Auch im Home-Office kann man Opfer von fiesen Mobbing-Attacken werden. Wir erklären, wie Cyber-Mobbing funktioniert, wie man sich schützt und was man dagegen tun kann.

#Dauersülzer-Tante crasht jedes Meeting: „BLABLABLABLA …“ Friseuse wäre hier eindeutig auch eine Job-Option gewesen, was meinst Du? 🙂 🙂 🙂

Probleme mit Kollegen hatten wir wohl alle schon einmal an unserem Arbeitsplatz. Man versteht sich schließlich nicht mit jedem, und oftmals sind auch Auffassungen bezüglich der Arbeitsweise oder des Verhaltens im Betrieb so unterschiedlich, dass es auf die Dauer zu größeren Problemen kommen kann. Das ist völlig normal.

Systematisches Mobbing ist jedoch eine ganz andere Hausnummer: Betroffene leiden hier extrem und es wird gezielt versucht, sie und ihre Gesundheit zu schädigen. Die Kollegen verlassen die professionelle Kritikebene und begeben sich auf ein Spielfeld, wo persönliche Verletzungen an der Tagesordnung sind und ganz bewusst provoziert werden. Bislang hat man das Problem fast ausschließlich auf das Büro oder die Arbeitsstätte, wo sich Kollegen physisch begegnen, begrenzt. Schließlich ging man davon aus, dass der direkte Kontakt eine Voraussetzung für Mobbingverhalten in der Arbeitswelt sei.

Doch ein Blick auf das, was da heutzutage an Schulen und unter Jugendlichen digital vonstattengeht, lässt hellhörig werden: Mobbing passiert auch virtuell. Und daraus lässt sich folgern: Auch im Home-Office kann man gemobbt werden.

Mobbing im Homeoffice
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Remote-Mobbing, virtuelles Mobbing, Cyber-Mobbing

#Dauersülzer-Tante: Oje, jetzt kommt wieder die Leier … Alle anderen sind schuld, und keiner mag sie leiden. Noch ein Platz frei in der Jammertanten-Selbsthilfegruppe? 🙂

Remote-Mobbing, virtuelles Mobbing, Cyber-Mobbing – schicke Modewörter für ein neues Phänomen unserer Zeit. Je mehr wir im Home-Office arbeiten, desto weniger werden unsere persönlichen Begegnungen mit Arbeitskollegen und Vorgesetzten. Zwar hört man sich via Telefon oder sieht sich bei Videokonferenzen, aber der direkte Austausch inklusive physischer Nähe entfällt. Zugleich eröffnen sich über die digitalen Wege neue Kanäle, auf denen sich ebenso gut und vielleicht sogar etwas subtiler mobben lässt als im wahren Leben.

Definition:

Mobbing ist ein systematisches, feindliches und über einen längeren Zeitraum anhaltendes Verhalten, mit dem eine Person an ihrem Arbeitsplatz isoliert, ausgegrenzt oder gar von ihrem Arbeitsplatz entfernt werden soll. Finden diese Verhaltensweisen in erster Linie über elektronische Kommunikationsmittel statt, spricht man von sogenanntem Cyber- oder Remote-Mobbing. (vgl. vischer.com)

Die Studie „Cyberlife III“ des Bündnisses gegen Cybermobbing e.V. in Zusammenarbeit mit der Techniker Krankenkasse untersuchte Cybermobbing unter Jugendlichen. Die Befragung fand im Jahr 2020 statt und war deshalb auch zum Teil geprägt von den Kontaktverboten und vom Homeschooling aufgrund der Coronapandemie. Die Ergebnisse sind erschreckend: Bereits an Grundschulen tritt das Phänomen Cybermobbing auf; Haupt- bzw. Mittel- und Werkrealschulen sind besonders betroffen. Die Folgen für Betroffene sind immens und reichen von vermehrtem Alkohol- und Tablettenkonsum bis hin zu Suizidgedanken – bei Kindern und Jugendlichen. Die Zahl der betroffenen Schüler sei im Vergleich zum Jahr 2017 um 36 Prozent angestiegen, auf 17,3 Prozent im Jahr 2020. Die Homeschooling-Situation hat Cybermobbing wohl begünstigt, durch die fehlenden Sozialkontakte und den Anstieg an Zeit, die die Jugendlichen digital verbrachten. Der Online-Unterricht hätte hier durchaus als „Beschleunigungsfaktor“ gewirkt.

Was hier am Beispiel Schule deutlich wird: Durch virtuelles Arbeiten wird Mobbing nicht verhindert, es passiert nur anders und auf neuen Ebenen. Das macht es aber auf keinen Fall weniger gefährlich.

Beispiele für virtuelles Mobbing

#Dauersülzer-Tante: Geiles Outfit trägt die Alte heute, oder??? Wohl die letzte Altkleidersammlung verpasst, was meinst du??

Doch wie geht das überhaupt, virtuelles Mobbing? Was versteht man darunter? Hier ein paar Beispiele aus der Praxis:

Das Übersehen-Werden

„Ach, das Meeting hätte dich auch interessiert?“, fragt dein Kollege süffisant am Folgetag, nachdem dein komplettes Team den Projektstand gestern resümiert und wichtige Eckdaten für die nächsten Wochen fixiert hat. Auch du arbeitest in dem Projekt mit, nur hat dich leider niemand zum Online-Meeting eingeladen – du warst also nicht dabei, wusstest von nichts. Das kann natürlich mal passieren. Aber wenn es sich häuft, könnte dahinter auch System stecken. Vielleicht möchten dich deine Teamkollegen nicht dabei haben oder sie wollen, dass du uninformiert bleibst? Geschieht es öfter, dass du nicht zu Meetings eingeladen wirst, die dich inhaltlich aber durchaus betreffen, oder dass dir Informationen vorenthalten werden, hast du es vielleicht mit gezielten Attacken zu tun. Vor allem, wenn diese nicht nur von einer Person ausgehen, sondern von einer Gruppe. Das ist übrigens auch ein typisches Charakteristikum für Mobbing.

Hinter deinem Rücken

Irgendwie lächeln immer alle Kollegen im Online-Meeting so komisch, wenn du auch etwas sagst oder deine Ergebnisse vorstellst? Und manche gucken immer so seltsam nach unten, Richtung Schreibtischplatte? Ein beliebtes Mittel im Cyber-Mobbing im Home-Office ist das Kollegen-Bashing via WhatsApp. Während du und deine Kollegen also alle in der Videokonferenz seid, läuft parallel auf einem anderen Kanal, zum Beispiel in einer WhatsApp-Gruppe, ein fröhliches Bashing deiner Person übers Smartphone. Vielleicht gibt es ja solch eine WhatsApp-Gruppe, in der dein ganzes Team ist, nur du nicht. Dann ist es ein Leichtes, sich parallel zu deinen Diskussionsbeiträgen über dich lustig zu machen. Eine ziemlich fiese Masche, die dich auch sehr verunsichern dürfte, da du womöglich bereits im Meeting merkst, dass irgendetwas nicht stimmt bzw. dich niemand ernst nimmt.

Offene virtuelle „Späßchen“

Im Team-Chat-Kanal kursieren immer sooooo lustige Bildchen, zum Beispiel eine Fotomontage aus deinem Gesicht und einem echt sexy gestählten Männerkörper in Shorts? Oder aber der nette Kollege hat mal flugs fürs Meeting am Montagmorgen was vorbereitet und dein Gesicht in ein ziemlich eindeutiges Bildchen montiert – für alle, dich inklusive, im Teamchat sichtbar? Mobbing kann auch recht direkt ablaufen. Findest du die Witzchen nicht ganz so lustig, giltst du dann schnell als Spaßbremse und wirst einfach nur als „Spießer von gestern“ belächelt.

Cyber-Mobbing
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Anonym gemein sein

Natürlich fallen bestimmte Möglichkeiten, den Kollegen zu mobben, im Home-Office weg. Jemandem scheinbar unbeabsichtigt die Nase vor der Türe zuzuschlagen, den anderen über etwas stolpern lassen, ihm heimlich in die Kaffeetasse zu spucken oder ihn körperlich einzuschüchtern bzw. ihn zu belästigen, das alles ist ja nicht möglich. Doch die Regeln, die in der digitalen Welt herrschen, machen Cybermobbing nicht weniger unangenehm als direktes Mobbing.

Eine große Versuchung ist für viele die Anonymität, in der sie sich virtuell bewegen können. Wie an den obigen Beispielen deutlich wird, kann man sehr gut unsichtbar bleiben, aber digital trotzdem mobben. Die Hürde, zum Mobber zu werden, ist dadurch für Menschen viel geringer. Denn im Netz oder online muss man nicht mehr den Mut aufbringen, jemandem direkt gegenüber zu stehen und ihm seine Meinung ins Gesicht zu sagen. Sogar das gemeinsame Lästern über Kollegen fühlt sich für viele im Home-Office sicherer an, da man auch physisch von der betroffenen Person weit entfernt ist.

Hinzu kommt, dass den Menschen das Verständnis fehlt, dass auch virtuelle Taten schädigen können. Man unterschätzt generell die Auswirkung, die Geschriebenes oder Gesagtes im virtuellen Raum hat – zumal die Flüchtigkeit von Chatverläufen oder Videocalls hinzukommt und suggeriert, dass in der nächsten Sekunde eh schon alles wieder vergessen sei. Die Einschätzung, man habe doch „nur etwas geschrieben“ und sei doch gar nicht tätlich geworden, findet sich bei Mobbern nicht selten.

Hilfe holen im Home-Office?

Andersherum ist es für Betroffene im Home-Office oftmals umso schwerer, sich Hilfe zu holen. Da man allein zuhause sitzt, scheint auch der Weg um sich helfen zu lassen, weit entfernt. Im Büro hatte man vielleicht noch den Kollegen in der anderen Abteilung, dem man sein Leid klagen konnte – doch zuhause fühlt man sich gänzlich isoliert. Auch ein Gespräch über die Situation mit dem Vorgesetzten ist für viele online schwieriger als vor Ort. Gerade solch persönliche Themen anzusprechen, stellt generell eine Hürde dar. Denn die Gesprächssituation ist unpersönlicher und das Anliegen dadurch eventuell schwerer vermittelbar.

Hinzu kommt: Das Home-Office kann in manchen Fällen vermehrt auch Missverständnisse generieren. Denn das kurze klärende Gespräch zwischen Tür und Angel kann nicht stattfinden; für eine Aussprache am Telefon ist der Kollege gerade nicht zu erreichen. So addieren sich vielleicht auch mehrere suboptimale Vorkommnisse und stauen beim Betroffenen großen Unmut an, obwohl sich die Sache relativ leicht aufklären ließe.

Schließlich kann man im Büro den vermutlichen Mobber direkt mit seinen Vorwürfen konfrontieren. Das geht im Home-Office nicht; dort ist es ein Leichtes, sich verleugnen zu lassen und so eine Kontaktaufnahme unmöglich zu machen. Betroffene versinken dann in der Hilflosigkeit und die Gefahr, dass sie stumm bleiben, steigt.

Mobbing im Homeoffice
Bildquelle: www.istockphoto.com / SIphotography

So nicht! Mobbing ein Ende setzen

Doch wie entkommt man der Mobbing-Spirale? Hier ein paar Tipps, wie man vorgehen kann, wenn man von Mobbing betroffen ist:

Das Schweigen brechen

Das Wichtigste ist, aus dem Schweigen auszubrechen. Gelingt es dir, deine Situation einmal offen anzusprechen, hast du schon einen ersten Schritt in die richtige Richtung gewagt. Vielleicht ist es zunächst leichter, dich einem Familienmitglied oder Freund anzuvertrauen. Auch das kann schon helfen. Hörst du dich selbst einmal laut aussprechen, was du bereits seit Wochen oder Monaten fühlst und was dich bedrückt, wirst du dir dessen noch mehr bewusst.

Ein Mobbing-Tagebuch schreiben

Manchen Betroffenen hilft es, ein Mobbing-Tagebuch zu führen. Halte darin fest, wann dir welche Verletzungen zugefügt werden. Das Tagebuch kann zugleich als Dokumentation dienen, für dich und vielleicht auch für deinen Vorgesetzten.

Das Problem aufzeigen

In einem nächsten Schritt ist es wichtig, dass du dich aktiv der Situation stellst und aus der Opferrolle herauskommst. Das heißt nicht unbedingt, dass du unmittelbar deinen Mobber konfrontieren musst. Es kann auch bedeuten, dass du das Gespräch mit einem Kollegen oder aber deinem Vorgesetzten suchst, und ihm dein Problem schilderst. Ist dein Chef allerdings derjenige, der dich mobbt, musst du eine Ebene höher oder auf eine andere Verwaltungsebene gehen. Arbeitest du ausschließlich im Home-Office und triffst deine Kollegen nie live, musst du diese Gespräche via Telefon führen.

Die Konfrontation suchen

Wer sich traut, kann auch durchaus den Mobber direkt ansprechen. Konfrontiere ihn mit seinen Äußerungen oder frage ganz konkret nach, was er eigentlich mit diesem Grinsen oder einer bestimmten Bemerkung bzw. Aktion ausdrücken möchte. Versuche, ohne große Aggression in das Gespräch zu gehen und nicht sofort Vorwürfe zu machen. Teile deinem Gegenüber mit, wie es dir geht, wenn er solche Sachen zu dir oder über dich sagt. Manchmal hört Mobbing schon auf, wenn der Gemobbte aus seiner Opferrolle schlüpft und aktiv wird.

Sich professionelle Hilfe holen

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, sich extern Hilfe zu holen. Es gibt Selbsthilfegruppen, Beratungsangebote, Anti-Mobbing-Telefone usw. All diesen Angeboten ist eines gemein: Dort findest du jemanden, der dir zuhört, und im Idealfall auch professionelle Hilfe durch Psychologen oder für das Thema sensibilisierte Fachleute. Der Vorteil solch einer Aussprache: Du bleibst anonym, kannst dein Problem ohne Scheu schildern und erhältst effektive Hilfsstrategien.

Letzte Option: Und tschüss!

Hilft gar nichts weiter und du scheinst dem Mobbing-Strudel nicht zu entkommen, musst du einen Schlussstrich ziehen und das Arbeitsverhältnis beenden. Denn wenn dir in deinem Unternehmen keinerlei Unterstützung zuteilwird und dich niemand mit deinen Problemen ernst nimmt, macht es wenig Sinn, dort noch länger zu bleiben. Der ewige Kampf würde dich nur zermürben und kaputt machen. Suche dir dann lieber eine neue Stelle.

Fazit

Cyber-Mobbing ist kein neues Phänomen, jedoch wird es durch vermehrtes Home-Office auch im Berufsleben immer bedeutsamer. Statt in der direkten Begegnung wird beim Cyber-Mobbing in virtuellen Kanälen gemobbt. Die Hemmschwelle, solche Aktionen zu begehen, ist für Täter oftmals geringer als im realen Leben. Sieht man sich als Opfer dieser Art von Mobbing, muss man aktiv und laut werden. Nur wer auf seine Situation aufmerksam macht, sich Hilfe holt und die Konfrontation sucht, kann die Mobbingsituation beenden.


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