Die Corona-Krise hat sich für viele Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen negativ auf ihre Karriere ausgewirkt. Ganz besonders schlimm hat es dabei die Frauen getroffen, da diese aufgrund der Schließung von Kitas und Grundschulen teilweise gezwungen waren, ihre Erwerbstätigkeit einzuschränken oder gar ganz aufzugeben, um die Betreuung der Kinder zu übernehmen. Passend zum Frauentag möchten wir uns ansehen, wo die Frau im Jahre 2021 in der Arbeitswelt steht und wie sich die Krise auf das Thema Geschlechtergleichheit ausgewirkt hat. 

Die Folgen der Corona-Krise für Frauen

Eine Erwerbstätigenbefragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, dass Frauen durch die Krise zwar ungefähr genauso häufig in Kurzarbeit arbeiten wie Männer, allerdings öfter komplett von der Arbeit freigestellt sind. Zudem erhalten sie deutlich seltener eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes. Nur etwa 28 Prozent der Frauen in Kurzarbeit bekommen von ihrem Arbeitgeber eine Aufstockung, bei den Männern sind es dagegen 36 Prozent. 

Des Weiteren gaben in der Studie 54 Prozent der weiblichen Arbeitnehmer an, den Großteil der Kinderbetreuung in der Familie zu übernehmen, während es bei den männlichen nur 12 Prozent sind. Dennoch ist damit der Anteil der Männer während der Pandemie von sechs auf 12 Prozent gestiegen, was sogar nachhaltig positive Effekte für die Gleichverteilung mit sich ziehen könnte. Nur bei einem Drittel der Befragten wird die Betreuung von beiden Eltern gleichmäßig aufgeteilt.

Dennoch: Etwa ein Viertel der befragten Frauen mit Kindern bis zu 14 Jahren gaben an, ihre Arbeitszeit wegen der Familie reduzieren zu müssen. Von den männlichen Beschäftigten war dies lediglich ein Sechstel. Dies zeigt ganz deutlich die ungleich verteilten Erwerbseinkommen der Geschlechter bereits vor der Pandemie, da in der Regel der schlechter bezahlte Partner seine Arbeitsstunden anpasst. Die Folgen werden auch nach der Krise zu spüren sein, denn für einige Frauen wird es evtl. nicht mehr möglich sein, die Anpassung wieder rückgängig zu machen, was Ungleichheiten weiter verstärken wird, auch hinsichtlich zukünftiger Gehaltsentwicklung und Beförderungsmöglichkeiten.

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Die Corona-Krise und der Gender Pay Gap / Gender Time Gap

Schon vor der Krise war der Gender Pay Gap – also der Verdienstabstand zwischen Mann und Frau – mit 19 Prozent relativ groß. In einer weiteren Studie des WSI haben die Forscherinnen Dr. Yvonne Lott und Dr. Aline Zucco erste Indizien dafür gefunden, dass sich der Gender Pay Gap durch die Wirtschaftskrise nun sogar etwas verkleinert hat. Dies liegt daran, dass zwischen Frühjahr und Herbst 2020 mehr Männer als Frauen arbeitslos geworden sind, was sich auf den durchschnittlichen Lohn der Männer ausgewirkt hat.

Dennoch war die Arbeitsmarktentwicklung für Frauen im Januar 2021 schlechter als bei Männern, was den Effekt inzwischen sogar umkehren könnte. Denn Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit wirken sich bei Frauen oft negativer auf das Einkommen aus als bei Männern, da sich die Höhe des Kurzarbeitergeld und die des Arbeitslosengeldes vom Nettoeinkommen ableitet. Zudem erhalten Frauen, wie bereits erwähnt, seltener eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes durch ihren Arbeitgeber. Das liegt auch daran, dass Frauen seltener in tarifgebunden Betrieben arbeiten.

Zudem geraten Frauen, was den Gender Time Gap – also die durchschnittliche Erwerbsarbeitszeit – betrifft immer mehr in den Rückstand, da viele Mütter, wie bereits erwähnt, ihre Arbeitszeit aufgrund der Pandemie reduzieren mussten. Als im April 2020 Schul- und Kitaschließungen bekannt wurden, reduzierten laut Erwerbstätigenbefragung etwa 24 Prozent der Mütter ihre Arbeitszeit, bei den Vätern waren es lediglich 16 Prozent. In Zeiten vor der Corona-Pandemie arbeiteten erwerbstätige Mütter durchschnittlich zehn Stunden pro Woche weniger als die Väter. Im Frühjahr 2020 stieg diese Differenz auf 12 Stunden. Laut WSI-Forscherin besteht daher das Risiko, dass sich die Schere auch langfristig nicht schließen wird.

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Fazit

Die Krise hat sich sowohl auf den Gender Pay Gap als auch auf den Gender Time Gap negativ ausgewirkt. Zudem führte sie teilweise zu einer vertieften Traditionalisierung: Der Mann arbeitet, während sich die Frau um die Kinder kümmert. Um diese Folgen abzufedern bedarf es Maßnahmen und Reformen. In ihrer Studie zeigen die Wissenschaftlerinnen Dr. Yvonne Lott und Dr. Aline Zucco konkrete Vorschläge auf. Dazu gehören beispielsweise die Gewährleistung der institutionellen Kinderbetreuung, eine Reform des Ehegattensplittings und den Ausbau der 30-Stunden-Woche. 

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