Gesundheit ist eines unserer wichtigsten Güter. Nur wer gesund ist, fühlt sich wohl, und kann auch Leistung bringen. Doch was tun, wenn einen genau die Tätigkeiten, die im Job erforderlich sind, bzw. deren äußere Umstände, krank machen? Man spricht dann von Berufskrankheiten. Und diese sind für jeden Betroffenen ein großes Dilemma. Aber keines ohne Ausweg.

Endlich ist die Ausbildung geschafft. Adieu, Schulbank! Willkommen, Traumjob! Du hast eine tolle Stelle in dem Beruf gefunden, den du gelernt hast, und das auch noch bei einem Top-Arbeitgeber. Endlich kannst du genau das tun, was du schon immer machen wolltest. Perfekt, oder?

So oder so ähnlich ging es sicher vielen Arbeitnehmern, als sie ins Berufsleben starteten; vielleicht voller Tatendrang, Enthusiasmus, Energie und Lust aufs (Arbeits-)Leben. Doch es gibt leider Fälle, in denen Beschäftigte im Laufe ihres Berufslebens feststellen müssen: Ich kann nicht mehr. Und zwar nicht aufgrund von psychischen Problemen wie Burnout oder Depression. Nein, es ist die Tätigkeit an sich, die sie krank macht. Es handelt sich um Berufskrankheiten, die „durch besondere Einwirkungen“ hervorgerufen werden, die ganz eng mit dem Aufgabenfeld bzw. der Umgebung des Jobs verknüpft sind. Das können klimatische oder akustische Arbeitsbedingungen sein, bestimmte Körperhaltungen, die erforderlich sind, oder auch allergische bzw. gesundheitliche Reaktionen auf bestimmte Mittel, mit denen man am Arbeitsplatz ständig Kontakt hat.

In erster Linie handelt es sich dabei um physische Beschwerden.

 

Berufskrankheit: Was ist das?

Berufskrankheiten sind Erkrankungen, die Betroffene durch ihre berufliche Tätigkeit erleiden und die in der Berufskrankheiten-Verordnung festgehalten sind. Diese Liste, in der aktuell um die 80 Erkrankungsgründe gesammelt sind, ist eine gesetzliche Verordnung. Nur darin aufgeführte Erkrankungsgründe geben Betroffenen die Möglichkeit, ihr Krankheitsbild als Berufskrankheit anerkennen zu lassen.

Wenn das passiert, hat der Erkrankte Anspruch auf verschiedene Maßnahmen bzw. auch finanzielle Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung. Solch einer Anerkennung gehen allerdings in der Regel verschiedene Untersuchungen, zum Beispiel von Amtsärzten und unabhängigen Fachärzten, sowie durchaus auch mehrere medizinische Gutachten voraus. Die Hürden, dass eine Berufskrankheit als solche offiziell verbucht wird, sind relativ hoch. Schließlich geht eine Anerkennung mit zum Teil erheblichen finanziellen Leistungen einher.

Berufskrankheit Rückenschmerzen
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Beispiele für Berufskrankheiten

  • Durch chemische Einwirkungen ausgelöste Krankheitsbilder wie durch Metalle (Blei, Quecksilber, Phosphor, …), Gase (Kohlenmonoxid, Schwefelwasserstoff), Lösemittel, Pestizide oder andere.
  • Durch physikalische Einwirkungen verursachte Krankheiten. Hierzu können unter anderem zählen: Druckschädigungen von Nerven, Bandscheibenschädigungen, Meniskusprobleme, Sehnenscheidenerkrankungen. Als Verursacher von solchen Krankheitsbildern kommen auch Lärm, Strahlen oder Druckluft infrage.
  • Tropenkrankheiten.
  • Erkrankungen der Atemwege und Lungen zum Beispiel durch erhöhte Staubbelastung.
  • Schwere und wiederholt rückfällige Hauterkrankungen durch bestimmte Mittel oder Stoffe, die für die Berufsausübung unerlässlich sind.

Diese Liste wird immer wieder überarbeitet und angepasst. So wurde beispielsweise Covid-19 bereits in vielen tausend Fällen hierzulande als Berufskrankheit von medizinischem oder pflegerischem Personal akzeptiert.

Achtung: Psychische Erkrankungen und auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden in Deutschland nach aktuellem Stand nicht offiziell als Berufskrankheit anerkannt.

Aus der Praxis

Allergie als No-Go: Friseur

Wer als Friseur oder Friseurin arbeitet, mutet seinen Händen einiges zu: Den ganzen Tag über kommen die Hände immer wieder mit Wasser, Shampoos, Spülungen und auch Haarfärbemitteln in Kontakt. Darin enthalten sind verschiedenste chemische Substanzen.

Bei einigen Friseuren kann das zu einem langfristigen Problem führen: Allergien oder Hautekzeme aufgrund der permanenten Arbeit mit entsprechenden Stoffen. Das kann so schlimm werden, dass die tägliche Arbeit nicht mehr möglich ist.

Natürlich lassen sich bei bestimmten Tätigkeiten Handschuhe tragen; aber auch gegenüber Einmalhandschuhen entwickeln manche Leute allergische Reaktionen. Und: Hat man beispielsweise bereits ein Handekzem, ist es auch sehr unangenehm, mit einem Handschuh zu arbeiten. Die Arbeit ist irgendwann quasi nicht mehr leistbar.

Kaputter Rücken: Erzieherin

Ach, wie süß, die kleinen Stühlchen in der Kinderkrippe. Für Erzieher sind sie allerdings auch Symbol dafür, dass man praktisch den ganzen Tag lang  auf einer anderen Ebene arbeitet. Willst du mit den Kindern auf Augenhöhe sprechen, musst du runter: Du bückst dich, du kniest dich hin, gehst in die Hocke, beugst dich herab – alles Bewegungen, die sich auf deinen Rücken und deine Gelenke auswirken können.

Bandscheibenvorfälle oder Meniskusprobleme können die Folge sein. Auch wenn es oft lange Kämpfe sind: Mittlerweile werden auch solche Krankheitsbilder in diesen Berufsgruppen als Berufskrankheiten anerkannt.

Schwerhörigkeit: Bauarbeiter

Eine der am häufigsten diagnostizierten Berufskrankheiten ist Lärmschwerhörigkeit. Die Probleme beim Hören werden auf eine zu hohe Lärmbelastung zurückgeführt, denen der Arbeitende über einen längeren Zeitraum hinweg ausgesetzt war. Das ist zum Beispiel häufig bei Bauarbeitern der Fall, unter anderem beim Einsatz mit Druckluftwerkzeugen, generell in der Metallver- und -bearbeitung, aber auch bei Beschäftigten in der Land- und Forstwirtschaft.

Lungenerkrankungen: Arbeiter

Mittlerweile verbotene Stoffe wie Asbest können schwere Lungenerkrankungen auslösen. Arbeiter im Schiffsbau oder in der Bauwirtschaft, die über Jahre diesen Stoffen ausgesetzt waren, und anschließend zum Beispiel an Asbestose oder Lungenkrebs erkrankt sind, können die Krankheit als Berufskrankheit anerkennen lassen. Ähnlich verhält es sich bei Bergbaubeschäftigten. Hier ist die Silikose, die Quarzstaublungenerkrankung, eine der häufigsten Berufskrankheiten.

Allergische Atemwegserkrankungen: Bäcker, Tischler, Müller

Feinste Staubpartikelchen, zum Beispiel in Mehlstaub oder Holzstaub, können der Auslöser für allergische Atemwegserkrankungen sein. Probleme mit einer Verengung der Bronchien oder dauerhafte Entzündungen der Nasenschleimhäute machen Erkrankten dann den Berufsalltag zur Hölle.

Krank durch den Job
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Der Kampf mit den Kassen

Bist du der Meinung, an einer Berufskrankheit zu leiden, muss auf jeden Fall der Unfallversicherungsträger informiert werden. Ärzte sowie Arbeitgeber sind dazu verpflichtet, eine Berufskrankheit eines Arbeitnehmers diesem Träger zu melden. Ebenso kann die Krankenkasse oder der Betroffene selbst diese Meldung beim Unfallversicherungsträger machen.

Warum ist die Anerkennung so wichtig?

Weil sie mit erheblicher finanzieller Unterstützung einhergehen kann. Ist deine Erkrankung offiziell als Berufskrankheit anerkannt, hast du Anspruch auf diverse Angebote von Seiten der Unfallversicherung, wie zum Beispiel:

  • medizinische Versorgungsleistungen
  • Rehabilitation
  • berufliche Rehabilitationsmaßnahmen
  • Übergangsgeld (z. B. während einer Rehabilitation)
  • sogenannte Verletztenrente

Nach der Meldung einer möglichen Berufskrankheit versuchen Unfallkassen und Berufsgenossenschaften, sich ein Bild von dem jeweiligen Fall zu machen und die Krankheitsgeschichte sowie die zurückliegende Arbeitshistorie näher zu beleuchten. Dabei kommen unter anderem ärztliche Gutachten zum Einsatz und auch der Arbeitsplatz kann von Amts wegen besichtigt bzw. auf verschiedene Belastungen hin geprüft werden.

Achtung: Die Beweisführung liegt in diesem Fall immer beim Betroffenen. Sprich, der Beschäftigte muss nachweisen können, dass es sich um eine Krankheit handelt, die maßgeblich durch seine berufliche Tätigkeit bzw. die Umstände am Arbeitsplatz hervorgerufen wurde.

Es lohnt sich deshalb, bereits frühzeitig einen Anwalt für Sozialrecht hinzuzuziehen.

Krank durch den Beruf: Und nun?

Doch was heißt es eigentlich, an einer Berufskrankheit zu leiden? Der Kampf mit der Unfallversicherung bzw. den Krankenkassen um Anerkennung ist das eine. Aber was bedeutet es für den eigenen Alltag, wenn einem der alte Job nicht mehr möglich ist? Schließlich ist Arbeit ein ganz wichtiger Pfeiler in unserem Leben, für unser Selbstwertgefühl, für unsere Zufriedenheit. Und oftmals ist es eben der Traumjob oder der Beruf erster Wahl, den man plötzlich aufgrund der eigenen Gesundheit nicht mehr ausüben kann. Zunächst einmal bricht da für viele Arbeitnehmer eine Welt zusammen. Nicht selten kommen dann noch ein Burnout oder eine Depression hinzu.

Klar ist jedoch: Wenn du gesundheitlich zu stark leidest, musst du dich beruflich umorientieren.

Natürlich hängt es immer von deiner gesundheitlichen Verfassung ab, inwieweit du überhaupt noch arbeiten kannst. Jedoch ist in vielen Fällen eine Umschulung möglich. Ist deine Berufskrankheit anerkannt und du kannst aus gesundheitlichen Gründen nicht in deinem bisherigen Job weiterarbeiten, so kann die Unfallversicherung beispielsweise die Kosten für eine Umschulung übernehmen.

Welche Umschulung für dich infrage kommt bzw. die richtige ist, dabei kann dir die Agentur für Arbeit weiterhelfen. In bestimmten Fällen ist es möglich, in der alten Branche zu verbleiben, aber vielleicht wortwörtlich den Arbeits-„Platz“ zu wechseln: Sprich, von der Werkbank an den Schreibtisch oder von der Arbeit in der Kinderkrippe hin zu einer beratenden Tätigkeit im Erwachsenenbereich. Manch anderen zieht es aber vielleicht zu einer ganz anderen Berufsgruppe, auch das ist durchaus möglich. Berufsberater oder sogenannten Reha-Manager der Unfallversicherung helfen da weiter.

Umschulung
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Fazit

Es ist in jedem Fall immer ein Schock, wenn man feststellt, dass man durch die tägliche Arbeit krank wird oder wurde. Ist dies der Fall, muss man offiziell die Berufskrankheit von der Unfallversicherung anerkannt bekommen. Denn nur dann hat man Anspruch auf Rehabilitationsmaßnahmen und finanzielle Leistungen. Auf jeden Fall sollte man sich aber auch frühzeitig mit einer möglichen beruflichen Neuorientierung befassen, soweit es der gesundheitliche Zustand zulässt. Denn Arbeit und eine berufliche Tätigkeit sind auch für unsere psychische Gesundheit enorm wichtig.


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