Aufgrund der Gestik eines Menschen wird häufig auf seinen Charakter oder seine aktuelle Befindlichkeit geschlossen. Auch im Berufsleben spielt die Gestik eine große Rolle: In Vorstellungsgesprächen werden Bewerber mit natürlicher Gestik und gerader Haltung bevorzugt, und es gibt zahlreiche Ratgeber, die die wahre Bedeutung der Gestik in Meetings und anderen wichtigen Terminen entschlüsseln wollen. Mittels Körpersprache senden wir nämlich verdeckte Signale.

Was sind die Voraussetzungen für eine natürliche Gestik? Und was macht eine selbstbewusste und gleichzeitig sympathische Gestik aus? Diese Fragen beantworten wir dir in diesem Artikel und geben dir unter anderem Tipps für das Dechiffrieren von Gesten.

Ist man gesund, psychisch ausgeglichen und bei bestem Wohlbefinden, kann man nach eigenem Belieben gestikulieren. Bei den einzelnen Gesten wird der eigene Charakter oder die aktuelle Befindlichkeit durchdringen: Dem einen sieht man aufgrund seiner Gestik seine Schüchternheit an, dem anderen seine Souveränität. Unter bestimmten Bedingungen ist ein Mensch jedoch nicht dazu in der Lage, so zu gestikulieren, wie er gern möchte, sodass das Gegenüber die falschen Schlüsse aus der Gestik ziehen könnte.

Voraussetzungen für eine natürliche Gestik

  • Du bist körperlich gesund: Wer starke Kreuzschmerzen oder Darmkoliken hat, wird eine gekrümmte Haltung einnehmen, was sich auch auf die Gestik auswirkt. Auch wer starkes Übergewicht hat, wird keine natürliche Haltung zeigen können. Selbstverständlich kann jemand, der sich den Arm gebrochen hat, seine natürliche Gestik ebenfalls nicht ausüben.
  • Körperliches Wohlbefinden: Wer gerade dringend auf die Toilette muss, friert oder versucht seinen Bauch kleiner zu machen als er ist, wird eine gekünstelte Körperhaltung an den Tag legen.
  • Bequeme Kleidung: Auch wer ein zu enges Hemd, eine zu enge Hose oder einen rutschenden Rock trägt, wird keine natürliche Haltung zeigen können. Deshalb sei davon abgeraten, bei wichtigen Terminen doch in die etwas zu enge Bluse passen zu wollen.
  • Einwandfreies psychisches Befinden: Wer gerade einen Schicksalsschlag erlitten hat, dem wird man dies auch an seiner Gestik ansehen.

Bei all diesen Einschränkungen im Wohlbefinden gilt: Der Gestik darf in solchen Situationen nicht zu viel Wert beigemessen werden, da das Hauptinteresse des Menschen darin besteht, den unangenehmen Zustand zu beseitigen. Es bleibt nicht genügend Konzentrationsfähigkeit für eine aussagekräftige Gestik übrig.

Auch wer einfach nur aufgeregt ist, wird eine andere Haltung haben als zu Hause in der eigenen Wohnung. Sorge deshalb vor wichtigen Terminen dafür, dass du dich absolut wohl fühlst, oder sage Termine ab, wenn es dir richtig schlecht geht.

Die oben genannten Probleme – den gebrochenen Arm einmal ausgenommen – zu kommunizieren, gestaltet sich in den meisten Fällen als schwierig. Dein Gegenüber wird dir aber in den meisten Fällen ansehen, was nicht in Ordnung ist und dir deine mangelnde Gestik möglicherweise verzeihen.

Erlernen einer sympathischen, selbstbewussten Gestik

Besonders Jugendliche haben sich noch nie mit ihrer Gestik beschäftigt geschweige denn diese beobachtet, bis sie vielleicht einmal von der Sportlehrerin ermahnt wurden: „Kopf hoch, Rücken gerade“. Oder der Deutschlehrer bemerkt bei einem Referat, dass der Vortragende eine total nervöse Gestik an den Tag legt (in den Haaren zupfen, über die Wange streichen oder Zappeln).

Eine selbstsichere Gestik, die einer Person zugleich Sympathiepunkte bei dem Gegenüber einbringt, kann man trainieren. In den folgenden Zeilen erfährst du, worauf es in erster Linie ankommt.

  • Sorge für eine aufrechte Körperhaltung! Wenn dein Körper in sich zusammensackt, wird so manche Äußerung von dir überhört.
  • Hände sprechen Bände: Die Hände sollten weder verschränkt noch zum Fummeln an Gegenständen wie Stiften benutzt werden. Du kannst das von dir Gesagte mit den Händen unterstreichen. Fuchtle jedoch beim Sprechen nicht in der Luft herum. Das kann nämlich unfreiwillig komisch wirken.
  • Die Bewegungen der Arme: Wenn du in einem wichtigen Gespräch bist, dann verschränke die Arme nicht, denn das wirkt, als hättest du den Anderen gegenüber eine Abwehrhaltung. Achte darauf, dass deine Arme weder wie eingemauert herabhängen noch herumzappeln.
  • Nicken: Sympathisch wirkt man, wenn man nicht permanent nur „Ja“ zu dem sagt, was das Gegenüber von sich gegeben hat. Wenn du nickst, beanspruchst du keine Redezeit für dich, was für den Anderen angenehm ist, da er in seinem Redefluss nicht unterbrochen wird.
  • Leichte Bewegungen: Wer ausschließlich still dasitzt, wird als wenig dynamisch wahrgenommen. Das bedeutet aber nicht, dass du die ganze Zeit mit dem Bein wippen sollst.
  • Ausrichtung des Körpers: Richte die Vorderseite deines Körpers demjenigen zu, der gerade redet. Blickkontakt sollte hergestellt werden, dieser sollte jedoch nicht in ein Starren ausarten.
  • Nicht mit dem Finger auf Andere zeigen: Wenn du den Namen nicht sagen willst oder nicht weißt, dann kannst du jemanden auch nonverbal ansprechen, indem du Blickkontakt suchst und ggf. mit nach oben gedrehten Handflächen und ausgestreckten Fingern auf jemanden weist.
  • Der optimale Händedruck: Der Händedruck sollte weder zu schwach noch zu stark sein.
  • Distanz halten: Rücke deinem Gegenüber nicht zu sehr auf die Pelle, sondern halte einen Abstand von einer ausgestreckten Armlänge.
  • Ein sympathisches Lächeln: Wer bereits lächelnd den Raum betritt, wirkt wenig authentisch. Zuerst sollte man den Raum betreten und sich darin orientiert haben. Erst dann kann man bei Betrachten der Person, von der man empfangen wird, anfangen zu lächeln.
Gestik im Job
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Welche Gesten dich selbstsicher wirken lassen

  • Alle Bewegungen der Hände und Arme auf Ebene der oberen Körperhälfte strahlen Selbstbewusstsein aus.
  • Du legst die Hände gefaltet über den Kopf? Das wirkt ruhig und selbstsicher.
  • Ein nicht zu kräftiges Händeschütteln oder besser Händedrücken lässt dich souverän wirken.

Achte jedoch bei allen selbstsicheren Gesten darauf, dass sie nicht arrogant wirken. Schließlich willst du dem Gesprächspartner so sympathisch wie möglich sein.

Gesten dechiffrieren

Nicht nur die eigene Körpersprache ist wichtig. Wer in Meetings & Co. emphatisch handeln möchte, sollte sich auch mit der Dechiffrierung der Gestik seines Gegenübers auskennen. Wir nennen einige wichtige Beispiele:

  • An die Nase fassen: Das Gegenüber fühlt sich gestresst oder ist unzufrieden.
  • verschränkte Arme: Der Andere geht auf Distanz und hat eine kleine Schutzmauer um sich herum aufgebaut.
  • Jemand zeigt seine offenen Hände: Dies ist ein Zeichen von Vertrauen.
  • Jemand spielt mit einem Alltagsgegenstand: Das kann ein Zeichen von Ungeduld oder leichtem Ärger sein.
  • Die Unterarme werden flach auf den Tisch aufgestützt: Es wird Selbstbewusstsein signalisiert.
  • Senken des Blickes: Das Gegenüber hat an dem Gesagten kein Interesse.
  • Jemand sitzt auf seinen Händen: Dies ist ein Zeichen von Unreife.
  • Trommeln mit den Fingern: Ungeduld oder Nervosität
  • Stützen des Kopfes auf die Hände: Langeweile, Nachdenklichkeit oder Erschöpfung
  • Hand auf den Mund legen: Die Person will das Gesagte gern zurücknehmen, sich den Mund verbieten.

Wie du siehst, gibt es in Sachen Gestik eine Menge zu beachten. Doch wie sieht es mit internationalen Gesprächspartnern aus? Es wäre zu schön, wenn alle Gesten international dieselben Bedeutungen hätten. Wie ist es um das Kopfschütteln oder um das Thumbs Up international bestellt?

Unterschiedliche Gestik in verschiedenen Kulturkreisen

  • Nicken und Kopfschütteln: In den meisten Ländern wird die Geste des Nickens als Zustimmung gewertet. In Indien, Pakistan und Bulgarien jedoch haben Kopfschütteln und Nicken jeweils die umgekehrte Bedeutung wie bei uns.
  • Daumen hoch: In Europa wird auf diese Weise signalisiert, dass man etwas gut findet. Unter anderem in Australien oder Lateinamerika jedoch gilt diese Geste als Beleidigung.
  • Vogel zeigen: Während diese Geste bei uns als Beleidigung gilt, zeigt man in den USA damit, dass jemand clever ist.

Fazit: Gehe mit Gesten lieber vorsichtig um und verständige dich mit Menschen aus anderen Ländern am besten auf Englisch, wenn das Deutsch der Personen nicht gut genug ist.

Zum Schluss wollen wir dir die Klassifizierung der Gesten nicht vorenthalten.

Es werden fünf Arten von Gesten unterschieden:

  1. Illustratoren: Anhand dieser Gesten wird das Gesagte veranschaulicht. Beispielsweise zeigst du mit deinen Händen die Größe eines Papierformats an.
  2. Embleme: Durch Embleme werden Wörter ersetzt. Ein bekanntes Beispiel ist das Händeschütteln. Es gibt auch beleidigende Embleme wie etwa das Zeigen des „Vogels“ anhand des Tippens mit dem Zeigefinger auf die Stirn.
  3. Adaptoren: Damit sind personentypische, meist in der Kindheit erlernte Verhaltensweisen gemeint wie beispielsweise das Beißen auf die Lippe unter Stress.
  4. Regulatoren: Solche Gesten wirken sich regulierend auf das Gegenüber aus: Beispielsweise kann man mit dem Schieflegen des Kopfes signalisieren, dass man etwas nicht nachvollziehen kann.
  5. Affektgesten: Wie der Name schon sagt, geschehen diese Gesten aus dem Affekt heraus. Beispielsweise kann jemand vor Staunen den Mund öffnen.

Im Alltag muss niemand wissen, ob die gerade gezeigte Geste ein Adaptor oder ein Emblem gewesen ist; in erster Linie ist es wichtig, dass deine Körpersprache authentisch, selbstsicher und sympathisch ist. Da dies in Eigenregie nicht immer klappt – die Selbstwahrnehmung unterscheidet sich nämlich häufig signifikant von der Fremdwahrnehmung – gibt es sogenannte Körperspracheseminare. Diese sind jedoch meist recht kostenintensiv, und manch einer zweifelt stark an ihrem Nutzen, da es nicht leicht ist sich eine andere Körpersprache anzutrainieren. Bei einer recht künstlichen Körpersprache spricht man auch von einer „antrainierten“ Gestik, welche auf Andere wenig vertrauenserweckend wirkt. Bevor eine Person mit einer solchen aufwartet, ist es besser ein wenig auf die eigene Gestik zu achten und diese bei Bedarf zu korrigieren.

Unser Tipp für dich: Vergegenwärtige dir die unter „Erlernen einer sympathischen, selbstbewussten Gestik“ genannten Punkte und denke bei wichtigen Terminen oder auch im Alltag daran.