Koch – kein Beruf für Mageirocophobiker

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Deine Technik, mit der du Speisen zubereitest und anrichtest, wird immer gelobt, und es macht dir Spaß, etwas Leckeres für viele Menschen zu zaubern? Das Kopfrechnen fällt dir leicht, und du träumst vielleicht davon, eines Tages ein Sternekoch zu sein? Um ein guter Koch zu werden und den oft stressigen Berufsalltag zu bewältigen, braucht es jedoch mehr als ein bisschen Talent.

Als Mageirocophobie bezeichnet man im Übrigen die Angst vor dem Kochen, eine Angst, unter der man in diesem Beruf keinesfalls leiden darf. Was zur Ausbildung kompetenter Essenszubereiter gehört, wie eine Küche zu einem Stern kommt und wie auch ein Vegetarier eine Kochlehre überstehen kann, erfährst du in diesem Artikel.

Grundlegendes über den Beruf

Was gehört zu den Aufgaben von Köchen?

Neben der Zubereitung von Speisen gehören auch weitere Tätigkeiten zum Beruf:

  • Planung des Einkaufs: Es ist wichtig, dass dem Koch nicht plötzlich auffällt, dass die Butter alle ist. Aus diesem Grund müssen die Einkäufe sorgfältig geplant werden.
  • Überwachung des Lagers: Schimmelige oder verschmutzte Lebensmittel oder sogar Schädlinge im Lager? Das darf nicht passieren, weshalb das Lager regelmäßig kontrolliert werden muss.
  • Erstellung von Speisekarten und Werbung: Auch Marketingaktivitäten stehen auf der Agenda eines Kochs. Wichtig ist, dass die Speisekarte zum einen zum Bestellen einlädt und zudem eine möglichst präzise Beschreibung dessen wiedergibt, was der Gast zu erwarten hat.
  • Organisation des Büros: In kleineren Betrieben oder bei einem selbstständig geführten gastronomischen Betrieb muss der Koch auch mal Bürokraft spielen.
  • Das Bewirten der Gäste: Es kann zu den Aufgaben gehören, die Gäste zu begrüßen, Bestellungen aufzunehmen und zu servieren. Hierfür sind eine freundliche Art und gute Deutschkenntnisse erforderlich.
  • Je nach Einsatzbereich können weitere Aufgaben auf dich warten. Doch: Keine Sorge, in der Berufsschule wirst du auf die unterschiedlichsten Situationen vorbereitet.

Einen wichtigen Unterschied bezüglich der Aufgaben macht die Größe der Küche aus: Wer in einer kleineren Küche arbeitet, wird in der Regel für die Zubereitung aller Speisen selbst zuständig sein. Je umfangreicher die Besetzung, desto stärker ausgeprägt ist die Aufgabenteilung, also auch die Spezialisierung des Einzelnen.

Die Berufsausbildung

In Deutschland gibt es wie auch in vielen anderen Berufen eine duale Berufsausbildung, die drei Jahre lang dauert. Bei guten Leistungen ist es möglich, diese zu verkürzen. In dem Fall müssen jedoch sowohl der Ausbildungsbetrieb als auch Berufsschule und die IHK der Verkürzung zustimmen.

In der Ausbildung lernst du alles über die Hygiene in der Küche, Lebensmittellagerung oder über Vorschriften bezüglich der Umwelt. Auch Lebensmittelrecht steht auf dem Lehrplan. Viele weitere spannende Inhalte bereiten dich optimal auf deine spätere berufliche Praxis vor, es sei denn, du willst gleich nach der Ausbildung in eine sehr spezielle Richtung gehen.

Wo arbeiten Köche?

Viele denken bei einem Koch als erstes an den Mitarbeiter der Restaurantküche, doch es gibt noch zahlreiche weitere Beschäftigungsmöglichkeiten:

  • Kantinen, Imbisse
  • Krankenhäuser, Pflegeheime
  • Hotels
  • größere Unternehmen: Auch in firmeneigenen Kantinen werden Köche gebraucht.
  • Schiffe: Wer gern reist, kann hier seinen Traum verwirklichen.
  • Autobahnraststätten: Die Reisenden wollen gern gut verpflegt werden.
  • Zudem können sich in der Zubereitung von Fertiggerichten Jobchancen ergeben.

Was sind die Voraussetzungen für den Beruf?

  • Wenn du einen Hauptschulabschluss mitbringst, dann befindest du dich in bester Gesellschaft, da die meisten Azubis in diesem Lehrberuf über diesen verfügen. Manche Ausbildungsbetriebe fordern von ihren angehenden Lehrlingen die Mittlere Reife, doch im Prinzip gibt es keinen Mindestabschluss, weshalb sich auch für kochbegeisterte Personen ohne Schulabschluss eine interessante Perspektive auftun kann.
  • Viel Wert wird auch darauf gelegt, dass ein Bewerber körperlich belastbar ist.
  • Von wegen „Viele Köche verderben den Brei“: Eine ausgesprochen wichtige Eigenschaft ist Teamfähigkeit, da die in der Küche Beschäftigten häufig Hand in Hand arbeiten müssen.
  • Je gehobener die Küche ist, in der du kochst, desto mehr Wert wird in der Regel auf einen ausgeprägten Sinn für Ästhetik gelegt. Im Prinzip muss jedoch jeder gute Koch diese Eigenschaft mitbringen: Das Auge isst mit!

Wann ist dieser Beruf nichts für dich?

  • Du willst einen Nine-to-five-Job und möchtest keinesfalls in Schichten arbeiten.
  • Sonntage und Feiertage verbringst du am liebsten mit deiner Familie.
  • Du kannst nicht gut mit Stress und Hektik umgehen.
  • Du bist zart besaitet und fühlst dich mit dem Umgangston in der Gastronomie nicht wohl.
  • Auf manche Küchengerüche reagierst du mit einem nervösen Magen.
  • Du legst viel Wert auf eine minutengenaue Abrechnung deiner Arbeitszeit und willst Überstunden restlos abfeiern.
Koch im typischen Outfit

Bildquelle: www.istockphoto.com / Deagreez

Fragen, die sich dir vielleicht stellen

Muss man im Laufe der Berufsausbildung lebenden Hummer kochen?

Es wäre schade, wenn deine Lehre an diesem Ausbildungsdetail scheitern würde, weshalb dir diese Tatsache nicht vorenthalten werden soll: Man wird sich als aktiver Tierschützer sehr schwer tun, eine Berufsausbildung zum Koch erfolgreich zu absolvieren, wie etwa dieser Ausbildungsrahmen zeigt, in dem auch das für die Tiere sehr qualvolle Zubereiten von Hummer enthalten ist.

Komme ich in meiner Berufsausbildung um die Zubereitung von Innereien herum?

Viele Personen ekeln sich bereits vor dem Geruch von Innereien. Schlechte Nachricht: Der Ausbildungsrahmen enthält auch eine Liste mit Innereien, die man gekocht haben muss.

Wenn du ein Tierliebhaber bist und dennoch gern eine Berufsausbildung zum Koch abschließen möchtest, solltest du dich nach einer Lehrstelle in einem vegetarischen Restaurant umsehen. Dennoch wirst du in der Berufsschule um die Zubereitung von Fleisch und Fisch nicht herumkommen. In diesem Artikel ist sogar die Rede davon, dass Lehrlinge vegetarischer Restaurants ihre Fertigkeiten in der Zubereitung von Fleisch und Fisch im Rahmen von Tätigkeiten in anderen Betrieben ausgleichen müssen. Derselbe Artikel zeigt jedoch auch, dass diese Anforderung in der Praxis umgangen werden kann.

Aussichten als Koch

Auf welche Bereiche kann man sich als Koch spezialisieren?

  • Entremetier: Dieser ist u. a. auf Beilagen und Suppen spezialisiert. Auch kleinere Zwischengerichte gehören zu seinem Repertoire.
  • Gardemanger: Zu seinen Spezialitäten zählen kalte Speisen sowie Fisch, Meeresfrüchte, Wild und Geflügel.
  • Pâtissier: Eis, Süßspeisen und Torten sind sein Spezialgebiet.

Wieviel verdient man als Koch?

Die Ausbildungsgehälter unterscheiden sich je nach Bundesland. Laut Angaben der Arbeitsagentur gibt es im 1. Lehrjahr 620 bis 795 €, im zweiten Lehrjahr 675 bis 905 € und im dritten Lehrjahr 775 bis 1.035 €.

Wieviel man nach der Lehre verdient, hängt vom Standort, der Betriebsgröße und auch der Art des Lokals ab. Wer etwa in einem Sternerestaurant tätig ist, wird sich an zahlreiche Überstunden gewöhnen müssen, während in einer Kantine sehr klar geregelte Arbeitszeiten geboten werden.

Wie wird man ein Sternekoch?

  • Seit 1926 werden die Sterne von dem Guide Michelin verliehen. Für eine Küche können bis zu drei Sterne vergeben werden. Die meisten Sternebetriebe haben einen Stern, und deren Köche gelten bereits damit als Künstler. Nicht nur Kochkunst, sondern höchstes Qualitätsbewusstsein und Kreativität spielen bei der Verleihung von Sternen eine große Rolle. Zudem muss die erstklassige Leistung der Küche konstant erbracht werden. Da ein Koch nicht alle in der Küche erforderlichen Aufgaben übernehmen kann, muss er sein Personal schulen, sodass die gewünschte Leistung geliefert werden kann.
  • Übrigens muss es sich bei der Auszeichnung mit einem Stern nicht zwingend um ein Nobelrestaurant handeln: Auch einfache Gasthäuser können für ihre brillante Küche ausgezeichnet werden. Und Restaurants mit drei Sternen müssen nicht unbedingt mit einer Nobelausstattung aufwarten. Neben optimaler Qualität der Lebensmittel, aus denen die Speisen zubereitet werden, sind auch ein Überraschungseffekt sowie eine persönliche Note wichtig. Und natürlich wird Wert auf einen intensiven Geschmack gelegt.
  • Ein Stern kann einem übrigens auch wieder weggenommen werden. Deshalb ist es wichtig, das Niveau der Küche hoch zu halten.
  • Wird einer Küche ein Stern verliehen, kann das jedoch Nachteile haben, da sich vielleicht manche Stammgäste nicht mehr mit dem Restaurant identifizieren können. Ein Stern kann aber nicht einfach zurückgegeben werden, wenn er dem gastronomischen Betrieb nicht passt.

Welche Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es?

Berufseinsteiger nennt man Commis de Cuisine, zu Deutsch Jungkoch.

  • Es bestehen Aufstiegsmöglichkeiten zum Küchendirektor: Eine solche Position besteht, wenn ein Betrieb mehrere Küchen hat. Dieser Mitarbeiter kocht nicht, sondern kümmert sich um administrative Aufgaben. Der Chef des Küchendirektors ist der „Food and Beverage Manager“. Zentrale Aufgaben eines Küchendirektors sind Planung des Personals und des Einkaufs oder das Optimieren der Arbeitsabläufe.
  • Der Food and Beverage Manager: Auch zu diesem kannst du aufsteigen. Zu seinen Aufgaben gehören die „Planung, Organisation und Durchführung sämtlicher Prozesse rund um Speisen und Getränke“ (Quelle).
  • Wer als Koch den Meister und eine mehrmonatige Fortbildung absolviert, darf sich Küchenmeister nennen. Als ein solcher gehört beispielsweise die Menüplanung zu den Aufgaben, und ihnen obliegt die Leitung der Arbeitsvorgänge in der Küche. Zudem darf ein Küchenmeister Lehrlinge ausbilden.
  • Die IHK bietet zudem die Prüfung Fachwirt im Gastgewerbe an (Infos). Mit diesem Abschluss ist man unter anderem dazu in der Lage, Führungsaufgaben umzusetzen, die Erwartungen von Gästen einzuschätzen sowie Marketing-Aktionen gezielt einzusetzen.
  • Wer seine ganz persönlichen Ideale umsetzen oder schlicht der eigene Chef sein will, kann sich auch mit einem eigenen Restaurant selbstständig machen. Allerdings ist für ein solches Vorhaben ein hohes Eigenkapital erforderlich. Zudem sind viele Überstunden und betriebswirtschaftliche Kenntnisse vonnöten.
  • Wer über eine Hochschulzugangsberechtigung verfügt, kann ein Studium der Ernährungswissenschaft oder der Lebensmitteltechnologie in Erwägung ziehen. Diese Studiengänge qualifizieren zu unterschiedlichen beratenden Tätigkeiten.
  • Wenn du mit keinem der genannten Programme liebäugelst, doch als deiner Karriere als Koch einen Kick geben möchtest, steht dir auch die Möglichkeit zur Verfügung, eigene Kochbücher zu schreiben oder eine Koch-Website ins Leben zu rufen. Klar gibt es von beidem mehr als zur Genüge, doch vielleicht hast du eine tolle Idee, die sich bei der breiten Masse oder auch nur einem kleinen Teil der Leute zu einem neuen Trend entwickelt.
  • Je nach Neigung gibt es zahlreiche weitere Weiterbildungsmöglichkeiten. Tipp: Halte die Augen offen und finde den Bereich, in dem du dich am wohlsten fühlst.

Wie stehen die Perspektiven für Köche?

Damit du möglichst vielseitig eingesetzt werden kannst, ist es sinnvoll, Weiterbildungslehrgänge in Gebieten wie beispielsweise der Diät-Küche zu absolvieren. Bei der Wahl des Lehrgangs können (und sollten) auch deine persönlichen Neigungen den Ausschlag geben.

Ein Aspekt, der auch weiterhin eine Rolle spielen wird: Das Berufsleben als Koch ist stressig und nicht selten mit vielen unbezahlten Überstunden verbunden. Im Internet finden sich Erfahrungsberichte von Köchen, die unter ihrem Mangel an Freizeit leiden oder von Azubis, die mit der praktischen Ausbildung unzufrieden gewesen sind. Bist auch du von einer schlechten Work-Life-Balance betroffen, gilt es, individuelle Lösungen zu finden, wie etwa dieser Artikel zeigt.

Zusammenfassung

Ein tolles Plus an diesem Beruf: Jeder hat gern einen Koch als Freund oder Familienmitglied, denn jeder freut sich, wenn er von einem Profi bekocht wird!

Zudem ist es nicht schwierig, eine Lehrstelle zu finden. Doch sollte man am besten nicht irgendeinen Ausbildungsbetrieb wählen, sondern eher ein langjährig bestehendes Haus, von dessen Qualitäten man selbst überzeugt ist. Im Idealfall kennst du Lehrlinge, die ihre Ausbildung dort absolviert haben.

Auch eine spätere Anstellung zu ergattern ist relativ leicht, da Köche von den unterschiedlichsten Betrieben gesucht werden. Vor allem bei dem immer stärker werdenden Ernährungsbewusstsein der deutschen Bevölkerung liegt die Ursache dafür, dass die Berufschancen wieder besser aussehen. In den deutschen Großstädten gibt es für Köche die verschiedensten Nischen, die besetzt werden können: Beispielsweise suchen Menschen nach vegetarischen Restaurants oder Speisen für Menschen mit Nahrungsmittelintoleranzen. Ein weiterer Dauerbrenner ist Low Carb.

Die einen besitzen viel Ehrgeiz und wollen unbedingt zum Sternekoch aufsteigen, die anderen sind schon zufrieden, wenn es ihren Gästen geschmeckt hat. Zu welcher Sorte Koch gehörst du? Du selbst triffst die Entscheidung, in welche Richtung du dich am liebsten entwickeln willst. Vielleicht hast du es auch irgendwann satt, Speisen zuzubereiten und spezialisierst dich auf administrative Tätigkeiten.

Wenn du eine Aversion gegen bestimmte Speisen hast, ist dies übrigens noch lange kein Grund, deinen Traumjob des Kochs ad acta zu legen: Spätere Spezialisierungsoptionen ermöglichen es dir, deine individuellen Neigungen auszuleben. Wenn sich nicht gleich eine entsprechende Stelle vor Ort findet, solltest du Umzugsbereitschaft mitbringen.

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