Tipps für Smalltalk-Analphabeten – so wirst auch du zur Plaudertasche

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Peinliche Stille, und dir fällt kein unproblematisches Thema ein? Vielleicht bist du eine Person, die gern tiefgründige Gespräche, also sogenannten Deeptalk, mit ihren Freunden führt und bist angesichts einer Situation, in der du über weniger spannende Themen reden sollst, hoffnungslos überfordert? Dir ist sehr wohl bewusst, dass mangelnde kommunikative Fähigkeiten ein großer Stolperstein in Sachen Karriere sein können. Doch wie kannst du mit den Kollegen aus der anderen Abteilung auf der Weihnachtsfeier oder mit dem Personaler beim Vorstellungsgespräch leichte Konversation pflegen?

Keine Angst: Die Kunst des Smalltalk kann man erlernen und bis zur Perfektion trainieren! Bevor wir mit konkreten Tipps loslegen, soll diese Art der Gesprächsführung erst einmal definiert werden.

Was ist Smalltalk?

Definition: Die Bedeutung des Wortes Smalltalk lässt sich leicht aus der Übersetzung seiner einzelnen englischen Bestandteile erschließen. Es handelt sich um Gespräche, die keinerlei Tiefgang aufweisen. Der Sinn solcherlei Konversation ist zum einen, bei einem Treffen mit fremden oder auch vertrauten Personen peinliche Schweigepausen zu überbrücken, sodass sich alle beteiligten Personen wohler fühlen. Zum anderen kann diese Gesprächstaktik dabei helfen, Menschen unkompliziert kennenzulernen. Es stellt übrigens kein Ziel des Smalltalk dar, sich selbst besonders positiv darzustellen. Doch sind wirklich peinliche Anekdoten aus dem eigenen Leben ebenfalls nicht geeignet für diese Art von Konversation.

Smalltalk kann gezielt herbeigeführt werden oder auch auf natürliche Weise entstehen.

Welche Situationen können durch Smalltalk aufgelockert werden?

Die folgenden Beispiele sollen typische Gelegenheiten darstellen, in denen häufig Smalltalk geführt wird.

Grundregel Nr. 1: Bevor du mit der Konversation startest, solltest du versuchen einzuschätzen, ob die jeweilige Person gerade Lust auf eine Unterhaltung hat. Ist der Mensch sehr in Eile oder offensichtlich schlecht gelaunt, wird er dir dankbar sein, wenn du ihn einfach in Ruhe lässt.

Vorstellungsgespräch

Personaler sind meist in Zeitnot. Was ist also der Grund dafür, wenn solche Personen dennoch mit Small Talk beginnen? Es ermöglicht dem Mitarbeiter deines Wunsch-Arbeitgebers, herauszufinden, wie umgänglich du bist, und ob du dich voraussichtlich gut in das Team einfügen wirst. Um das Eis zu brechen, sind besonders banale Themen wie das Wetter oder Fragen zur Anreise üblich. Eine typische Frage: „Wie haben Sie hergefunden?“ In einer solchen Situation ist es wichtig, zu zeigen, dass du umgänglich und freundlich bist. Je länger das Vorstellungsgespräch dauert, desto tiefgründiger können die Fragen werden. Beispielsweise sollte man sich bereits vor dem Bewerbungsgespräch überlegen, welche Antwort man auf die Frage nach den eigenen Hobbys gibt. Wer sich beispielsweise bei einer innovativen Design-Agentur bewirbt, sollte sich gut überlegen, ob er seine Mitgliedschaft beim Katholischen Männergesangsverein im Vorstellungsgespräch erwähnen soll.

Zum Smalltalk können auch Notlügen gehören: Wenn du dein Gegenüber mit einer wahren Antwort zu sehr provozieren bzw. schockieren würdest, oder wenn dir aus einer ehrlichen Antwort zu einer Frage bezüglich deines Privatlebens signifikante Nachteile entstehen würden, ist es besser, etwas zu flunkern.

Kundentermin oder Untersuchung von Patienten

  • Personen aus manchen Branchen traut man fachlich mehr zu, wenn diese dazu imstande sind, auf elegante Weise Konversationen zu führen. Beispielsweise sind der typische Versicherungsvertreter oder Callcenter Agent „Labertaschen“, deren rhetorische Raffinesse anderen Personen die eigene Unbeholfenheit vor Augen führt. Und wer weiß, vielleicht ist gerade eine solche Verlegenheit bei manchen Menschen unbewusst ein Grund, sich leichter von einem bestimmten Angebot überzeugen zu lassen?
  • Ein guter Friseur kann nicht nur tolle Haarschnitte zaubern, sondern versteht es zudem, seine Kunden mit Smalltalk zu unterhalten. „Wie geht es Ihrer Migräne?“, „Wie war die Busreise nach Italien?“ Insbesondere ältere, einsame Personen können über solche Extra-Zuwendung besonders erfreut sein. Doch ist in diesem Beruf auch eine gute Menschenkenntnis wichtig: Will der Kunde vielleicht gerade lieber in Ruhe gelassen werden? Ein Friseur in London beispielsweise will mit seinem „Silent Cut“ genau diese Leute ansprechen, die möglicherweise keine Lust auf einen Friseurbesuch haben, da sie mit keinem Fremden über ihr Leben sprechen möchten.
  • Auch der Arztbesuch ist bekanntlich häufig mit Smalltalk verknüpft. Der Mediziner kennt den Beruf und den Familienstand seines Stamm-Patienten und führt während der Behandlung möglicherweise weitere Konversation. Manche Ärzte wenden den folgenden Trick an: Während sie eine schmerzhafte Untersuchung an dir durchführen, stellen sie dir eine Frage, die du beantworten sollst. Auf diese Weise wird der Patient von dem momentanen Schmerz abgelenkt.

Firmenausflug und alle anderen Firmen-Events

Du würdest die lockere Atmosphäre bei eurer Fahrt mit dem Schiff über einen See gern dazu nutzen, deine Chefin endlich nach einer Gehaltserhöhung zu fragen? Lasse das bloß sein. Firmen-Events sind dazu da, damit sich die einzelnen Mitarbeiter untereinander besser kennenlernen und auch einmal über etwas Anderes als die Arbeit reden können.

Faustregel für Firmen-Events: Versuche nicht, sie für dein berufliches Fortkommen zu nutzen oder finanzielle Vorteile herauszuschlagen! Themen wie Gehalt oder Unzufriedenheit mit dem eigenen Karrierelevel sind keinesfalls für Smalltalk geeignet.

Arbeiten im Großraumbüro

Gehörst du zu den Menschen, die nie in einem Großraumbüro arbeiten wollten, da man dann keine tiefergehenden Schwätzchen mit den Kollegen führen kann? Wenn so viele Ohren mithören, läuft die Konversation, wenn es denn mal nicht um die Arbeit selbst gehen sollte, in der Tat auf Smalltalk hinaus.


Unangemessene Themen

  • Beziehungen: Dein Mann geht fremd? Dieses Thema gibt zu viel über dein Privatleben preis, weshalb es für das Gespräch bei dem Betriebsausflug oder bei deinem Pitch mit dem potenziellen Kunden nicht geeignet ist.
  • Lästern über eine andere Person: Du hast deine Vorgesetzte nie gemocht und bist deshalb froh, dass sie nun gekündigt hat? Natürlich ist es okay, wenn du anderen Kollegen gegenüber sachliche Kritik an einer Person übst, doch grundsätzlich mitzuteilen, dass du eine bestimmte Person nicht magst, ist ein Thema, das weder bei der Weihnachtsfeier noch beim Geschäftsessen ein gutes Licht auf dich wirft.
  • Natürlich sind auch Themen wie Politik, religiöse Meinungen oder deine aktuelle berufliche Unzufriedenheit nicht gerade dazu geeignet, gute Stimmung aufkommen zu lassen.
  • Themen, von denen du keine Ahnung hast: Eigentlich versteht es sich von selbst, dass man solche Gebiete meiden sollte. Du musst dich nicht um jeden Preis in ein Gespräch über Stephen-King-Filme einmischen, wenn du noch nie ein entsprechendes Buch oder einen dieser Filme konsumiert hast.
  • Themen, die dich in ein schlechtes Licht rücken: Alles, was du sagst, kommt einer Nörgelei gleich? Du regst dich über die Verspätungen der U-Bahnen auf und lästerst anschließend über die Verkäuferin im Bio-Markt, die dir falsch herausgegeben hat. Wenn du viel nörgelst und lästerst, wirst du als negativer Mensch wahrgenommen, weshalb auch du früher oder später ein Objekt von Lästereien sein kannst.
Smalltalk

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Unsere Smalltalk-Tipps für Dummies

Wähle das richtige Gesprächsthema

Bevor du ein Thema anschneidest, solltest du die folgende Checkliste durchgehen:

1. Könnte man sich über das Thema ernsthaft in die Haare bekommen, oder entspricht eine längere Ausführung der Thematik dem, was man eine Lästerei nennt? Von Themen wie „Darf eine Drogeriekassiererin ein Kopftuch tragen“ oder dem Fall des Kollegen, der wegen seiner Depression in Frührente gegangen ist, sei im Rahmen von Anlässen, zu denen eine gute Laune erwünscht ist, abzuraten.

Wie es Knigge, wenn er auf das Thema Smalltalk zu sprechen kommt, auf den Punkt bringt:

„Jeder muß allem jederzeit zustimmen können.“

2. Würde das Thema die Stimmung drücken?

3. Rückt dich das Thema in ein besonders schlechtes Licht?

Lächle viel

Es gibt Menschen, die meistens nicht lächeln und mit ihren Aussagen dennoch alle Personen sofort zum Lachen bringen. Gehörst du nicht zu diesem Menschentyp, ist es wichtig, während der Konversation mit einer fremden Person nicht mit fröhlichen Gesichtsausdrücken zu sparen, um zu signalisieren: „Ich beiße nicht.“ Wenn du beim Smalltalk alles richtig machst und ausschließlich positive Themen wählst, dann wird es für das Lächeln auch zahlreiche Gelegenheiten geben.

Stelle offene Fragen

Damit eine wirklich gute Konversation entsteht, ist es wichtig, offene Fragen zu stellen. Wenn du mit dem Begriff nichts anfangen kannst, dann halte dich einfach an die Faustregel, dass alle deine Fragen mit den Wörtern „Warum“, „Was“ oder „Wie“ beginnen sollten.

Stelle Follow-up-Fragen

Auch wenn du die Regel mit den offenen Fragen gut anwenden kannst, entsteht dennoch das Gefühl eines schlechten Gesprächs, wenn nach der Antwort sofort die nächste Frage aus einem anderen Themenbereich kommt. Der Gesprächspartner könnte daraus schließen, dass du dich von seinen Antworten gelangweilt fühlst. Sympathisch wirst du deinem Gegenüber hingegen sein, wenn du Interesse zeigst, indem du den jeweiligen Themenbereich mit einer detaillierteren Frage weiter vertiefst.

Sei auch ein guter Zuhörer!

Gehörst du zu den Personen, die aus Nervosität in einen Redeschwall verfallen, ohne darauf zu achten, ob die andere Person sich überhaupt für die jeweiligen Themen interessiert? Das kann für dein Gegenüber sehr unangenehm sein, vor allem dann, wenn du der anderen Person gar keine Gelegenheit lässt, auf das von dir Gesagte zu reagieren. Auch Personen, die ausschließlich über ihre eigenen Themen reden wollen, sind keine besonders beliebten Gesprächspartner.

Bist du ein Smalltalk-Verweigerer?

Du führst grundsätzlich keinen Smalltalk, denn du bist ja nicht oberflächlich? Menschen, die versuchen, sich anhand von Smalltalk bei dir einzuschleimen, lassen dich kalt? Vorsicht: Gute Fähigkeiten im Smalltalk können essentiell sein, wenn es in einer beruflichen Position darum geht, das Unternehmen nach außen zu repräsentieren.

Smalltalk vorbereiten

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So kannst du dich optimal vorbereiten

Bist du ein Mensch, der auf die einfachsten Fragen bei ehrlicher Antwort Peinlichstes preisgeben müsste? Beispielsweise möchtest du deinem Vorgesetzten, der dich nach deinem Lieblingsfilm fragt, die Antwort nicht zumuten, da er dich dann sofort in eine bestimmte Schublade stecken würde. Und auch bei seiner Frage nach deinem letzten Buch kommst du in eine unangenehme Situation, da es darin um die Lösung bestimmter Beziehungsproblemen ging oder um eine Krankheit, über die du nie im beruflichen Kontext sprechen würdest.

Es ist klar, dass du deine Persönlichkeit und deine Interessen nicht komplett umkrempeln kannst, nur um besseren Smalltalk führen zu können. Doch kann es auch nicht schaden, ab und an einmal einen Bestseller zu lesen oder mit einem Freund ins Kino zu gehen, um sich mit weniger vertrauten Menschen über interessantere Dinge als das Wetter unterhalten zu können. Wichtig ist auch, dass du das aktuelle Geschehen täglich anhand der Lektüre einer überregionalen Zeitung verfolgst, damit dir jeden Tag andere Gesprächsthemen zur Verfügung stehen und du nicht aufgrund deines mangelnden Informiertseins dein Gesicht verlierst.

Es kann sein, dass dir abhängig von dem jeweiligen Gesprächsthema, das von der geselligen Runde angeschnitten wird, bestimmte Anekdoten aus deinem Leben einfallen. Ein und dieselbe Geschichte kann jedoch – abhängig von den jeweils anwesenden anderen Personen und der Situation – völlig unterschiedlich ankommen. Du selbst musst einschätzen, wie die Leute reagieren werden. Smalltalkgeeignet sind in der Regel Anekdoten, die andere Personen zum Lachen oder zum Staunen bringen.

Kurz-Anleitung

1. (Eigentlich selbstverständlich:) Stelle dich vor und frage nach dem Namen.

2. Stelle deinem Gegenüber offene Fragen.

3. Gehe näher auf die einzelnen Aussagen der Person ein und stelle vertiefende Fragen (Beispiel: „Wie kam es dazu…?“).

4. Vergiss nicht, stets viel zu lächeln.

5. Sei auch ein guter Zuhörer. Du kannst besonders unsympathisch auf Andere wirken, wenn du ausschließlich von dir selbst sprichst.

Fazit

Die Kunst des Smalltalk hat viel mit dem sozialen Status zu tun: Während die Raumpflegerin sehr gut auf ausgefeilte Gesprächsfertigkeiten verzichten kann, wird man kaum einem Geschäftsführer begegnen, der wahrhaftig auf den Mund gefallen ist. Schließlich ist ein Geschäftsführer daran gewöhnt, Reden zu halten und hat deshalb die eigenen rhetorischen Fähigkeiten und auch die eigene Körpersprache perfektioniert.

Der Eindruck, der von dir nach einem zufriedenstellenden Smalltalk bei deinem Gesprächspartner hängenbleibt: „Heute habe ich eine charismatische Person kennengelernt.“

Du lebst insgesamt eher zurückgezogen? Dann ist es kein Wunder, wenn du Defizite in Sachen Smalltalk hast. Deshalb sollest du jede erdenkliche Situation nutzen, um dich in dieser Kunst zu üben. Je mehr Erfahrungen du sammelst, desto raffinierter werden deine Fähigkeiten. Das Tolle daran: Nicht nur dein Berufsleben profitiert von deinen rhetorischen Künsten, sondern du hast auch beim Flirten oder beim Finden neuer Freunde bessere Karten.

Es gibt übrigens kein Thema, das sich für jeden Anlass perfekt eignet, denn die jeweiligen Gesprächsthemen hängen stark von der Branche ab. So können beispielsweise beim Geschäftsessen von Ärzten makabre Fragestellungen üblich sein, die sich niemals unauffällig in den Smalltalk einer HR-Abteilung integrieren lassen würden. Noch ein Tipp zum Schluss: Wenn es zu deinem Job gehört, Smalltalk mit völlig unterschiedlichen Menschen zu führen, also beispielsweise in einer Tätigkeit als Zahnarzt oder Friseur, ist es klug, zuerst einmal den Beruf der Person zu erfragen, um sie besser einschätzen zu können.

 

Quelle:
www.freiherr-knigge.de

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