Die Zahl der Angestellten, die von ihren Arbeitgebern ins Ausland entsendet werden, steigt stetig. Wer von seinem Chef gefragt wird, ob er von Köln nach Kuala Lumpur oder von Hamburg nach Helsinki ziehen möchte, dem stellen sich einige Fragen, bevor er eine Entscheidung fällen kann. Einen ersten Überblick zu diesem Thema geben wir Ihnen in diesem Beitrag.

MUSS ich ins Ausland gehen?

Viele versprechen sich von einem Job im Ausland ein Highlight in ihrem Lebenslauf, der sich gut macht beim Erklimmen der Karriereleiter. Sie werden also mit Freuden ins Ausland gehen. Doch wer zum Beispiel aus privaten Gründen keine Lust aufs Ausland hat, der kann ablehnen. Das Direktionsrecht des Arbeitsgebers erlaubt es im Normalfall nicht, Mitarbeiter gegen ihren Willen ins Ausland zu entsenden – es sei denn, im Arbeitsvertrag ist bereits vereinbart, dass Sie auch ins Ausland entsendet werden können. Ist dies nicht der Fall, kann der Arbeitgeber Sie nicht gegen Ihren Willen ins Ausland versetzen.

Was ist mit meinem Arbeitsvertrag?

Auch wenn in ihrem Arbeitsvertrag bereits geregelt ist, dass Sie auch ins Ausland gehen, bedarf es, wenn es tatsächlich dazu kommt, einer Vertragsanpassung. Darin kann zum Beispiel geregelt werden, wie lange Sie im Ausland arbeiten und dass Ihnen ihr Job in Deutschland nach der Rückkehr wieder zur Verfügung steht. Ihr alter Vertrag ruht dann während Ihres Auslandseinsatzes und lebt bei Rückkehr mit allen Rechten und Pflichten wieder auf.

Ändert sich die Bezahlung, wenn ich ins Ausland gehe?

Das ist reine Verhandlungssache. Generell ist es aber nicht unüblich, im Ausland mehr zu verdienen. Auch die Umzugskosten übernehmen Unternehmen in der Regel. Oft erhalten Arbeitnehmer bei einem Umzug ins Ausland auch Unterstützung bei der Suche nach einer Schule für die Kinder und bei der Deckung von Schulgebühren, weil die in manchen Ländern ganz erheblich sind.

Wer berät mich zu rechtlichen und steuerlichen Fragen?

Gerade große Unternehmen, die häufig Mitarbeiter entsenden, bedienen sich häufig der Fachkenntnisse von Relocation Services. Diese Unternehmen sind spezialisiert auf Auslandsentsendungen und alle damit im Zusammenhang stehenden Fragen. Eine Pflicht zur umfassenden Aufklärung hat Ihr Arbeitgeber aber nicht. Es kann also nicht schaden, sich auch selbst umfassend kundig zu machen und zu recherchieren.

Was ist mit meiner deutschen Krankenversicherung?

Wer gesetzlich versichert ist und nicht länger als zwei Jahre in einem EU-Land, Liechtenstein, Island, Norwegen oder der Schweiz arbeitet, kann in der Regel in Deutschland versichert bleiben. Die Krankenkassen übernehmen in der Regel aber nur die Kosten, die auch bei einer Behandlung in Deutschland entstanden wären. Etwaige höhere Kosten oder landesspezifische Behandlungsmethoden sollten Sie über eine private Zusatzpolice absichern.
Gehen Sie länger als zwei Jahre ins Ausland und/oder nicht in eins der oben genannten Länder, dann wird in der Regel eine private Krankenversicherung vor Ort nötig. In diesem Fall sollten Sie darauf achten, dass die neue Krankenversicherung auch bei Urlaubsreisen in Drittländer oder bei Heimataufenthalten in Deutschland gilt.

Was ist sonst noch wichtig?

Auch eine Reihe anderer Fragen muss vor der Entscheidung geklärt werden – zum Beispiel, ob Sie weiterhin in Deutschland rentenversicherungspflichtig sind oder in welchem Land Sie zukünftig Steuern zahlen.
Unser Tipp: Der Verein „Deutsche im Ausland e.V.“ ist eine gute erste Anlaufstelle für viele Fragen und hat auf seiner Website eine ganze Reihe von Checklisten zusammengestellt, die Ihnen helfen, an alles zu denken, was geklärt werden sollte.