Na endlich, habe ich im ersten Moment gedacht, jetzt kommt es: das Recht auf Homeoffice. Als berufstätige Mutter zweier Kinder im Grundschulalter freut mich das natürlich. Ist das Kind ein bisschen krank, fällt die Hortbetreuung aus oder entschließt sich die Schule mal wieder spontan, die letzten beiden Unterrichtsstunden ausfallen zu lassen, ist das Homeoffice Gold wert. Schließlich kennt ja jeder den genervten Blick seines Chefs, wenn man mal wieder kurzfristig um Homeoffice anfragt. Bislang wird Homeoffice in den meisten Firmen hierzulande ja mehr gnädig geduldet als gleichwertig genehmigt.

In normalen Zeiten wäre das mit dem Homeoffice-Recht doch eine richtig gute Nachricht. Aber jetzt? Irgendwie kann ich mich gerade gar nicht richtig freuen.

In Corona-Zeiten ist ja alles anders. Und so sitzen wir nun schon seit über fünf Wochen alle vier zuhause, Homeoffice plus Homeschooling für alle. Genervte Eltern, gestresste Kinder – allesamt überfordert. Abends trudeln die Schulaufgaben für den nächsten Tag ein. Der eine Klassenlehrer schickt täglich per Mail, im Schnitt ca. 5 Anhänge zum Ausdrucken. Die andere Lehrkraft hat sich für die Klassen-Cloud entschieden. Also dort die Unterlagen downloaden.

Zwischen Deadlines, Hunger und Tränen

Tagsüber beginnt das Jonglieren der Erziehungsberechtigten: Wer hat wann Videokonferenz? Wer macht wann den Ansprechpartner für die Fragen der Kinder? Konzentriert am Stück zu arbeiten, das war einmal. Jetzt wird nebenher das Einmaleins gelehrt, es werden Regierungsbezirke aufgezeichnet und zwischendurch Tränen getrocknet, wenn der Füller mal wieder gekleckert hat. Kaum sind die Kinder mit ihren Aufgaben fertig, steht der nächste Homeoffice-Agenda-Punkt an: Mittagessen kochen!

Denn eines ist klar: Die Deadline in der Arbeit kann noch so wichtig sein, steht dein heulendes, hungriges Kind neben dir, weißt du instinktiv ganz genau, was jetzt Priorität hat.

Ach, Büros können doch so schön sein… Da löst die Diskussion ums Homeoffice-Recht plötzlich ganz gemischte Gefühle aus.

Die Rechnung geht nicht auf

Ein Bekannter, der auch Papa ist, hat mir letztens gestanden, er finde das ja selbst erschreckend: Da habe man sich doch für Kinder entschieden und jetzt stelle man fest, dass man so eigentlich nicht mit ihnen leben möchte. Den ganzen Tag zuhause, ohne Kindergarten, Schule, Fremdbetreuung – warum ist das nur so schlimm für die Familien? Ganz einfach: Weil man keine Zeit hat, wenn man zugleich arbeiten muss. Weder für das eine noch das andere. Weil die Rechnung, wer Homeoffice macht, kann nebenher seine Kinder betreuen, nicht aufgeht. Homeoffice sollte eigentlich nichts anderes sein als „Arbeiten von zuhause aus“.

Und nicht: Doppelbelastung, in Vollzeit, parallel. Mit dem Gefühl, weder dem einen noch dem anderen auch nur ansatzweise gerecht zu werden.

Und plötzlich sagt einem das Bauchgefühl ganz genau, welche Rechte man aktuell noch viel nötiger hätte als das auf Homeoffice: Ein Recht auf Kinderbetreuung! Und ein Recht auf Arbeit im Büro, bitte! Die Chance, morgens um halb acht das Haus zu verlassen und sich – ganz allein!!!!!!! – ins Auto zu setzen und zur Arbeit zu fahren. Ja, oder überhaupt: Ein Recht auf Alleinsein, das wäre eigentlich noch viel besser! Ungestört einen Kaffee trinken, in absoluter Ruhe – quasi die absolute Quarantäne. Aber diesen Gedanken kennen ja die meisten Eltern nicht erst seit der Corona-Krise… Ach ja, und ein Recht auf Virusfreiheit wäre vielleicht auch noch ganz schön. Wer könnte sich das denn bitte mal auf seine Agenda schreiben?

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