Kaufmann – vom Marktschreier bis zum Online-Shop-Betreiber

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Noch heute in Zeiten riesiger Internet-Verkaufsplattformen und Online-Shops lernen Kinder in ihren nostalgischen Spielzeug-Kaufmannsläden das gigantische Gefühl kennen, ein eigenes Geschäft zu managen. Unter dem Begriff des Kaufmanns kann jedoch vieles verstanden werden, nicht nur der Inhaber oder Manager eines eigenen Unternehmens.

Viele denken bei dem Wort Kaufmann auf Anhieb an eine Person, die Waren anbietet, doch es gibt aktuell zahlreiche kaufmännische Berufe, die mit der Tätigkeit des Verkaufens nichts zu tun haben. Aufgrund dieser Mehrdeutigkeit wollen wir zunächst die verschiedenen Definitionen, die teilweise auch im Handelsrecht geregelt sind, voneinander abgrenzen.

Die unterschiedlichen Bedeutungen des Begriffs Kaufmann

  • Umgangssprachlich ist mit dem Wort Kaufmann eine Person gemeint, die im kaufmännischen Bereich tätig ist: beispielsweise die Kauffrau für Büromanagement oder der Bankkaufmann.
  • Der Abschluss des Diplom-Kaufmanns (Dipl.-Kfm.): Dieser Abschluss wurde an den allermeisten Hochschulen durch den Bachelor abgelöst. Vereinzelt kann man diesen Abschluss aber auch noch in Deutschland erwerben: Die Uni Greifswald bietet einen Diplom-Studiengang der Betriebswirtschaftslehre an, der mit dem Diplom-Kaufmann abschließt.
  • Der eingetragene Kaufmann (e.K./e.Kfm oder e.Kfr.): Bei diesem Begriff handelt es sich um eine Rechtsform von Einzelunternehmen. Wenn sich ein Einzelunternehmer als Kaufmann ins Handelsregister eintragen lässt, darf er den Namenszusatz e.K. oder e.Kfm führen. Der eingetragene Kaufmann ist jedoch keine juristische Person. Das Handelsgesetzbuch definiert den Kaufmann als einen Menschen, der ein Handelsgewerbe betreibt. Wenn kein Handel betrieben wird, jedoch ein Gewerbebetrieb, wird der Einzelunternehmer, wenn er sich dennoch ins Handelsregister eintragen lässt, „Kannkaufmann“ genannt, während ein Einzelunternehmer, der als Handeltreibender agiert, ein „Istkaufmann“ ist. Vorteile des e.K. sind beispielsweise das Nichterforderlichsein eines Mindestkapitals sowie die Befugnis, für die Firma anstatt des Namens des Inhabers einen Fantasienamen zu erfinden.
  • Auch wenn es sich bei den kaufmännischen Lehrberufen um eine umgangssprachliche Bedeutungsvariante des Wortes Kaufmann handelt, ist es doch die am weitesten verbreitete unter den Berufswünschen, da sich das Bild des Kaufmanns geändert hat: Manch einer, der, wenn er vor ein paar hundert Jahren gelebt hätte, noch den Berufswunsch „Kaufmann“ geäußert hätte, will heute einfach Online-Shop-Betreiber oder E-Commerce-Manager werden. Und: Während der als Marktschreier handelnde, Gemüse verkaufende Kaufmann auf dem Marktplatz ein seltenes Exemplar ist und auch eine unterhaltende Funktion besitzt, genießt eine Berufsausbildung etwa zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel eine hohe gesellschaftliche Anerkennung und Akzeptanz.

Deshalb wollen wir zunächst ein paar weit verbreitete kaufmännische Berufe vorstellen.

Kauffrau für Büromanagement

Bildquelle: www.istockphoto.com / AntonioGuillem

Duale Ausbildungsberufe im kaufmännischen Bereich

Die folgenden und weitere Berufe kann man im Rahmen dualer Ausbildungen erlernen. Die Lehrzeit dauert regulär drei Jahre und kann bei guten Leistungen verkürzt werden.

Kaufmann im Einzelhandel

Ob Warenpräsentation, Regale einräumen oder Verkaufstätigkeit – der Beruf des Kaufmanns im Einzelhandel ist vielseitig. Auch im Büro sind Kaufleute im Einzelhandel tätig, beispielsweise, wenn Waren bestellt werden müssen. Absolventen dieser Ausbildung werden besonders häufig gesucht. Ein Nachteil an dem Beruf ist, dass man häufig mit starkem Stress konfrontiert ist und auch samstags arbeiten muss. Auch sollte man kein Problem mit Schichtarbeit haben.

Kaufmann für Büromanagement

Die typischen Einsatzbereiche von Bürokaufleuten sind das Bedienen des Telefons und des Computers, der Empfang, die Buchführung, das Buchen von Reisen oder das Organisieren von Veranstaltungen. Ein Vorteil des Berufs sind die geregelten Arbeitszeiten. Außerdem werden Bürokaufleute in allen Bereichen gesucht, sodass man den Bereich entsprechend der eigenen Interessen wählen kann.

Bankkaufmann

Als Bankkaufmann pflegt man Kundenkonten und berät die Kunden hinsichtlich finanzieller Fragen. Bankkaufleute erstellen Finanzkonzepte oder im Bereich Rechnungswesen Kostenanalysen. Wichtig sind sowohl soziale Kompetenz und sehr gute Kommunikationsfähigkeiten wie auch ein Talent für die Analyse. Übrigens: Bereits die Auszubildenden werden relativ gut bezahlt.

Kaufmann im Groß- und Außenhandel

Inhaltlich dreht sich alles in diesem Beruf darum, Ware von Herstellern zu kaufen, günstig zu lagern und an den finalen Verkäufer liefern zu lassen. Während man im Großhandel mit Großhandelsunternehmen arbeitet, hat man im Außenhandel mit Import und Export zu tun, und Fremdsprachenkenntnisse spielen in diesem zweiten Bereich eine größere Rolle.

Weitere beliebte kaufmännische Berufe…

… sind Industriekaufmann, Kaufmann im E-Commerce, Veranstaltungs-, Medien- oder Automobilkaufmann. Es gibt jedoch noch zahlreiche weitere teilweise recht spezielle kaufmännische Ausbildungsberufe, die wir an dieser Stelle nicht alle aufzählen können.

Kaufmännische Bestandteile in anderen Berufen

Die oben genannten Berufsfelder sind typisch kaufmännische. Doch es gibt auch Berufe anderer Bereiche, zu deren erfolgreicher Ausübung kaufmännisches Wissen erforderlich ist. Als Beispiel wollen wir den Bereich der Medizin nennen:

Als Medizinische Fachangestellte oder Zahnmedizinische Fachangestellte gehört es zum Tätigkeitsbereich, den Praxisbetrieb zu organisieren (Terminvereinbarung unter Verwendung von Telefon und Computer) sowie sich um Dinge bezüglich des Rechnungswesens und der Abrechnung zu kümmern. Als Gesundheits- und Krankenpfleger ist man neben medizinischen Tätigkeiten für die Verwaltung der Akten zuständig. Ebenfalls gehören Abrechnungen zu den Aufgaben.

Quereinstieg in den kaufmännischen Bereich

Wer schnell und sicher am PC schreiben kann und in der Bedienung von E-Mail-Programmen versiert ist, der findet, wenn er einen guten höheren Schulabschluss nachweisen kann, häufig auch ohne Berufsausbildung eine Stelle im Büro eines Anwalts, Steuerberaters oder eines anderen Unternehmers. Beispielsweise werden Aushilfsstellen im Büro gern von Studenten besetzt, bzw. manche Firmen suchen gezielt nach studentischen Mitarbeitern, die in Sekretariaten oder am Empfang eingesetzt werden.

Welche Skills im kaufmännischen Bereich wichtig sind

  • In allen kaufmännischen Berufen hat man es mit Zahlen zu tun, weshalb eine entsprechende Zahlenaffinität wichtig ist. Bereits vor der Berufsausbildung sollte man sich bewusst machen, dass man beispielsweise mit der Buchhaltung zu tun haben wird. Dafür muss man zwar kein Mathe-Ass sein, doch man darf auch keine ausgeprägte Aversion gegen dieses Fach mitbringen.
  • Hand in Hand mit der Zahlenaffinität geht auch die Eigenschaft der Sorgfalt: Denn was bringt es dem Betrieb, wenn Zahlen dich zwar faszinieren, du es jedoch insgesamt nicht so genau nimmst und manchmal wichtige Unterlagen verschlampst?
  • Auch Organisationstalent ist eine Eigenschaft, die in allen kaufmännischen Berufen von Vorteil ist.
  • Eine gute Kommunikationsfähigkeit wird in den meisten der genannten Berufe vorausgesetzt.
  • Soziale Kompetenz: Ob Rechtsanwaltsfachangestellte, Industrie- oder Hotelkaufmann: Man hat viel mit Menschen zu tun und wird erfolgreicher und zufriedener sein, wenn man mit einem sympathischen Auftreten punkten kann.
  • Teamwork sollte ebenfalls zu deinen Stärken gehören: Gemeinsam mit den Kollegen Lösungen zu erarbeiten oder Aufgaben untereinander abzusprechen trägt dazu bei, dass zufriedenstellende Resultate in kurzer Zeit erzielt werden können.
  • Konzentrationsfähigkeit: Den ganzen Tag am PC zu sitzen – das kann sehr anstrengend und auch ermüdend sein. Deshalb solltest du dazu in der Lage sein, dich gut konzentrieren zu können.

Du hast die freie Auswahl!

Mit der Zeit sind immer mehr hochspezialisierte Berufe entstanden wie der des Sport- und Fitness-Kaufmanns oder des Fachangestellten für Markt- und Sozialforschung, sodass dir sehr viele berufliche Möglichkeiten zur Auswahl stehen. Wenn du einen guten Schulabschluss mitbringst, kannst du nahezu frei auswählen, je nachdem, wo deine Interessen angesiedelt sind.

Willst du später gern eine höhere Position besetzen, solltest du am besten ein wirtschaftswissenschaftliches Fach wie Betriebswirtschaftslehre studieren. Wenn du bereits mit einem anderen Studiengang begonnen hast: Auch als Quereinsteiger kann man Kaufmann werden, wenn man dazu bereit ist, sich u. a. mit ökonomischen Zusammenhängen zu beschäftigen. Und: Für eine Eintragung ins Handelsregister muss man keinen bestimmten Berufs-, Studien- oder Schulabschluss nachweisen, sodass du dein berufliches Ziel möglicherweise auch als Selbstständiger verwirklichen kannst.

Viele kaufmännische Berufe wie etwa der der Kauffrau für Büromanagement bieten den Vorteil, dass die Tätigkeit bequem im Büro ausgeübt werden kann. Der Beruf des Kaufmanns im Einzelhandel hebt sich von zahlreichen anderen kaufmännischen Berufen dadurch ab, dass er sowohl mit körperlicher Anstrengung, Schichtarbeit als auch der Gefahr verbunden ist, sich während der Arbeitszeit schmutzig zu machen.

Der Frauen- oder Männeranteil in den einzelnen Berufen gestaltet sich je nach Beruf sehr individuell. Während der Frauenanteil bei den kaufmännischen Büroberufen besonders hoch ist, herrscht im Einzelhandel ein recht ausgeglichenes Verhältnis.

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