Wer fragt, der führt – so heißt es im Business-Leben. Prinzipiell dienen Fragen in erster Linie dem Zweck, Informationen vom jeweiligen Gesprächspartner zu erhalten. Auch wenn oft behauptet wird, es gäbe keine blöden Fragen, so trifft dies für das Berufsleben nicht unbedingt in jedem Fall zu. Insbesondere in Vorstellungsgesprächen können die richtigen Fragen einen guten Eindruck hinterlassen, während falsch formulierte Fragen eher das Gegenteil bewirken. Aber auch in Meetings und Besprechungen oder bei Kundengesprächen ist es wichtig, auf ein paar Regeln hinsichtlich der Fragestellung zu achten, um zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen.

Die richtige Fragetechnik: Fragen passend formulieren

Die richtige Fragestellung trägt wesentlich zu einer guten Kommunikation bei. Sie hilft uns, Gespräche zielgerichtet zu führen, Beziehungen und Vertrauen aufzubauen, den Befragten zu verstehen und ihn dort abzuholen, wo er gerade steht. Durch passend formulierte Fragen kommen wir schnell an die richtigen Informationen, wovon beide Parteien profitieren. Im Arbeitsleben kann dies beispielsweise bei Abstimmungen mit den Kollegen nützlich sein, aber auch bei Zielvereinbarungen oder Gehaltsverhandlungen mit dem Chef oder beim Delegieren von Arbeit als Führungskraft.

Wir haben 10 Tipps für bessere Fragestellungen, die dich im Berufsleben weiterbringen. 

#1: Geschlossene vs. offene Fragen 

Als geschlossene Fragen werden Fragen bezeichnet, die sich mit einem einfachen „Ja“ oder „Nein“ beantworten lassen. Sie geben dem Befragten kaum Spielraum für seine Antwort und schränken ihn und damit auch eure Konversation ein. Deshalb ist es meist besser, auf sogenannte offene Fragen zurückzugreifen. Sie laden den Befragten dazu ein, genauer über eine Thematik nachzudenken und eine umfangreiche Antwort abzuliefern. Auch auf Fragen, die ein „entweder oder“ beinhalten, solltest du, wenn möglich, verzichten. Sie haben ebenfalls eine einschränkende Wirkung und verhindern den freien Gedankenfluss. 

#2: Wertende und suggestive Fragen vermeiden

Wer eine gute Antwort möchte, der sollte dem Befragten die Worte nicht vorher schon in den Mund legen. Überlege dir also zuvor, ob du mit deiner Frage nicht bereits unterbewusst auf eine gewisse „richtige“ Antwort zusteuerst. „Finden Sie nicht auch …“ suggeriert zum Beispiel bereits, dass dein Gegenüber deiner These zustimmen sollte. Zudem ist es wichtig, dass Fragen möglichst wertfrei gestellt werden und keine Vorurteile enthalten. Dies ermöglicht freieres Denken und eröffnet eventuell vollkommen andere Perspektiven auf ein Thema. Spannende Diskussionen sind somit vorprogrammiert. Auf verletzende Fragen  à la „Wieso haben Sie das denn immer noch nicht gemacht?“ sollte prinzipiell verzichtet werden. Motivierende Worte haben meist eine viel produktivere Wirkung als sinnlose Schimpftiraden. 

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#3: Fragen einzeln stellen

Sicher kennst du die Situation: Jemand stellt dir so viele Fragen nacheinander, dass du – nachdem dein Gegenüber endlich aufgehört hat zu reden – seine erste Frage bereits vergessen hast. Damit so etwas nicht passiert, solltest du deine Fragen einzeln stellen, eine Antwort abwarten, das Thema klären und erst dann zur nächsten Frage übergehen. Zudem ist es ratsam, dich möglichst kurz zu fassen und die Frage so genau zu formulieren, dass der Befragte sicher weiß, was du von ihm wissen möchtest. So sparst du euch beiden Zeit und die Ergebnisse eures Treffens werden um einiges besser sein. 

#4: Fragen erklären

Manchmal ist es einfacher, eine Frage zu beantworten, wenn wir genau wissen, warum sie gestellt wurde. Denn sobald wir verstehen, um was es genau geht, können wir besser darauf eingehen. Achte deshalb darauf, deine Fragen wenn nötig zu erklären, damit dein Gegenüber das Gefühl hat, dich hundertprozentig verstanden zu haben. Erzähle ihm, warum die Beantwortung wichtig ist und wie sie dir und deinem Gesprächspartner weiterhelfen kann. Damit schaffst du es womöglich auch, die Antwortbereitschaft des anderen deutlich zu steigern und ausführlichere Antworten zu erhalten. 

#5: In andere hineinversetzen

Um die richtigen Fragen zu stellen ist es wichtig, die Situation und deine Gesprächspartner gut einschätzen zu können. Achte auf die Stimmung im Raum und auf die Reaktionen der anderen. Versetze dich in den Befragten hinein und versuche, seine Sichtweise nachzuvollziehen. Auch die jeweiligen Befindlichkeiten der anderen haben einen großen Einfluss auf die Konversation. Versuche, empathisch zu sein und deine Fragen an die herrschende Stimmung anzupassen. 

#6: Auf die passende Mimik und Gestik achten

Der Ton macht die Musik – auch beim Fragenstellen. Es macht einen deutlichen Unterschied, ob du eine Frage gereizt, auffordernd oder freundlich stellst. Bei ersteren Varianten ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Antwort weniger positiv ausfällt und das Gespräch in eine Richtung zu laufen droht, die wenig effizient ist. Demnach ist nicht nur die Formulierung der Frage wichtig, sondern auch die Art, wie du sie stellt. Ein Lächeln auf den Lippen kann einer scharfen Frage die Härte nehmen und ein Thema sachlich zur Sprache bringen.

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#7: Bestätigungsfragen nutzen

Dein Gegenüber hört gar nicht mehr auf zu reden? Seine Antwort fällt deutlich länger aus als nötig? Dann nutze Bestätigungsfragen, um mit dem Gespräch schneller zum Punkt zu kommen. Hake nach, ob du die Aussage richtig verstanden hast und wiederhole sie. So zeigst du gleichzeitig auch, dass du zugehört hast. Außerdem gehst du damit sicher, dass auch alles richtig bei dir angekommen ist und ersparst dir damit später eventuelle Peinlichkeiten. 

#8: Unangenehme Fragen zum Schluss stellen

Wer ein Gespräch direkt mit einer unangenehmen Frage beginnt, der kann damit rechnen, dass die Antwort weniger zufriedenstellend ausfällt. Auch wenn die ganze Konversation im Grunde nur die Klärung dieser einen Frage zum Ziel hat, ist es dennoch ratsam, etwas softer anzufangen und sich langsam voran zu tasten. So kannst du dich mit deinem Gesprächspartner erst einmal warmlaufen. Ein bisschen Small-Talk und ein paar leichte Fragen lockern die Situation auf und bereiten euch auf ernstere Themen vor. Dies ist zum Beispiel auch ein guter Tipp für Gehaltsverhandlungen.

#9: Flexibel bleiben

Selbst wenn du deinen Gesprächspartner gut kennst – du weißt nie, was für einen Tag er oder sie gerade hat. Deshalb solltest du jederzeit mit unerwarteten Antworten rechnen, auch wenn diese normalerweise gar nicht zu jener Person passen. Wichtig ist hierbei, dass du flexibel bleibst und nicht immer von einem festen Zustand ausgehst, sondern dein Gegenüber bei jedem Gespräch neu einschätzt und somit wieder individuell mit deiner Fragestellung auf ihn eingehst. 

#10: Zuhören!

Der wohl wichtigste Punkt von allen: Wer eine Frage stellt, der sollte dem Befragten anschließend auch wirklich aktiv zuhören. Alles andere ist sehr unhöflich und im beruflichen Kontext höchst unprofessionell. Gerade im Vorstellungsgespräch sind Rückfragen des Bewerbers wichtig. Wenn dieser konkret auf die Antworten des Personalers eingeht, zeigt dies großes Interesse, womit der Bewerber ordentlich punkten kann. Tipps zu den richtigen Fragen im Vorstellungsgespräch findest du übrigens in diesem Artikel: 10 Fragen, die du im Vorstellungsgespräch stellen kannst

Fazit

Die richtige Formulierung von Fragen ist sowohl im Berufsalltag als auch im Vorstellungsgespräch eine Kunst, die, richtig eingesetzt, die Kommunikation zwischen zwei oder mehreren Parteien deutlich erleichtern kann. Gezieltes Fragen und das Offenlassen der Antwortmöglichkeiten sorgen dafür, dass sich aus einem Gespräch mehr entwickeln kann, als anfangs erwartet. Dies ist besonders in Teammeetings und Brainstormings sehr nützlich. Wer gute Fragen stellt und diese passend formuliert, der hat dadurch die Möglichkeit, Gespräche zu lenken und diese somit aus einer Sackgasse zurück auf den richtigen Weg zu bringen. 

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