen vermehrt in Dienstleitungs- und Verkaufsberufen arbeiten, insbesondere im Handwerk oder als Hilfsarbeitskräfte. Unter Führungskräften findet man sie dagegen eher selten. 

Dies spiegelt sich auch in den Löhnen wider. Generell lag der Bruttomedianlohn im Jahr 2000 für einen Schweizer Arbeitnehmenden bei 5.525 Franken, während dieser Wert bei Ausländern 4.643 Franken betrug. Mitte 2001 waren in der Schweiz 26.607 Ausländer/innen als arbeitslos registriert. Dies entspricht einem Anteil von 45 Prozent an allen in der Schweiz eingeschriebenen Arbeitslosen. Die Arbeitslosenquote der ausländischen Erwerbsbevölkerung lag deutlich über jener der Schweizer/innen. 

Was kann ich gegen Rassismus am Arbeitsplatz tun?

Wer nicht selbst von Rassismus betroffen ist, dem fallen viele rassistische Äußerungen oftmals gar nicht auf. Andere ignorieren sie bewusst, weil es ihnen schwerfällt, etwas zu solchen Kommentaren zu sagen. Doch Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung geht uns alle etwas an und jeder kann einen Teil dazu beitragen, mehr Bewusstsein und Aufmerksamkeit für dieses Thema zu schaffen. Ob Betroffener oder Zeuge: Wir alle können uns an unserem Arbeitsplatz für ein toleranteres Verhalten einsetzen. 

Solidarität zeigen

Wenn du von einem Kollegen einen rassistischen Witz hörst oder sonstiges diskriminierendes Verhalten bemerkst, dann sprich diesen offen und direkt darauf an. Manchmal hat der Mitarbeiter das Gesagte gar nicht so gemeint und hat nun die Möglichkeit, noch einmal über seine Aussagen und deren Effekt auf andere Menschen nachzudenken. Zudem zeigt man dem von der Anfeindung betroffenen Mitarbeiter, dass man auf seiner Seite ist.

Mit dem Betriebsrat sprechen

In schlimmen Fällen oder bei Uneinsichtigkeit des Mitarbeiters kannst du mit dem Betriebsrat oder dem Personalrat reden. Dieser hat nämlich die Aufgabe, Rassismus im Unternehmen zu unterbinden und die Integration zu fördern. Mitarbeitern, die sich in der Arbeit rassistisch äußern, kann sogar eine fristlose Kündigung vom Arbeitgeber drohen. 

Fazit

Hass und Ausländerfeindlichkeit sind leider nach wie vor große Probleme in unserer Gesellschaft und betreffen auch die Arbeitswelt. Rassismus und Diskriminierung finden dort auf verschiedenen Ebenen statt und werden von Außenstehenden oft gar nicht wahrgenommen oder bewusst ignoriert. Um diese Situation zu verändern dürfen wir nicht wegschauen. Wir müssen aktiv dagegen vorgehen, Dinge ansprechen und Solidarität zeigen. Nur gemeinsam schaffen wir es, langfristig mehr Bewusstsein für fremdenfeindliche und rassistische Denkmuster zu schaffen und diese dadurch zu beseitigen. 

Warst du selbst schon einmal von Rassismus am Arbeitsplatz betroffen oder Zeuge einer solchen Situation? Lass es uns in den Kommentaren wissen oder beantworte unsere kurze Umfrage. 

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