Nine to five? Das ist doch Schnee von gestern. Heutzutage gibt es viele Möglichkeiten, den Arbeitstag flexibler zu gestalten. Und zwar so, dass sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber zufrieden sind. Beispielsweise kann ein Unternehmen unterschiedliche Arbeitszeitmodelle anbieten und diese wiederum können miteinander kombiniert werden. Work-Life-Balance lautet das Zauberwort. Die Folge: Als Arbeitnehmer ist man zufriedener, seltener krank und sogar produktiver. Doch nicht jedes dieser Arbeitszeitmodelle ist auch für dich und deine Branche geeignet. Wir geben einen Überblick über verschiedene Arbeitszeitmodelle und verraten dir die jeweiligen Vor- und Nachteile.

Gleitzeit

Hinter Gleitzeit steckt die Idee, etwas später in die Arbeit kommen zu dürfen und dafür etwas später zu gehen oder eben umgekehrt. Das ist vor allem für Pendler praktisch oder für Menschen, die gerne etwas länger ausschlafen. Dennoch gibt es meist eine Kernarbeitszeit, innerhalb der Anwesenheitspflicht für alle Mitarbeiter besteht. Die Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit ist dabei die vertraglich vereinbarte. Dieses Modell kann allerdings nur von Branchen genutzt werden, in denen die Mitarbeiter nicht ab einer gewissen Uhrzeit für Kunden erreichbar sein müssen. Für Call-Center oder Kundenservices bietet es sich daher eher nicht an. 

Vorteile von Gleitzeit:

  • Flexiblere Arbeitszeitgestaltung
  • Kein Stress, wenn die Bahn mal zu spät kommt
  • Bessere Abdeckung der eigenen Bedürfnisse
  • Termine beim Arzt etc. können einfacher geplant werden

Nachteile von Gleitzeit:

  • Schwerere Erreichbarkeit der Kollegen
  • Nicht jedes Unternehmen kann Gleitzeit anbieten
  • Relativ geringe Flexibilität
  • Eigenverantwortlichkeit
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Schicht- und Nachtarbeit

In gewissen Berufen gehören Schicht- und Nachtarbeit zur Normalität. Insbesondere bei der Polizei, am Flughafen oder in der Pflegebranche sind diese notwendig. Dabei wird zwischen zwei Arten unterschieden. Kontinuierliche Schichtarbeit enthält Nacht- und Wochenendarbeit, während diskontinuierliche Schichtarbeit höchstens eines von beiden enthält. Schichtarbeit ist leider für viele kein angenehmes Arbeitszeitmodell und stellt eine gesundheitliche Belastung dar. Auch das Sozialleben kann darunter leiden. Daher ist es wichtig, dass von der Firma eine faire und gesundheitsverträgliche Schichtplanung aufgestellt wird. 

Vorteile von Schicht- und Nachtarbeit:

  • Tagsüber Zeit für Familie und Freunde
  • Gehaltszuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit
  • Arzt- oder Behördentermine können leichter vereinbart werden

Nachteile von Schicht- und Nachtarbeit:

  • Gesundheitliche Belastung
  • Schlafmangel und qualitativ schlechterer Schlaf
  • Teilnahme an abendlichen Veranstaltungen ist schwierig
  • Eingeschränktes Sozialleben

Versetzte Arbeitszeit

Versetzte Arbeitszeit bedeutet, dass innerhalb der Betriebszeit einer Firma Arbeitszeitblöcke definiert werden, die sich teilweise überlappen. Dies gewährleistet die Ausweitung der Betriebszeiten und eignet sich insbesondere für den Logistikbereich, den Handel und viele Dienstleistungsbranchen. 

Vorteile der versetzten Arbeitszeit:

  • Bessere Work-Life-Balance, sofern Mitspracherecht über die Besetzung der Blöcke besteht
  • Mehr Flexibilität durch Tauschen der Schichten untereinander
  • Möglichkeit auf Arbeit in Teilzeit
  • Variable Arbeitszeiten

Nachteile der versetzten Arbeitszeit:

  • Möglicherweise öfter unattraktive Randzeiten
  • Verbindliche Anfangs- und Endzeiten
  • Weniger spontane Flexibilität als bei Gleitzeit
  • Starres Modell, wenn kein Mitspracherecht bei der Besetzung der Schichten besteht

Arbeitszeitkonto

Eigentlich zählt das Arbeitszeitkonto nicht zu den Arbeitszeitmodellen, da es eher ein Steuerungselement ist. Auf diesem Konto, auch Kurzzeitkonto genannt, können Arbeitsstunden angespart und entnommen werden. Prinzipiell sollte ein Ausgleichzeitraum vom Arbeitgeber definiert werden, in dem die gesammelten Überstunden abgebaut werden müssen. Dabei ist auf das Arbeitszeitgesetz zu achten, welches vorschreibt, Arbeitszeiten über acht Stunden pro Tag innerhalb von sechs Monaten auszugleichen (§3 ArbZG). Das Arbeitszeitkonto kann mit unterschiedlichen Arbeitszeitmodellen kombiniert werden, beispielsweise mit Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit oder Funktionszeit. Für die Dokumentation bieten sich unterschiedliche Zeiterfassungssysteme (Link folgt) an. 

Vorteile des Arbeitszeitkontos:

  • Sehr flexible Arbeitszeitgestaltung
  • Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatem
  • Zusätzliche freie Tage durch Überstundenabbau möglich
  • Zeit kann an Dauer der Arbeitsvorgänge angepasst werden

Nachteile des Arbeitszeitkontos:

  • Evtl. unterschiedliche Interessen von Arbeitgeber und -nehmer bezüglich des Stundenauf- und abbaus
  • Keine Überstundenzuschläge ab der ersten Überstunde
  • Vorleistung ohne direkte Gegenleistung
  • Bei Schwankungen der Auftragslage müssen Überstunden oder Arbeitszeitausfall akzeptiert werden
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Lebensarbeitszeitkonto

Dieses Modell funktioniert ähnlich wie das Arbeitszeitkonto. Es basiert auf einem Zeitwertkonto, auf welches sowohl Arbeitszeiten als auch Entgeldbestandteile einbezahlt werden können. Dieses Konto kann für unterschiedliche Zwecke verwendet werden. Dazu gehören beispielsweise die Verlängerung der Elternzeit oder ein Sabbatical.

Mehr zum Thema Lebensarbeitszeitkonto kannst du hier nachlesen:

Mehr Freiheit durch Lebensarbeitszeitkonto? Das solltest du wissen

Vorteile des Lebensarbeitszeitkontos:

  • Wertguthaben bietet höhere Rendite als private Vorsorgemodelle
  • Bei früherem Renteneintritt werden Abschläge der Rente vermieden
  • Auszeit kann vor Burnout schützen
  • Geld kann auch im Ausland ausgezahlt werden

Nachteile des Lebensarbeitszeitkontos:

  • Erfordert durchdachte Planung und hohen administrativen Aufwand
  • Übernahme des Kontos bei Arbeitgeberwechsel nicht garantiert
  • Dadurch gewisse Abhängigkeit vom Arbeitgeber

Vertrauensarbeitszeit

Die Vertrauensarbeitszeit bietet sehr flexible Arbeitszeiten, da die Beschäftigten sich ihre Zeit weitgehend selbstverantwortlich einteilen. Dafür gibt es Zielvereinbarungen, die in einem gewissen Zeitraum erfüllt werden müssen. Im Gegenzug dazu verzichten Vorgesetze auf die Kontrolle der Arbeitszeit und den Mitarbeitern bleibt weitgehend selbst überlassen, wo und wann sie arbeiten. Dafür können die Anforderungen an Vorgesetzte und Beschäftigte mit diesem Modell besonders anspruchsvoll sein. Zudem ist es auch hier oft üblich, dass gewisse Kernarbeitszeiten festgelegt werden, in denen sich das Team beispielsweise für Besprechungen trifft. Für dieses Modell ist es essenziell, dass ein ausgeprägtes Vertrauen zwischen Arbeitgeber und -nehmer besteht. Zudem müssen die Vorgesetzen realistische Zielvereinbarungen formulieren, damit die Arbeitsleistung trotz geringer Kontrolle auch gewährleistet wird. 

Vorteile der Vertrauensarbeitszeit:

  • Sehr flexible Arbeitszeiten
  • Bessere Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben
  • Kontrolle der Arbeitsqualität und nicht der Arbeitszeit
  • Mehr Eigenverantwortung und freie Gestaltung der Erholungszeiten

Nachteile der Vertrauensarbeitszeit:

  • Eventuell erschwerte Abstimmung mit Kollegen
  • Gefahr der ständigen Erreichbarkeit
  • Konfliktpotenzial durch Misstrauen
  • Eventuell Gefahr des Missbrauchs durch den Arbeitgeber oder Arbeitnehmer
  • Risiko auf überdurchschnittliche Mehrarbeit

Jahresarbeitszeit

Sommerloch oder Winterblues? Manche Branchen sind extrem von der Jahreszeit abhängig, weshalb sich für diese das Modell „Jahresarbeitszeit“ hier besonders anbietet. Es gibt viel zu tun? Gut, dann wird auch viel gearbeitet. Auftragsflaute? Na schön, dann gibt es eben mehr Freizeit. Saisonalen Schwankungen sind insbesondere der Handel, die Konsumgüterbranche und das Gastgewerbe ausgesetzt. Das Arbeitszeitmodell „Jahresarbeitszeit“ legt eine jährliche Arbeitszeit in Stunden für Mitarbeiter fest, die bis Ende des Jahres erreicht werden muss. Diese basiert meist auf einer durchschnittlichen täglichen Arbeitszeit. Die Jahresarbeitszeit errechnet sich dann aus der Zahl der Arbeitstage und der vereinbarten täglichen Arbeitszeit. Diese wird vom Unternehmen je nach Saison erhöht oder gesenkt, das Gehalt bleibt dabei jedoch immer gleich. 

Vorteile der Jahresarbeitszeit:

  • Überstunden können für längere Auszeit genutzt werden
  • Wünsche zur Arbeitszeit können eingebracht werden
  • Stetiges Monatseinkommen trotz wechselnder Arbeitszeit
  • Transparente und langfristige Regelung
  • Fairer Ausgleich von Überstunden

Nachteile der Jahresarbeitszeit:

  • Eingeschränkte Urlaubs- und Freizeitoptionen in der Hochsaison
  • Geringere Einflussmöglichkeiten auf Abbau der Überstunden
  • Mögliche Unsicherheit darüber, ob vertraglich vereinbarte Jahresarbeitszeit auch tatsächlich geleistet werden kann
  • Jährlich neue Festlegung der Jahresarbeitszeit
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Funktionszeit

Im Grunde ist die Funktionszeit dasselbe Modell wie die Gleitzeit, nur ohne Kernzeit, weshalb sie dem Mitarbeiter noch mehr Freiheiten einräumt. Dies funktioniert allerdings nur mit gut definierten Anforderungen an die Funktionsfähigkeit des Arbeitsbereichs. Die Funktionszeit wird insbesondere in der Verwaltung und im Dienstleistungsbereich eingesetzt und ist nur für Bereiche eines Unternehmers geeignet, in dem sich die Beschäftigten gegenseitig in ihren Aufgaben vertreten können. Die Teams regeln unter Berücksichtigung von Vorgaben ihre Arbeitszeiten autonom. Dabei muss jedoch selbstverständlich auf das Arbeitszeitgesetz geachtet werden. Es ist wichtig, dass das Team gut funktioniert und sich einigen kann, denn es herrscht eine hohe Selbstverantwortung. Die Funktionszeit kann auch mit Gleitzeit kombiniert werden. Außerdem ist ein Arbeitszeitkonto erforderlich, damit Überstunden ausgeglichen werden können. 

Vorteile der Funktionszeit

  • Flexiblere Gestaltung des Arbeitsbeginns und -endes
  • Unkomplizierte Abstimmung mit dem Team
  • Individuelle Bedürfnisse werden berücksichtig
  • Möglichkeit mit Arbeitszeitkonto Zeit anzusparen
  • Verbesserte Work-Life-Balance

Nachteile der Funktionszeit

  • Keine gewährleistete Erreichbarkeit der Kollegen
  • Hohe Selbstorganisation im Team mit Konfliktpotenzial

Sabbatical

Wie schön es doch wäre, mal etwas länger als ein paar Wochen zu verreisen oder über einen längeren Zeitraum nur für die Familie da sein zu können. Kein Problem mit einem Sabbatical. Ein Sabbatical ist eine befristete berufliche Auszeit, die meist zwischen drei und zwölf Monate dauert. Es ist in der Regel ähnlich wie ein freiwilliger, unbezahlter Urlaub. Nach Ablauf der Zeit hat der Mitarbeiter wieder einen Anspruch auf seinen alten Arbeitsplatz. Für die Organisation eines Sabbaticals gibt es unterschiedliche Möglichkeiten.

Mehr dazu kannst du in diesem Artikel lesen:

Sabbatical: Ich bin dann mal weg …

Vorteile eines Sabbaticals:

  • Tiefergehende Erholung und Regeneration
  • Möglichkeit auf Erfüllung von Lebensträumen
  • Kein Risiko, den Arbeitsplatz zu verlieren
  • Neue Erfahrungen, die zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen

Nachteile eines Sabbaticals:

  • Rückkehr in den Beruf nicht immer einfach
  • Meist geringerer Verdienst
  • Kollegen müssen deinen Ausfall kompensieren
  • Ansparen der Stunden kann zu Erschöpfung führen
  • Auszeit kann dauerhafte Aufgabenveränderungen nach sich ziehen
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Homeoffice / mobiles Arbeiten

Homeoffice wird immer beliebter – nicht zuletzt durch die Coronapandemie hat es einen regelrechten Aufschwung erlebt. Und das ist kein Wunder, denn es bietet sowohl für den Mitarbeiter als auch für den Arbeitgeber viele Vorteile. Unter Homeoffice versteht man im allgemeinen Sprachgebrauch das Arbeiten von zu Hause. Es erleichtert die Vereinbarung von Familie und Beruf und spart eine Menge Zeit. Homeoffice kann in zwei verschiedene Formen gegliedert werden: Telearbeit und mobiles Arbeiten. Mehr dazu kannst du in diesem Artikel lesen. 

Vorteile des Homeoffice:

  • Wegfall der Wegzeiten
  • Flexible Arbeitszeiten
  • Bessere Work-Life-Balance
  • Hohe Flexibilität beim Festlegen privater Termine

Nachteile des Homeoffice:

  • Soziale Isolation
  • Gefahr der dauerhaften Erreichbarkeit
  • Eventuell schwere Trennung von Berufs- und Privatleben

Mitarbeiter auf Abruf

In diesem Arbeitszeitmodell wird der Beschäftigte ohne feste Arbeitszeiten je nach Bedarf eingesetzt und vergütet. Meist gibt es eine gemeinsam vereinbarte tägliche oder wöchentliche Mindestarbeitszeit, die erfüllt werden muss. Dieses Modell eignet sich vor allem bei schwankenden Auftragslagen. Das Modell ist im Teilzeit- und Befristungsgesetz geregelt, welches besagt, dass der Abruf der Arbeit mindestens vier Tage zuvor angekündigt werden muss. Zudem sind die vereinbarten Stunden auch dann zu vergüten, wenn sie nicht eingefordert wurden. Für das Modell wird manchmal das Akronym KAPOVAZ verwendet, was für „kapazitätsorientierte variable Arbeitszeit“ steht.

Vorteile

  • Regelmäßige, sichere Vergütung
  • Abwechslung

Nachteile

  • Unsicherheit
  • Keine festen Arbeitszeiten

Job Sharing

Beim sogenannten Job Sharing teilen sich zwei Mitarbeiter eine Vollzeitstelle und arbeiten demnach beide in Teilzeit. Sie können sich ihre Arbeitszeiten untereinander selbst frei einteilen. 

Vorteile

  • Gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  • Vor allem für Eltern geeignet

Nachteile

  • Geringere Vergütung
  • Geringere Rente

Fazit

Flexible Arbeitszeitmodelle funktionieren nur dann, wenn sowohl Arbeitgeber als auch Beschäftigte verantwortungsvoll damit umgehen. Ist dies der Fall, sind die Vorteile unbestreitbar. Eine flexiblere Einteilung der Arbeitszeit sorgt für mehr Gelassenheit, eine höhere Produktivität und Zufriedenheit. Unsere Arbeitszeiten sollen sich bestenfalls unserem Leben anpassen und nicht umgekehrt. Dennoch funktioniert nicht jedes Arbeitsmodell bei jedem Beruf. Werde dir darüber klar, bevor du von deinem Arbeitgeber ein bestimmtes Modell einforderst. Sicherlich könnt ihr euch auf eine Variante einigen, mit der ihr beide zufrieden seid. 

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Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwenden wir die männliche Form (generisches Maskulinum), z. B. „der Mitarbeiter“. Wir meinen immer alle Geschlechter im Sinne der Gleichbehandlung. Die verkürzte Sprachform hat redaktionelle Gründe und ist wertfrei.