Auslandsaufenthalt aus Karriere-Gründen – lohnt sich das?

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Für deinen Traumjob werden Über-den-Tellerrand-Gucker gesucht? Mitarbeiter, die Einblicke in Unternehmen im Ausland gewonnen haben, werden bei bestimmten Stellen tatsächlich bevorzugt. Viele höhere Positionen setzen eine Zeit im Ausland sogar als selbstverständlich voraus. Doch worauf kommt es bei einem Auslandsaufenthalt in den unterschiedlichen Lebensphasen an?

Nach dem Abitur ins Ausland gehen

Vielen brennt bereits während der Schulzeit der Wunsch nach einer Phase in einem anderen Land unter den Nägeln (siehe auch Auslandsaufenthalt – Lebenstraum und Karriere-Booster). Im Lebenslauf wird ein Auslandsaufenthalt in diesem zeitlichen Abschnitt zum einen als Orientierungsphase wahrgenommen, zum anderen signalisiert der Bewerber damit: „Ich bin selbstständig und kann mich an eine komplett andere Umgebung anpassen.“ Wenn der Auslandsaufenthalt tatsächlich zur Sprachvertiefung beigetragen hat, macht es Sinn, diese Tatsache bei der Bewerbung auf relevante Stellen bereits im Anschreiben zu erwähnen.

Auslandsaufenthalt im Rahmen des Studiums

Ein Auslandssemester ist nicht nur in vielen Studiengängen mit internationalem Bezug Pflicht. Doch nicht immer muss es ein ganzes Semester sein, das man während des Studiums im Ausland verbringt: Auch ein Studienaufenthalt, eine Sprachreise, eine Projekt- oder Studienreise oder eine Abschlussarbeit sind Gelegenheiten, Auslandserfahrungen zu sammeln.

Ein Auslandssemester etwa kann durch ein Erasmus-Programm gefördert werden, wodurch sich der Student die Studiengebühren an der ausländischen Hochschule spart und darüber hinaus einen Mobilitätszuschuss erhält.

Praktikum bei einem Unternehmen im Ausland

Jedes Unternehmen freut sich über einen neuen Mitarbeiter, der nicht nur Einblicke in die neuesten Trends der Arbeitswelt in den USA, in China oder England mitbringt, sondern die Kollegen beim Geschäftsessen mit so manch unterhaltsamem Schwank bei Laune hält.

2018 waren die beliebtesten Städte bei Expatriates (Top 3): Taipeh, Singapur und Manama (Quelle: Statista). Wie bei jedem Praktikum solltest du auch hier darauf achten, dass es sich um eine hochqualitative Praktikumsstelle handelt.

Arbeitslosigkeit überbrücken

Auf die Position „Arbeit suchend“ im Lebenslauf reagieren zahlreiche Personaler allergisch, insbesondere dann, wenn es sich um längerfristige Arbeitslosigkeit handelt. Spätestens im Vorstellungsgespräch kommen manche Bewerber dann in die unangenehme Situation, erklären zu müssen, warum sie so lange erwerbslos gewesen sind. Eine Möglichkeit, während der Arbeitslosigkeit aktives Engagement zu signalisieren, ist das Besuchen von Fortbildungsveranstaltungen. Wenn in einer Phase der Arbeitslosigkeit hingegen ein Auslandsaufenthalt eingelegt wird, dann sollte man am besten in Form von Arbeitszeugnissen oder Zertifikaten nachweisen können, dass man mit dem Lebensabschnitt ein bestimmtes berufsdienliches Ziel verfolgt hat.

Ein wichtiger Ansprechpartner in solchen Situationen ist die ZAV (Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit). Bei der Suche nach einer Stelle im Ausland kann das EURES-Portal der Europäischen Arbeitsverwaltungen helfen.

Auslandsaufenthalt als Karrierebooster?

Bildquelle: www.istockphoto.com / RossHelen

Bessere Karrierechancen durch einen Auslandsaufenthalt

Bereits während deiner Zeit im Ausland solltest du immer im Visier haben, ob du deine Zeit sinnvoll nutzt. Im schlechtesten Fall bist du nach dem Aufenthalt im anderen Land so schlau wie zuvor.

Fremdsprachenkenntnisse: Du willst in deiner Freizeit am liebsten etwas mit anderen Expats machen, weil man sich mit denen so bequem auf Deutsch unterhalten kann? Wenn du dich mit Einheimischen anfreundest, wirst du auf jeden Fall wesentlich mehr über die Sprache und auch die Kultur lernen. Nach einer ganzheitlich gestalteten Zeit im Ausland bist du nicht nur dazu in der Lage, dich fließend und verhandlungssicher mit Einheimischen zu verständigen, sondern kannst auch mit der einen oder anderen eleganten Redewendung glänzen, die nicht einmal deinem ehemaligen Sprachlehrer an der Schule über die Lippen gekommen wäre.

interkulturelle Kompetenz: Steht Besuch aus Hong Kong an? Nicht nur in solchen Situationen kannst du deine Fähigkeit, mit anderen Kulturen oder Mentalitäten umzugehen, unter Beweis stellen. Je nachdem, wie viele Auslandstelefonate oder -E-Mails der jeweilige Geschäftsbetrieb erfordert, desto gefragter werden deine Skills sein. In eine peinliche Situation hingegen kannst du geraten, wenn du zwar im Vorstellungsgespräch mit deinem Auslandseinsatz geprahlt hast, in Wirklichkeit aber keine wertvollen ethnologischen Einblicke gewinnen konntest, da du kaum Kontakt zu Einheimischen hattest.

Risiken eines Auslandsaufenthalts

1. Karriereknick

Beispiel: Ralf arbeitet für einen international tätigen Konzern und stimmt dem Vorschlag zu, in Kuwait eingesetzt zu werden. Nach zwei Jahren gibt es bei Ralfs Eltern, die in Deutschland wohnen, Probleme. Aufgrund dieser Tatsache entsteht bei ihm der Wunsch, wieder in Deutschland zu arbeiten. Als Ralf sich bei der Personalabteilung erkundigt, erfährt er, dass seine Stelle in Deutschland anderweitig besetzt wurde, und dass ihm der Personaler nur noch niedrigere Positionen anbieten kann.

2. Finanzielle Risiken

Ein einfaches Brötchen zu einem Preis, für den du andernorts einen ganzen Laib Brot bekommen hättest? Der Schock ist groß, wenn man im Alltag des anderen Landes herausfindet, dass alles nun doch teurer ist, als du im Internet recherchieren konntest. Ein weiterer Punkt, den du bedenken solltest: Was tust du, wenn z. B. deine Eltern nicht dazu bereit sind, die teure Designer-Couch, die du zum Schnäppchenpreis gekauft hast, bei sich aufzubewahren? Zur Minimierung finanzieller Risiken ist es von Vorteil, den Auslandseinsatz so lange wie möglich zu planen.

3. Papierkram

Es hängt von dem jeweiligen Land ab, in das du gern reisen möchtest, ob du dafür ein Visum benötigst. Doch auch um eine Arbeitserlaubnis und bestimmte Versicherungen muss man sich erst einmal kümmern. Wenn du ein Auslandsstipendium in Anspruch nimmst, kommt natürlich noch mehr Bürokratie ins Spiel.

3. Kulturschock

Als du noch in Deutschland warst, hast du dir zahlreiche Filme über das Land angesehen, Bücher darüber gelesen und Freunde, die sich schon länger dort aufgehalten haben, mit Fragen gelöchert. Das Zusammentreffen mit der jeweiligen Kultur hast du dir relaxt und inspirierend vorgestellt. Als du dann aber tatsächlich in die Realität der Location hineingeworfen wirst, fühlst du dich plötzlich wie ein Fremdkörper, verspürst ein Gefühl der Entfremdung und weißt: So schnell kommst du hier nicht mehr weg.

Damit ein Kulturschock schnell wieder vorüber ist, sollte man grundsätzlich eine gewisse Anpassungsbereitschaft mitbringen. Kommt man dann in diese unangenehme Situation, sollte man so schnell wie möglich herausfinden, wo Fettnäpfchen lauern und welches Verhalten von dir erwartet wird. Du kannst dir sogar Freunde machen, wenn du bei Unsicherheiten Kollegen oder einheimische Personen aktiv um Hilfe bittest.

Alternativen für Stubenhocker

Du bist ein Mensch, der eine starke Beziehung zur eigenen Wohnungseinrichtung, den Haustieren und natürlich zu den persönlichen sozialen Kontakten in Deutschland aufbaut hat? Für dich ist es zwar unvorstellbar, in ein anderes Land zu ziehen, doch neugierig bist du schon und würdest gern Auslandserfahrung in deinem CV vorweisen können?

Dann solltest du Ausschau nach einer Alternative halten: Wenn du weißt, in welchem Bereich du gern tätig sein möchtest, kannst du dich zum Beispiel auf die Suche nach einer Freelancer-Stelle bei einer im Ausland ansässigen Firma machen. Wenn du auf diese Art und Weise vorgehst, musst du dich nicht einmal um eine Arbeitserlaubnis in dem jeweiligen Land kümmern. Allerdings bietet das deutsche Recht hier natürlich seine Tücken: Du musst dich nicht nur intensiv mit dem Thema Selbstständigkeit auseinandersetzen, sondern auch dafür sorgen, einer Scheinselbstständigkeit vorzubeugen. Du bist noch im Studium? Kein Problem, auch dann kommt diese Option für dich infrage (siehe auch Tipps für eine Selbstständigkeit als Student).

Fazit

Unabhängig davon, in welchem Lebensabschnitt ein Auslandsaufenthalt stattfindet, kann man in einem solchen Rahmen spannende Erfahrungen sammeln, die zur Weiterentwicklung der eigenen persönlichen Reife beitragen. Nicht nur für Jobs mit Führungsverantwortung sind Personen mit starken Charakteren gefragt: Auch wenn du dich auf eine heiß begehrte Stelle bewirbst, machst du mit dem einen oder anderen Auslandseinsatz in deinem CV einen motivierteren und insgesamt interessanteren Eindruck. Wie wichtig dabei der Erwerb bestimmter Skills ist, hängt von dem jeweiligen Job ab, auf den du dich bewirbst. Handelt es sich beispielsweise um eine Stelle im kreativen Bereich, können dich allein die ethnischen Eindrücke, denen du während des Auslandsjahrs ausgesetzt warst, als inspiriertere Person erscheinen lassen, die wertvolle Ideen in den Betrieb einbringen kann.

Es soll jedoch auch Menschen geben, die eine Aversion gegen das Reisen haben. Für diese empfiehlt es sich, sich etwa vor der Immatrikulation für einen Studiengang zu informieren, ob dieser einen obligatorischen Auslandsabschnitt enthält, und wie die späteren beruflichen Chancen auch ohne Auslandsaufenthalte stehen. Wer eine solide Berufspraxis und – je nach Bereich – bestimmte Fortbildungen nachweisen kann, muss sich jedoch auch ohne Auslandsphase keine großen Sorgen um die berufliche Zukunft machen.

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