Als Maschinenbauingenieur einmal bei einem der großen deutschen Automobilhersteller zu arbeiten, ist der Traum vieler technisch interessierter Schüler und Schülerinnen. Über Jahrzehnte hinweg galt der Maschinenbau schon fast als klassisch deutsche Kernkompetenz und stand symbolisch für das Qualitätsprädikat „Made in Germany“. Ingenieure mit entsprechender Ausbildung konnten sich über beste Berufs- und Beschäftigungsaussichten freuen.

Doch jetzt steht die Automobilindustrie vor ihrer größten Herausforderung: Die Corona-Krise wirkt sozusagen als Brandbeschleuniger für die Klimakrise, die von der Automobilindustrie sowieso ein grundlegendes Umdenken erfordert. Prozesse, Märkte, Entwicklungen und Produkte müssen völlig neu gedacht werden. Und nun kommt noch eine extrem angespannte Wirtschaftslage hinzu. Doch das Berufsbild des Maschinenbauingenieurs bleibt natürlich bestehen. Was heißt das für diesen Berufszweig?

Was macht ein Maschinenbauingenieur?

Ohne den Maschinenbauingenieur ist unsere moderne, Technik basierte Industriegesellschaft nicht denkbar. Er nimmt darin eine Schlüsselrolle ein: Denn der Maschinenbauingenieur plant, konstruiert und baut Maschinen verschiedenster Art. In allen Industriezweigen gibt es Fertigungsstrecken oder Produktionsprozesse, für die passende Maschinen zur Verfügung stehen müssen. Und diese werden vom Maschinenbauingenieur entwickelt. Aber auch die Simulation, die Wartung und die Instandhaltung von Maschinen gehören zu seinem Aufgabenspektrum.

Wer Maschinenbau studiert, kann sich oftmals bereits im Rahmen seines Studiums für eine spezielle Fachrichtung entscheiden. Diese kann festlegen, in welchem Bereich er später tätig sein wird. Die wichtigsten Branchen für angehende Ingenieure in diesem Zweig sind

  • die Automobilindustrie,
  • die Luft- und Raumfahrttechnik,
  • die Umwelttechnik und
  • der Maschinen- und Anlagenbau.

In Deutschland kann man auch den Studiengang Fahrzeugtechnik absolvieren. Das ist ein eigener Fachbereich des Maschinenbaus, der die angehenden Ingenieure speziell auf eine Tätigkeit im Automobilbau vorbereitet. Doch auch als Absolvent eines etwas breiter angelegten Maschinenbau-Studiengangs kann man jederzeit im Automobilwesen arbeiten.

Das Maschinenbaustudium

Hierzulande kann man Maschinenbau sowohl an Fachhochschulen bzw. technischen Hochschulen als auch an Universitäten studieren. Für alle, die die Praxis lieben und gerne sofort mit anpacken, ist ein duales Studium an einer Berufsakademie ideal. Das ist eine Kombination aus Studium mit integrierter Ausbildung oder aber sehr hohem Praxisanteil. Die Ausbildungsangebote sind hier von Bundesland zu Bundesland sehr verschieden.

Studienabschlüsse

Die Abschlüsse, die du mit einem Maschinenbaustudium erreichen kannst, sind

  • der Bachelor of Science (B. Sc.) oder Bachelor of Engineering (B.Eng.) und
  • der darauf aufbauende Master of Science (M. Sc.) oder Master of Engineering (M.Eng.).

Das klassische Bachelor-Studium dauert 6-7 Semester, inklusive der Abschlussarbeit. Ein darauf aufbauender Masterstudiengang schlägt noch einmal mit 4 Semestern bzw. 2 Jahren zu Buche.

Fachbereiche

Während deines Studiums beschäftigst du dich mit vielen verschiedenen Themengebieten. Dazu gehören unter anderem:

  • Mathematik
  • Physik
  • Informatik
  • Elektrotechnik
  • technische und angewandte Mechanik
  • Werkstofftechnik
  • Konstruktion
  • Messtechnik
  • Regelungstechnik
  • Getriebelehre & Maschinendynamik
  • BWL

Die Bachelor- und Masterabschlüsse gibt es in Deutschland erst seit dem Bologna-Prozess, der im Jahr 2003 eine Novellierung der Studienabschlüsse auch hierzulande bewirkte. Früher hat man sein Maschinenbaustudium mit dem Titel des Diplom-Ingenieurs abgeschlossen.

Automobilproduktion
Bildquelle: www.istockphoto.com / xieyuliang

Was verdient man als Maschinenbauingenieur?

Als Ingenieur kannst du richtig gut Geld verdienen. Ein Maschinenbauingenieur in Deutschland kann mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von ca. 70.000 Euro rechnen. Natürlich steigst du mit einem geringeren Gehalt ein. Für Absolventen sind zu Beginn ihrer Karriere ca. 40.000 Euro aufwärts pro Jahr realistisch. Aber natürlich ist das Gehalt sehr abhängig von der Branche, in der du landest. Vor allem in der Chemie- und Erdölindustrie konnten Maschinenbauingenieure bislang Höchstgehälter einfahren. Eine Rolle beim Verdienst eines Maschinenbauingenieurs spielen neben Branche und Berufserfahrung natürlich auch der Standort und die Firmengröße.

Wie in vielen anderen Fachbereichen unterscheidet sich das durchschnittliche Einstiegsgehalt von Bachelor- und Masterabsolventen nicht extrem voneinander. Die Lücke liegt bei ca. 2.000 Euro jährlich, zu Beginn der Karriere. Das kann sich aber schnell relativieren. Auch mit einem Bachelorabschluss kann man in der Berufswelt rasch vorankommen und durchaus Karriere bis ganz oben machen. Ob du dich für einen Bachelor- oder einen Masterabschluss entscheidest, solltest du wirklich davon abhängig machen, ob du Interesse daran hast, nach dem Bachelor noch tiefer in die theoretische Ausbildung an der Uni einzutauchen.

Karrierewege für Maschinenbauingenieure

In den letzten Jahren hat sich in vielen Ingenieurwissenschaften neben der klassischen Führungskarriere eine zweite Karriereschiene etabliert: die der Fachkarriere.

Wer eine Führungskarriere einschlägt, geht den traditionellen Weg. Die Stationen der Karriereleiter lauten dann: Mitarbeiter, Teamleiter, Abteilungsleiter, Hauptabteilungsleiter, Fachbereichsleiter, Geschäftsführung.

Allerdings gibt es auch im Maschinenbau viele Ingenieure, die sich auf ihre fachliche Karriere konzentrieren wollen und kein Interesse an Teamführung haben. Für diese Mitarbeiter hat sich eine andere Möglichkeit der beruflichen Karrierelaufbahn herauskristallisiert: Sie steigen im Rahmen einer Fachlaufbahn ohne Teamführungsaufgaben im Unternehmen auf. Firmen schaffen es so, Mitarbeiter mit hohem fachlichem und zum Teil auch sehr spezialisiertem Wissen langfristig zu binden. Das ist oftmals gerade in Innovationfeldern sehr wichtig für Unternehmen.

Automobilbranche in der Krise
Bildquelle: www.istockphoto.com / gopixa

Das Berufsbild im Wandel

Breit diskutiert wurde ja in den letzten Jahren das Thema des Ingenieurs- bzw. Fachkräftemangels in Deutschland. Hierzu gibt es widersprüchliche Ansichten; denn obwohl so viele unbesetzte Stellen im Ingenieurswesen festzustellen sind, ist doch eine konstante Zahl an Arbeitslosen in diesem Segment zu verzeichnen. Das hat wohl eher etwas damit zu tun, dass die Anforderungsprofile der zu besetzenden Stellen oft nicht dem entsprechen, was arbeitslose Ingenieure anzubieten haben. Das Arbeitsfeld „des Ingenieurs“ ist breit, man muss nach Spezialisierungen und Fachrichtungen unterscheiden.

Generell sieht der Verband Deutscher Ingenieure (VDI) in den nächsten zehn Jahren große Veränderungen auf dem Beschäftigungsmarkt der Ingenieure hierzulande, und zwar allein aus demographischer Perspektive. Denn altersbedingt müssen bis zum Jahr 2029 rund 700.000 Ingenieur-Stellen neu besetzt werden, da diese Fachkräfte in den Ruhestand gehen. Das ist ein gewaltiger Anteil und entspricht ca. 42 Prozent des Bestands.

Sollte es nun im Zuge einer Rezession auch die Automobilbranche hart treffen, könnte diese demographische Tatsache fast schon ein Glück sein. Ein massiver Stellenabbau ließe sich dann vielleicht am sozialverträglichsten mit entsprechenden (Vor-)Ruhestandsregelungen umsetzen.

Up-to-date bleiben: eine Herausforderung

Generell haben vor allem ältere Arbeitnehmer, deren Studium und Ausbildung schon Jahrzehnte zurückliegt, beim Jobverlust oftmals ein Problem. Das trifft in hohem Maße auch auf den Ingenieursbereich zu und hängt mit dem Tempo zusammen, in dem technischer Fortschritt voraneilt. Auch im Maschinenbau wandeln sich Forschung, Berufsfeld und Technologien rasant. Oftmals tendieren Unternehmen dann dazu, lieber jüngere Arbeitskräfte einzustellen, die sozusagen eine Ausbildung up-to-date genossen haben. In der Automobilbranche ist unter anderem die Elektromobilität und die sinkende Bedeutung des klassischen Verbrennungsmotors eine solche Herausforderung.

Hohe Gehälter 

Ein weiterer Aspekt ist die Bezahlung: Maschinenbauingenieure im Alter von 50+ haben zum Teil sehr gute Gehälter verdient, auch im Rahmen langer Betriebszugehörigkeiten. Wer dann den Job verliert und sich neu bewirbt, stellt heutzutage durchaus fest, dass dieses Gehaltsniveau bei Neueinstellungen zum Teil nicht mehr erreicht werden kann. Das ist natürlich frustrierend. Im Rahmen der bevorstehenden Rezession wird sich dieser Effekt noch verstärken. Haben Firmen dann die Wahl zwischen jungen Studienabsolventen, die vielleicht fachlich besser in neuen Technologiezweigen ausgebildet sind und die mit deutlich geringeren Einstiegsgehältern für die Firma zubuche schlagen, ist die Entscheidung oft klar: Ältere Maschinenbauingenieure mit hohen Gehaltsansprüchen können hier schnell das Nachsehen haben.

Bewerben im Maschinenbau
Bildquelle: www.istockphoto.com / industryview

Bewerbungstipps

Fest steht: Der Maschinenbaubranche steht in den kommenden Jahren ein großer Wandel bevor. Vor allem der Automobilbau muss sich einigen Veränderungsprozessen stellen. Das wird auch Einfluss auf den Beruf des Maschinenbauingenieurs haben. Wie wirkt sich die zu erwartende Rezession auf den Arbeitsmarkt aus? Welchen neuen fachlichen Herausforderungen müssen sich Maschinenbauingenieure stellen? Keiner weiß es genau. Die Zahl derer, die sich aufgrund von Jobverlust auf Stellensuche begeben, wird wohl auch in dieser Branche ansteigen.

Punkten im Vorstellungsgespräch

Egal, ob man noch am Anfang seiner Karriere steht oder schon viele Jahre Berufserfahrung auf dem Buckel hat, eine Bewerbung oder ein Vorstellungsgespräch ist immer eine Herausforderung. Viele Ingenieure tun sich im Vorstellungsgespräch mit fachlichen Fragen eher leicht. Doch in punkto

  • Smalltalk,
  • Körpersprache und Mimik,
  • aber auch Gesprächsführung und Auftreten

haben einige von ihnen Nachholbedarf. Gerade diese Aspekte beeinflussen aber extrem stark, wie du bei deinem Gegenüber ankommst, wie überzeugend du wirkst und wie sympathisch. Deshalb sollte man sich nie nur allein auf sein fachliches Know-how verlassen. Mit passenden Trainings oder Seminaren lassen sich solche Softskills oft hervorragend trainieren und verbessern.

Die Bewerbung: So geht’s

Gerade wer sich in den letzten zehn oder fünfzehn Jahren nicht mehr bewerben musste, der sollte sich unbedingt auf den neuesten Stand bringen, was Bewerbungsunterlagen und die Gestaltung und Zusammenstellung von Bewerbungsmappen angeht. Hier hat sich über die Jahre viel verändert; wer eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben will, muss hier mit der Zeit gehen. Unterschätzt werden darf auch nicht, wie viel Zeit es in Anspruch nimmt, seine Bewerbungsunterlagen upzudaten. Ein professionelles Foto, ein aktueller Lebenslauf, ein passendes Motivationsschreiben: All diese Dinge benötigen Vorlauf und entsprechende Vorbereitung.

Hier findest du alle Infos zu den Bewerbungsunterlagen für Maschinenbauingenieure inklusive einer Muster-Bewerbungsvorlage zum Download.

Fazit

Der Maschinenbau und die Automobilbranche stehen vor großen Herausforderungen. Technologischer Fortschritt, Klimawandel und eine dadurch geforderte neue Mobilitätsstrategie für unsere Gesellschaft verlangen von der Industriesparte, sich neu aufzustellen. Hinzu kommt eine aufgrund der Corona-Krise zu erwartende Rezession, mit entsprechenden Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Inwiefern sich das Berufsbild des Maschinenbauingenieurs vor diesem Hintergrund verändern wird, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall werden Maschinenbauer aller Voraussicht nach ein Maximum an Flexibilität und Veränderungswillen brauchen. Andererseits: Ein Markt, der sich im Umbruch befindet, bietet auch immer jede Menge Chancen für Neues.

Erstellen Sie Ihre eigene Umfrage zu Nutzerfeedback.

Dieser Beitrag gehört zu unserer Artikel-Serie „Die Automobilbranche in Deutschland“. Weitere Artikel der Serie:


Jobs für Maschinenbauingenieure