Noch vor ein paar Monaten arbeiteten sie still und heimlich in ihren Laboren, völlig unsichtbar und isoliert. Doch nun sehen wir sie plötzlich täglich über unsere Bildschirme flimmern, lesen gespannt über ihre neuesten Erkenntnisse in den Zeitungen und lauschen ihren informativen Podcasts. Die Rede ist natürlich von Virologen. Durch Corona sind das Berufsbild und seine Vertreter in gewisser Weise berühmt geworden. Vor allem der Virologe Prof. Dr. Christian Drosten, der sich im Moment intensiv mit dem SARS-CoV-2 Virus beschäftigt, steht derzeit groß in der Öffentlichkeit, gibt Interviews und hat sogar seinen eigenen Podcast, in welchem er regelmäßig über aktuelle Entwicklungen der Pandemie berichtet.

Doch was machen Virologen eigentlich sonst noch so den ganzen Tag und wie wird man überhaupt Virologe?

Was macht eigentlich ein Virologe?

Ein Virologe arbeitet hauptsächlich im Labor und untersucht dort Viren, Bakterien und Mikroben. Dazu nutzt er moderne Mikroskope, um diese zu beobachten, weshalb die Virologie auch ein Teilgebiet der Mikrobiologie ist. Es wird erforscht, wie sich Viren klassifizieren lassen, welche Merkmale sie aufweisen, welche Lebensbedingungen sie brauchen, wie sie sich vermehren können und natürlich, wie man Virusinfektionen verhindert oder bekämpft. Auch der Verlauf einer solchen Infektion ist Forschungsgegenstand der Virologen.

Bakterien sind meist einfach mit Antibiotika zu bekämpfen, während es für Viren nicht immer ein passendes Medikament auf dem Markt gibt, weshalb unser Immunsystem oft selbst gegen das Virus kämpfen muss. Nach einer überstandenen Infektion baut unser Körper meist einen eigenen Immunschutz auf, der sich speziell gegen das Virus richtet.

Auch bei Corona wird vermutet, dass einige Patienten nach der Erkrankung immun gegen SARS-CoV-2 sind, ganz sicher ist dies jedoch bis jetzt noch nicht.

In seinem Labor versucht der Virologe Mittel zu entwickeln, welche Viren und Bakterien bekämpfen, ihr Wachstum reduzieren und so die Gesellschaft schützen sollen. Dazu muss er viele Tests durchführen und diese präzise dokumentieren, um ein aussagekräftiges Ergebnis zu bekommen. Diese Arbeit vollzieht der Virologe meist in einem Team, außerdem tauscht er sich mit internationalen Kollegen aus, um neueste Forschungsergebnisse zu berücksichtigen.

Impfung gegen Corona
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Nachdem der Virologe ein Mittel gefunden hat und ein Medikament entwickelt wurde, beobachtet er dieses in den Testphasen, analysiert, wertet aus und überprüft die Nebenwirkungen. Derzeit beschäftigen sich die Virologen natürlich vor allem mit der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus. Im normalen Alltag werden auch Patientenproben wie Urin, Speichel, Stuhl und Blut von Virologen untersucht und die Ergebnisse anschließend an die behandelnden Ärzte zurückgeschickt. Da ein direkter Kontakt zu den Patienten meist jedoch nicht besteht, haben die meisten vor der Corona-Pandemie jedoch noch nie etwas von diesem Berufsbild gehört.

Wo arbeiten Virologen?

Wie bereits erwähnt arbeiten Virologen hauptsächlich in Laboren. Diese können eigenständig forschen, oder sich in Krankenhäusern und Praxen befinden. Einige Virologen finden dank ihrem Fachwissen außerdem Arbeit in der Pharmaindustrie, um für diese nach neuen Medikamenten zu forschen. Zudem sind auch Anstellungen in Gesundheitsbehörden und Instituten denkbar, in welchen sie an der Verhütung und Bekämpfung von Epidemien arbeiten.

Wie wird man Virologe?

Auch wenn im Moment jeder zweite Bürger behauptet, Virologe zu sein, da er alle Daten und Fakten aus den Nachrichten kennt und angeblich den vollen Durchblick über die Corona-Pandemie hat, ist es tatsächlich gar nicht so einfach Virologe zu werden. Der Weg ist lange und kostet einiges an Lebensjahren. Ein grundständiges Studium zum Virologen gibt es in Deutschland nicht. Wenn du also Virologe werden möchtest, musst du zunächst mit anderen Studiengängen eine Grundlage für deine spätere Tätigkeit schaffen. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten.

Wichtig ist es, bereits dein Abitur mit einem sehr guten Schnitt zu bestehen, um später zum Studium zugelassen zu werden. Dabei sollte der Fokus in deinem Abitur auf naturwissenschaftlichen Fächern wie Biologie und Chemie liegen, in welchen deine Leistung überdurchschnittlich sein muss. Danach ist ein einschlägiges Studium nötig, welches dich auf deine Karriere als Virologe vorbereitet. Mögliche Studiengänge sind hierbei Biologie, Biochemie und Humanmedizin.

Das Studium der Humanmedizin gibt Einblicke in die klassischen Bereiche der Medizin, während sich die Biologie mit der Forschung rund um das Immunsystem des Körpers befasst. Deshalb sind die Studiengänge Biologie und Biochemie für angehende Virologen ebenfalls empfehlenswert, da sich die Virologie eher mit dem experimentellen Bereich befasst. Die beste Grundlage für die anschließende Weiterbildung zum Virologen liefert allerdings der Studiengang Biomedizin, da dieser bereits weite Bereiche der Virologie abdeckt.

Entscheidest du dich für ein Medizinstudium, wirst du bereits während des Studiums praktische Tätigkeiten in Krankenhäusern oder Forschungseinrichtungen durchführen. Nach einem sehr gut bestandenen Medizinstudium musst du nun eine Facharztausbildung mit Fachrichtung Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie absolvieren, welche nochmals etwa fünf Jahre in Anspruch nimmt. Hier steht die mikrobiologische Forschung an krankheitserregenden Mikroorganismen im Mittelpunkt deiner Ausbildung. Anschließend sind noch einmal fünf Jahre Weiterbildung im Fachbereich Virologie nötig, in welcher du Grundlegendes über die Arbeit im Labor erfährst. Hier eignest du dir auch Wissen in Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie an.

Virologe in der Forschung
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Das alles schreckt dich nicht ab und du überlegst dir tatsächlich, diesen Weg zu gehen? Ob du wirklich für den Beruf Virologe geeignet bist weißt du, wenn du folgende Eigenschaften besitzt:

  • Anpassungsfähigkeit
  • Flexibilität (Unregelmäßige Arbeitszeiten)
  • Sorgfältiges und sehr präzise Arbeiten
  • Hohe Konzentrationsfähigkeit
  • Gutes Gedächtnis
  • Gute Beobachtungsgabe
  • Soziale Kompetenz und Einfühlungsvermögen
  • Hohes Verantwortungsbewusstsein
  • Gute Feinmotorik
  • Exzellentes räumliches Vorstellungsvermögen
  • Ständige Fortbildungsbereitschaft

Was verdient ein Virologe?

Die berufliche Ausbildung für einen Virologen ist mit etwa fünfzehn Jahren sehr lang und hart und wird anfangs zudem auch nicht besonders gut vergütet. Das Gehalt steigt erst richtig nach erfolgreichem Studium, Facharztausbildung und anschließender Weiterbildung zum Virologen.

Im Durchschnitt fangen die Löhne in diesem Fachbereich bei etwa 4.000 Euro im Monat an. Man kann von einem Gehaltsrahmen von etwa 35.000 Euro bis 55.000 Euro im Jahr ausgehen. Der Verdienst kann jedoch sehr unterschiedlich sein, da sich das Gehalt nach Alter, Berufserfahrung und Arbeitsort richtet. Wenn du innovativ und kreativ bist, kannst du aber vor allem in der Pharmaindustrie auch deutlich mehr verdienen.

Fazit

Die Arbeit der Virologen ist wichtig. Das merken wir vor allem in Krisenzeiten, wie die der aktuellen Corona-Pandemie, besonders stark. Doch auch in den kommenden Jahren werden wir auf das Wissen guter Mediziner angewiesen sein. Krankheiten und Viren bleiben leider auch in Zukunft ein Teil unseres Lebens, weshalb es wichtig ist, weiter auf diesem Gebiet zu forschen und die Gesellschaft vor Infektionen zu schützen. Virologen werden eben auch nach Corona damit beschäftigt sein, Menschen gesund zu halten. Virologe ist also durchaus ein sicherer Beruf mit attraktiven Zukunftsperspektiven. 

Quellen: gesundheit-studieren.com, gehalt.de, berufenet.arbeitsagentur.de