Plopp, E-Mail vom Chef: Termin für nächste Woche, das Zielvereinbarungsgespräch steht an. Yippieh… Wie ich es hasse. Ein unangenehmer Termin, vor allem für Menschen wie mich, für die die eigene Person und ihr (Nicht-)Können nicht unbedingt ihre bevorzugten Lieblingsgesprächsthemen sind, und die wirklich absolut kein Talent für die große Selbstdarsteller-Show mitbringen.

Aber gut, hilft ja nix: Nur ein Mitarbeiter mit einem hübsch gezurrten Zielpaket ist heutzutage ein guter Mitarbeiter. Ohne Ziele durchs Berufsleben zu laufen, das käme ja fast einer Arbeitsverweigerung gleich. Wie haben wir das früher eigentlich nur geschafft? Völlig plan- und ziellos durchs Jahr zu stolpern, und am Ende stand die Abteilung eigentlich doch immer ganz gut da.
Egal, zurück zum Punkt.
Es ging um die Ziele…

Also schnell mal noch überlegen, was man im letzten halben Jahr so gemacht hat auf Arbeit. Noch viel wichtiger ist ja aber der nächste Schritt: Taktisch schlau abwägen, was man in den nächsten sechs Monaten auch wirklich gerne machen würde. Nur nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, so die kluge Devise für dieses Gespräch mit dem Chef; denn wer hängt sich selbst schon gerne die Früchte so hoch, dass er sie später nicht erreichen kann? Klar ist: Die Quittung dafür bekommt man ja ganz bestimmt serviert… im folgenden Jahresgespräch. Also ist ein spannender Balanceakt auf dem schmalen Grat zwischen langweilender Unterforderung und stressender Überforderung gefragt.

Früh übt sich

Da fällt mir ein: Mittlerweile werden bereits unsere Kinder in der Grundschule an die schöne Praxis der Zielvereinbarungsgespräche herangeführt. Meine Söhne bekommen kein klassisches Zwischenzeugnis mehr, sondern füllen einen „Selbsteinschätzungsbogen zum Lernentwicklungsgespräch“ aus. Der Bogen umfasst über 60 Fragestellungen, zu denen sich die Kinder selbst einschätzen müssen.

Ein Beispiel: Die Behauptung „Ich arbeite konzentriert und lasse mich nicht ablenken“ darf das Kind je nach eigener Einschätzung dann mit einem Smiley, einem neutralen Gesicht oder einem Baustellenzeichen („Hier musst du noch dran arbeiten“) versehen.

Der Lehrer füllt den Bogen ebenfalls aus und bei einem Gesprächstermin mit dem Kind werden Selbsteinschätzung und Fremdwahrnehmung mal schön gemeinsam durchdiskutiert. Quasi das erste Mitarbeitergespräch. Mit direktem Feedback allerdings. Face-to-face. Und sogar eine Rückschau auf die letztjährigen Ziele findet statt, sowie eine Bilanz der Zielerreichung und eine gemeinsame Zielvereinbarung.
Mein Sohn hatte sich da für „ich werde mich im kommenden Schuljahr öfter melden“ entschieden. Den bereits erwähnten Balanceakt zwischen Unter- und Überforderung hat er aus meiner Sicht damit ganz ordentlich gemeistert.

Aber zurück zu mir.
Es ging um die – Ziele.
Ach was soll’s, so viel Arbeit auf dem Schreibtisch, ich habe jetzt eigentlich gar keine Zeit für diese Spielchen. „Ich arbeite konzentriert und lasse mich nicht ablenken“ aus dem Bogen meines Sohnes hört sich doch eigentlich schon ganz gut an als Ziel fürs nächste halbe Jahr. Wobei zu viel Fokus manchmal ja durchaus auch schadet. Denn oft sind es ja die spontanen Ablenkungen oder kleinen Umwege, die uns ganz neue Erkenntnisse eröffnen. Eines ist zumindest klar: Hätte ich mehr Fokus, gäbe es diesen Text jedenfalls nicht.

In diesem Sinne: fröhliches Suchen!

Eure Veronika


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