Besonders Berufseinsteiger erhalten in Bewerbungsratgebern häufig den Tipp, sie würden mit Ehrenämtern im Lebenslauf bessere Einstiegschancen haben. Tatsächlich kann ein Ehrenamt dabei helfen, sich von der Masse abzuheben: Engagierte Mitarbeiter wirken sich nämlich positiv auf das Image eines Unternehmens aus, und jeder Arbeitgeber liebt Angestellte, die auch gern mal etwas gratis tun. Doch nicht jedes Ehrenamt ist für eine Erwähnung im Lebenslauf geeignet. In diesem Artikel erfährst du, was du beachten solltest.

Das Ehrenamt als Karrieresprungbrett

Ehrenämter, die einen inhaltlichen Bezug zur Traumstelle bieten, sollten im Lebenslauf und auch im Anschreiben erwähnt werden. Hat der Personaler viele Bewerbungen zur Auswahl, wird er bei ansonsten gleicher Qualifikation und Berufserfahrung diejenigen Bewerber interessanter finden, die mit ihren Ehrenämtern aus der Masse herausstechen.

Besonders karriereförderlich sind Ehrenämter bei Interessenverbänden, die etwas mit deinem jeweiligen Beruf zu tun haben: Du kannst dort wertvolle Kontakte knüpfen und diese womöglich während des Small Talks in einem Vorstellungsgespräch erwähnen.

Zusätzliche Berufserfahrung

In einem ansonsten mageren Lebenslauf kann mit Ehrenämtern zusätzliche Lebens- oder Berufserfahrung dargestellt werden. Das funktioniert aber nur, wenn man in dem Ehrenamt bestimmte Kompetenzen erworben hat. Manche überregionalen Institutionen bieten ehrenamtliche Tätigkeiten im Homeoffice an, in welchen jeder in seinem Spezialgebiet arbeiten kann. So kann jemand etwa Berufserfahrung im Bereich Rechnungswesen sammeln oder in der Suchmaschinenoptimierung.

Um deine Glaubwürdigkeit zu erhöhen, kannst du die jeweilige Institution, bei welcher du ehrenamtlich arbeitest, ggf. darum bitten, dir ein Referenzschreiben auszustellen, das dich für den jeweiligen Bereich qualifiziert.

Nachweis über Soft Skills

Ein Ehrenamt ist ein Nachweis dafür, dass sich jemand engagiert und gut in die Gesellschaft integriert hat – wenn das Ehrenamt denn aktiv und langfristig ausgeübt wird. Sollte ein Ehrenamt also nichts mit dem von dir angestrebten Beruf zu tun haben, so kann es doch darüber Aufschluss geben, dass es sich bei dir um einen soliden, vertrauenswürdigen Menschen handelt.

Ehrenamt im Lebenslauf

  • Wie auch deine anderen Tätigkeiten (schulische Ausbildung, Studium, Berufserfahrung, Softwarekenntnisse etc.) sollte auch das Ehrenamt eine eigene Kategorie erhalten, auch wenn es nur eine Position zu nennen gibt. Gib in lebenslaufüblicher Manier Zeitraum, Titel und Arbeitgeber (mit Arbeitsort) deiner Tätigkeit an und führe in einer kurzen Beschreibung auf, was du im Rahmen dieses Ehrenamtes alles getan hast. Dieses Ausformulieren der Tätigkeit ist gleichzeitig eine gute Übung, falls du im Vorstellungsgespräch nach dem Inhalt der ehrenamtlichen Tätigkeit gefragt werden solltest und dir dann gerade nur die weniger wichtigen Dinge einfallen.
  • Die beste Position für das Ehrenamt in deinem Lebenslauf ist die Stelle nach der Berufserfahrung.
  • Die ehrenamtliche Tätigkeit kann anhand unterschiedlicher Begriffe im Lebenslauf bezeichnet werden. Anbieten würden sich beispielsweise „Ehrenamtliche Tätigkeit“, „Ehrenamt“, „Ehrenamtliches Engagement“ oder „Soziales Engagement“.

Vollzeitstelle und Ehrenamt – kann das klappen?

Nicht in den Augen aller Personaler sind Ehrenämter von Vorteil. Beispielsweise könnte die Frage aufkommen, ob der Mitarbeiter neben einer Vollzeitstelle noch genügend Zeit für Erholung hat. Auch Überstunden – ob bezahlt oder unbezahlt – sind in vielen Beschäftigungsverhältnissen üblich, und eine entsprechende Bereitschaft und Verfügbarkeit wird von dem Mitarbeiter erwartet. Deshalb ist es wichtig, in einem Vorstellungsgespräch deutlich zu machen, dass man das Ehrenamt für den neuen Job aufgeben würde.

Verdächtig aufgrund zu vieler Ehrenämter

Ein Ehrenamt im Lebenslauf reicht aus. Solltest du tatsächlich mehrere Ehrenämter ausüben, so nenne nur diejenigen, für die du dich tatsächlich ausreichend engagiert hast und die gut zu der Stelle passen, für die du dich bewirbst. Jedoch solltest du maximal zwei Ehrenämter erwähnen, da sonst entweder der Eindruck entsteht, du würdest den einzelnen Aufgaben nicht gerecht werden oder eigentlich gar keine Zeit für eine Vollzeitstelle haben.

Eine Ausnahme: Du warst längere Zeit arbeitslos und wolltest dich trotzdem sinnvoll einbringen. In diesem Fall sind mehr als zwei Ehrenämter nachvollziehbar. Dass du dich auch trotz entsprechender zeitlicher Auslastung um eine Festanstellung bemühen solltest, wenn du ehrenamtlich tätig bist, versteht sich von selbst.

Lebenslauf
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Wann man ein Ehrenamt im Lebenslauf nicht angeben sollte

  • Kurze Einsätze: Hat man eine Institution nur für sehr kurze Zeit unterstützt und dann festgestellt, dass die Tätigkeit keinen Spaß macht, dann kann das zu unbequemen Fragen im Vorstellungsgespräch führen, genauso wie bei jeder anderen beruflichen Position, der man schnell wieder den Rücken zugewandt hat. Darüber hinaus wirkt ein Ehrenamt, wenn es nur wenige Monate ausgeübt wurde, wenig aussagekräftig.
  • Unkorrekte Dauer: Keinesfalls darfst du die zeitliche Dauer des Ehrenamts in deinem Lebenslauf verlängern: Auch wenn es abwegig klingt, sollte man sich darauf gefasst machen, dass ein Personaler genauer nachforscht und vielleicht bei der Institution anruft.
  • Keine echten Ehrenämter: Wenn es sich bei einer Tätigkeit nicht um eine echte ehrenamtliche Tätigkeit, sondern eher um einen Gefallen handelt, den du jemanden getan hast, wie kostenloses Babysitten, dann ist die Erwähnung dieser Tätigkeit in deinem Lebenslauf fehl am Platz.
  • Sensible Themengebiete: Auch mit der Erwähnung von Ehrenämtern in sensiblen Bereichen solltest du vorsichtig sein: Beispielsweise könnte eine Personalerin im Modebereich die Nase rümpfen, wenn jemand ehrenamtlich in einer Justizvollzugsanstalt gearbeitet hat, oder der Chef einer Steuerkanzlei könnte misstrauisch werden, wenn sich jemand freiwillig als Streetworker für Obdachlose engagiert hat. Denke stets daran: Die Information zu dem Ehrenamt sollte deinen Lebenslauf aufwerten und dich als einen geeigneten Bewerber erscheinen lassen. Keinesfalls sollten durch das Ehrenamt Themen zur Sprache kommen, die als Tabu-Themen gelten könnten wie etwa Prostitution oder Sucht. Wer sich hingegen im sozialen Bereich bewirbt, kann gerade mit solchen Engagements punkten.

Aussortierte Bewerbung aufgrund des Ehrenamtes?

Überlege, ob der Firma, bei der du dich bewirbst, durch das Ehrenamt, das du ausübst, irgendwelche Nachteile entstehen könnten. Beispielsweise handelt es sich bei einem Ehrenamt bei der Freiwilligen Feuerwehr um eine gefährliche und häufig auch zeitaufwändige Beschäftigung. Wenn du denkst, dass du durch die Erwähnung der Tätigkeit falsch eingeschätzt werden könntest, dann verschweige diese Position in deinem Lebenslauf lieber.

Engagement in der Politik: Erworbene Kompetenzen in den Vordergrund stellen

Da jeder eine andere politische Meinung haben kann, sollten bei einem politischen Engagement nicht unbedingt die individuellen Ziele in den Vordergrund gestellt werden. Viel besser ist es, zusammenzufassen, mit welchen Programmen man gearbeitet hat oder welche Arbeitstechniken man kennenlernen durfte, also welche neuen Skills man sich angeeignet hat.

Die richtigen Antworten auf die Frage nach dem Warum

Wenn du im Vorstellungsgespräch gefragt wirst, warum du die eine oder andere ehrenamtliche Aufgabe übernommen hast, ist es keinesfalls egal, was du antwortest.

  • Gute Antworten sind etwa: „Weil ich die Institution X in ihrem Bestreben, Y zu helfen, unterstützen wollte.“ oder „Weil ich die Philosophie von Z gut finde und hoffe, durch die bei der ehrenamtlichen Tätigkeit erworbenen Fähigkeiten leichter einen Berufseinstieg zu finden.“
  • Schlechte Antworten sind: „Ein Kumpel von mir hat mich gefragt, ob ich mitmachen möchte.“ oder „Es gab keinen, der das Ehrenamt übernehmen wollte.“

Keine Zeit für ein Ehrenamt?

Als Student muss man nicht nur lernen, sondern sich häufig auch noch etwas hinzuverdienen. Allein für die Tatsache, dass man bisher noch kein Ehrenamt ausgeübt hat, kann ein Werkstudent von manchen Vorgesetzten oder Kollegen schräg angeschaut werden. Und wenn man sich um ein Stipendium bewirbt, muss man bestimmte Ehrenämter nachweisen können.

Auch vielen Vollzeitangestellten fehlt neben der Arbeit die Kraft und die Zeit, einem Ehrenamt nachzugehen. Wer danach gefragt wird, warum er bisher keine ehrenamtliche Tätigkeit ausgeübt hat, kann beispielsweise antworten, dass er viel Zeit mit der eigenen Familie verbringt oder ein zeitaufwändiges Hobby hat. Keinesfalls sollte man jedoch antworten, dass man keine Lust darauf hat, einer Tätigkeit ohne Bezahlung nachzugehen, denn diese Antwort kann als mangelndes Engagement ausgelegt werden.

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