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Was kann ich eigentlich? Unser Karriere-Experte verrät Ihnen, warum es wichtig ist, dass Sie Ihre Stärken und Schwächen realistisch einschätzen können: für den Berufsalltag und für Ihre Bewerbungsgespräche.

Warum Potenzialanalyse?

Der Uniabschluss ist gerade erst in der Tasche. Die Suche nach dem passenden Job beginnt. Aber worin sind Sie wirklich gut?

Sie möchten Ihren Job wechseln. Doch wie finden Sie den Job, der zu Ihren Fähigkeiten passt?

Es ist wichtig, dass Sie sich selbst gut einschätzen können: sowohl im Bewerbungsgespräch, als auch im alltäglichen Arbeitsleben. Denn wer sich selbst und seine Kompetenzen kennt, der kann sich optimal präsentieren und seine Stärken und Erfahrungen erst richtig nutzen.

Was ist eine Potenzialanalyse?

Laut Gabler Wirtschaftslexikon ist die Potenzialanalyse ein Mittel, das in der Personalwirtschaft genutzt wird. Das Ziel: Durch das eignungsdiagnostische Verfahren wird ermittelt, ob eine Person für eine bestimmte Stelle geeignet ist. Anhand der Ergebnisse möchte der Personalverantwortliche ableiten, welche Entwicklungsmöglichkeiten ein Kandidat hat und inwiefern er von gezielten Schulungen profitieren könnte.

Doch nicht nur Personaler profitieren von der Analyse. Auch Bewerber oder Arbeitnehmer können ihr ganz persönliches Kompetenzprofil erstellen, um sich selbst realistisch einzuordnen.

Wie läuft eine persönliche Potenzialanalyse ab?

Christian Richter ist Geschäftsführer von Karriereservice.de und select if Personalberatung. Er ist schon seit Jahren als Karriere-Coach tätig. Deshalb wollten wir von ihm mehr zum Thema persönliche Potenzialanalyse wissen.

Christian Richter von Karriereservice.de
Bildquelle: karriereservice.de

Welche Kompetenzen werden bei der Analyse gemessen?

Christian Richter: Die Potenzialanalyse bietet vielfältige Möglichkeiten, bestehende Kompetenzen und zukünftige Potenziale zu messen. Beispielsweise kann analysiert werden, inwiefern Sie bereits über bestimmte Sozialkompetenzen (wie zum Beispiel Teamfähigkeit) oder Methodenkompetenzen (wie zum Beispiel ein gutes Selbstmanagement oder analytische Fähigkeiten) verfügen.

Aber auch kulturelle Kompetenzen und persönliche Kompetenzen werden im Rahmen der Potenzialanalyse erfasst. So können Sie herausfinden, ob Sie versiert im Umgang mit anderen Kulturen sind oder über eine gute Entscheidungsfähigkeit verfügen

Herr Richter, wie können Bewerber und Arbeitnehmer ein eigenes Kompetenzprofil erstellen?

C. R.: Um ein eigenes Kompetenzprofil zu erstellen, ist es im ersten Schritt hilfreich, herauszufinden, welche Anforderungen im eigenen beruflichen Bereich verlangt werden. Hierzu empfiehlt es sich, beispielsweise Stellenanzeigen zu analysieren und zentrale Kompetenzen herauszuarbeiten. Anhand eines solchen Überblicks können Sie anschließend einschätzen, inwiefern die gewünschten Kompetenzen bei Ihnen ausgeprägt sind. Dazu ist es hilfreich, sich an Situationen im beruflichen und persönlichen Bereich zu erinnern, in denen Sie diese bereits unter Beweis stellen konnten.

Welche Fragen sollte sich ein Bewerber/Arbeitnehmer stellen, um Schwächen und Stärken realistisch einzuschätzen?

C. R.: Um eigene Schwächen zu identifizieren, empfiehlt es sich, Familienmitglieder, Freunde oder Bekannte zu befragen. Überlegen Sie auch, in welchen Disziplinen andere Personen besser aufgestellt sind. Erkennen Sie beispielsweise, dass Ihre Ehefrau im Alltag besser organisiert ist als Sie, können Sie dies für sich selbst als Schwäche identifizieren. Neben den persönlichen Schwächen können Sie in Bewerbungsgesprächen auch fachliche Schwächen nennen, an denen Sie selber arbeiten möchten.

Zur Identifikation eigener Stärken ist es hilfreich, sich an verschiedene Feedbackgespräche mit Vorgesetzten oder Freunden zu erinnern. Die genannten Komplimente und das positive Feedback geben häufig einen guten Eindruck darüber, welche konkreten Stärken Sie bereits besitzen.

Wie geht es danach weiter?

C. R.: Wenn Sie Ihre persönliche Potenzialanalyse durchgeführt haben, ist es sinnvoll, diese auszuwerten und daraus Schlüsse für die berufliche Entwicklung zu ziehen. Gerade die ermittelten Stärken geben Auskunft darüber, wie Sie Ihre Kompetenzen für Ihren späteren beruflichen Erfolg nutzen können.

Sie können beispielsweise Ihr persönliches Kompetenzprofil mit einem spezifischen Anforderungsprofil vergleichen, um eine bessere Vorstellung darüber zu bekommen, ob Ihr Profil mit der anvisierten Position übereinstimmt. Ein solcher Vergleich könnte wiederum Anlass zur Beseitigung bestehender Schwächen sein.

Zu einer guten Potenzialanalyse gehört es auch, sich mit den eigenen Zielen und Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Sie sollten sich hierzu Gedanken machen, um bei der Wahl des zukünftigen Arbeitsgebers diese Kriterien zu berücksichtigen.

Ganz praktisch: Wie hilft eine Potenzialanalyse bei der Bewerbung?

C. R.: Vor allem im Vorfeld der Bewerbung kann es sinnvoll sein, eine persönliche Potenzialanalyse durchzuführen. So bietet es sich an, noch einmal die eigenen Stärken zu identifizieren, die dann im Rahmen der Bewerbungsunterlagen kommuniziert und präsentiert werden.

Eine gute Selbstkenntnis ist zudem hilfreich, um sich erfolgreich auf Vorstellungsgespräche vorzubereiten. Kennen Sie ihre persönlichen Stärken und Potenziale, können Sie sich bereits im Vorfeld eines Vorstellungsgesprächs überlegen, wie Sie auf Fragen zu diesen Themen antworten.

Ich habe beispielsweise letzte Woche mit Frau M. eine Potenzialanalyse im Rahmen eines Coachings durchgeführt. Diese hat ihr dabei geholfen, ihre Stärken und Schwächen aufzudecken und sich intensiv mit ihren persönlichen Bedürfnissen und Zielen auseinanderzusetzen. Besonders aufschlussreich war die Erkenntnis, dass Frau M. zwar gerne kreativ arbeitet, jedoch im gestalterischen Bereich schwächer aufgestellt ist. Somit kamen wir zu dem Entschluss, dass Frau M. im Bereich Produktmanagement viel besser aufgehoben ist als im Marketingbereich, da sie im Produktmanagement einerseits ihre kreativen Stärken unter Beweis stellen kann, sie sich andererseits nicht mit grafischer Gestaltung auseinandersetzen muss.

Ganz praktisch: Wie hilft eine Potenzialanalyse im Arbeitsalltag?

C. R.: Im Berufsalltag ist eine gute Potenzialanalyse beispielsweise hilfreich, um sich besser im Arbeitsalltag zu positionieren und erfolgreicher gegenüber Kollegen und Vorgesetzen zu präsentieren. Da ihr zukünftiger Karriereerfolg in hohem Maße davon abhängig ist, dass Ihre Vorgesetzten Ihre Kompetenzen wahrnehmen, ist es für Sie wichtig diese auch gezielt im Arbeitsalltag unter Beweis zu stellen. So gelingt es Ihnen, sich gut zu positionieren. Identifizierte Schwächen können zudem ein guter Ansatzpunkt für weitere zielgerichtete Entwicklungen sein.

Ich habe beispielsweise vor Kurzem eine Potenzialanalyse mit Herrn K. durchgeführt, mit dem Ziel, dass Herr K. sich besser gegenüber seinem Chef positionieren kann. Im Rahmen der gemeinsamen Arbeit haben wir herausgefunden, dass Herr K. bereits gute Führungspotentiale mitbringt und Interesse hat, zukünftig eine Führungsposition zu übernehmen. Auf Basis dessen konnten wir konkrete Ratschläge erarbeiten, wie Herr K. seine Führungskompetenzen im Berufsalltag besser zeigen kann. Durch die Beteiligung an der Einarbeitung von Praktikanten und neuen Mitarbeitern sowie die Umsetzung von Feedbackgesprächen in Zusammenarbeit mit den übergeordneten Vorgesetzten kann dies zum Beispiel gelingen.

Tags & Schlagwörter: KompetenzprofilpotenzialanalyseSchwächenStärken
Cornelia Weidemann

Autor Cornelia Weidemann

Immer auf der Suche nach Neuigkeiten und glücklich mit der Welt, sobald die Hände die Tasten berühren: Cornelia schreibt über Menschen, die ihre Jobs lieben, über Events und Veranstaltungen und über Neues aus der HR-Welt.

1 Comment

  1. HI. Ich bin auch der Meinung, dass man unbedingt seine Stärken rausfinden sollte. Meine Eltern haben sich auf das Negative konzentriert, da ich früher etwas hyperaktiver als andere Kinder war. Dabei war mir einfach nur langweilig aber ich wusste es als kleines Kind nicht.

    Bist ich mit 14 eine meiner Stärken, die Vorstellungkraft, auf die Schliche gekommen bin.

    Meiner Vorstellungskraft bin ich mir das erste mal mit 14 bewusst geworden. Bis zu meinem 14. Lebensjahr dachte ich, dass ich ich unmusikalisch wäre, bis ich verschiedene Musikinstrumente ausprobierte. Eines gefiel mir besonders. Die Geige. So lernte ich aus eigener Motivation Geige und konnte mit wenig Übung nach 1 Jahren in das Orchester meiner Musikschule. Nach 1,5 Jahren, als Teenager. Die anderen waren alle durchschnittlich bereits 5 bis 10 Jahre dabei.

    Ich bin mir absolut sicher, dass meine Stärke Vorstellungskraft mich dazu bewogen hat, mit diesem Instrument anzufangen und es so schnell zu lernen. Wer weiß, was wäre, wenn ich bereits mit 5 Jahren angefangen hätte und nicht mir Ende 14?

    Man sieht also was es ausmacht sich nicht auf das Negative, sondern auf das Positive zu konzentrieren. In mir hat einfach was geschlummert und das ist bei jedem Menschen so.

    LG Sascha von http://sh-lifestylecoaching.com/staerken-erkennen-erkenne-deine-staerken-foerdern-gluecklich-buch/

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