Als Deutschland im März 2020 aufgrund der beginnenden Corona-Pandemie den ersten Lockdown verhängte, hatte dies drastische Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote stieg binnen kürzester Zeit rasant an und noch nie zuvor gab es so viele Arbeitnehmer in Kurzarbeit. Seitdem ist nichts mehr, wie es einmal war. Ein Jahr später befinden wir uns erneut im Lockdown. Der Arbeitsmarkt ist durch die Corona-Krise immer noch stark belastet. Doch es gibt auch Hoffnung.

Ein Jahr Lockdown: Der Jobmarkt in Deutschland

Die anhaltende Corona-Krise hat im vergangenen Jahr zu einer der schwersten Rezessionen in der Nachkriegsgeschichte geführt und dafür gesorgt, dass es deutlich weniger freie Arbeitsplätze gab als in den Jahren zuvor. Laut aktuellem Monatsbericht zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt der Bundesagentur für Arbeit ist das reale Bruttoinlandsprodukt nach aktuellen Schätzungen der Deutschen Bundesbank im Jahr 2020 um 5,5 Prozent geschrumpft. Dennoch hielten sich die Verschlechterungen in Grenzen, was vor allem dem massiven Einsatz von Kurzarbeit zu verdanken ist, durch die man eine weitaus höhere Arbeitslosigkeit verhindern konnte.

Nach einem katastrophalen ersten Halbjahr erholte sich die deutsche Wirtschaft im Sommer wieder deutlich, was jedoch nur von kurzer Dauer war. Durch die zweite Welle und den erneuten Lockdown zum Ende des Jahres wurde sie wieder ausgebremst. Auch im ersten Quartal 2021 sieht es nicht danach aus, als würde sich groß etwas verändern. Dennoch bleibt der Arbeitsmarkt widerstandsfähig, auch wenn sich der Einfluss der Corona-Krise weiterhin in einem erheblich höheren Niveau von Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung zeigt und die Vorjahreswerte in allen Formen der Erwerbstätigkeit unterschritten werden.

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Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt

Laut Bundesagentur für Arbeit sind die Zahlen an bisher gemeldeten Ausbildungsstellen und Bewerber/innen für das Beratungsjahr 2020/21 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nochmals deutlich zurückgegangen. Dies ist wohl auf die von der Corona-Pandemie verursachten Unsicherheiten der Unternehmen zurückzuführen, ebenso auf die Transformationsprozesse in der Wirtschaft,  wie beispielsweise in der Automobil- und Zulieferindustrie. Der Rückgang an Bewerbungen könnte daraus resultieren, dass viele Stellenausschreibungen untergehen, da gewohnte Zugangswege versperrt sind und auch durch digitale Angebote nicht komplett ersetzt werden können.

Im Zeitraum Oktober 2020 bis Februar 2021 wurden dem Arbeitgeberservice der Bundesagentur für Arbeit und den Jobcentern insgesamt 387.500 Berufsausbildungsstellen gemeldet. Mit einem Minus von 36.600 waren das nochmals deutlich weniger als im Vorjahreszeitraum.

Historischer Höchststand der Kurzarbeit

Nach vorläufigen Einschätzungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ist die durchschnittliche Arbeitszeit der Erwerbstätigen im Jahr 2020 drastisch gesunken. Für beschäftigte Arbeitnehmer fiel sie um 3,1 Prozent auf 1.289 Stunden, für Selbstständige um 2,2 Prozent auf 1.864 Stunden. Zu diesem Rückgang hat insbesondere der historische Höchststand der Kurzarbeit beigetragen. Eine erste Schätzung der Statistik der Bundesagentur für Arbeit gibt an, dass die gesamte jahresdurchschnittliche Kurzarbeiterzahl von 145.000 im Jahre 2019 auf rund 2,9 Millionen im Jahre 2020 angestiegen ist. Demnach waren 2020 durchschnittlich 8,7 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Kurzarbeit, im Vorjahr dagegen nur 0,4 Prozent.

Die Kurzarbeit ist eine Leistung für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, von der jedoch auch Unternehmen profitieren. Die Möglichkeit, Kurzarbeit in Anspruch zu nehmen, hat dem Arbeitsmarkt mehr Stabilität gebracht und eine höhere Arbeitslosenquote verhindert. Die Zahlung von Kurzarbeitergeld ermöglicht den Betrieben, ihre Mitarbeiter trotz schwieriger wirtschaftlicher Bedingungen zu behalten. Der Monat mit der höchsten Inanspruchnahme von Kurzarbeit war der April 2020. Hier lag die Kurzarbeiterquote bei 17,9 Prozent. Im Oktober 2020 waren nach vorläufigen Angaben nur noch 5,9 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in konjunktureller Kurzarbeit. 

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Strukturwandel: Home-Office und digitale Transformation

Die Corona-Pandemie hat für einen großen Strukturwandel gesorgt und deutlich gezeigt, wo die Zukunft des Arbeitsmarkts hingeht. Längst bekannte Transformationsprozesse wurden beschleunigt, führten zu deutlichen Veränderungen und gaben Aufschluss über weitere notwendige Strukturwandelprozesse. Home-Office, Wachstum im Online-Handel und Digitalisierung in anderen Wirtschaftsbereichen – viele Unternehmen haben die Möglichkeiten deutlich stärker ausgeschöpft und davon profitiert. Dennoch ist Deutschland enorm im Verzug, was die Digitalisierung betrifft. In Zukunft wird es sowohl für Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer immer wichtiger, schon früh auf entsprechende Weiterbildungen und Qualifizierungen zu setzen.

Arbeitslosigkeit: Branchen sind unterschiedlich stark betroffen

Von März bis Mai 2020 wurde der größte Rückgang der Nachfrage an Arbeitskräften verzeichnet. Gerade in diesen Monaten werden normalerweise eine Vielzahl an neuen Stellen gemeldet. Viele Branchen blieben von diesem Effekt stark betroffen, andere wiederum erholten sich relativ schnell. Zu den am meisten betroffenen Branchen gehören wohl die Hotel- und Gastronomiebetriebe. Auch der Einzelhandel und das Transportgewerbe leiden stark unter den Folgen der COVID-19-Pandemie, ebenso wie das verarbeitende Gewerbe, wie beispielsweise die Automobilzulieferindustrie. Dauerhaft gesucht wurden dagegen Pflegekräfte. Corona hat gezeigt, wie wichtig diese für unsere Gesellschaft sind.

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Aktuelle Lage: Der Arbeitsmarkt bleibt stabil

Im Februar 2021 stieg die Arbeitslosigkeit in Deutschland saisonuntypisch leicht auf 2,904 Millionen Menschen. Das sind 4000 mehr als im Januar und 509.000 mehr als im Februar 2020. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 6,3 Prozent. Es sieht so aus, als würde der Arbeitsmarkt auch in den nächsten Monaten stabil bleiben, allerdings hängt dies auch sehr vom weiteren Infektionsgeschehen und den damit verbundenen Maßnahmen ab. Zudem nehmen Stellenausschreibungen auf Jobportalen wie stellenanzeigen.de wieder deutlich zu, was darauf hinweist, dass viele Arbeitgeber trotz anhaltender Corona-Krise aktiv nach neuen Mitarbeitern suchen. Arbeitslose haben aktuell also wieder bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. 

Quellen: statistik.arbeitsagentur.de, argbeitsagentur.de

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