Minijobs

Die Anzahl der Minijobber in Deutschland steigt von Jahr zu Jahr: im September 2014 beläuft sich die Zahl der Minijobber laut Deutscher Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See auf 7,12 Millionen Minijobber. Dass sich Minijobs einer großen Beliebtheit erfreuen, liegt nicht zuletzt daran, dass Arbeitnehmer durch sie viele Vorteile, vor allem bezüglich der Sozialversicherungsbeiträge, genießen.

Grundsätzlich sind zwei Arten von Minijobs zu unterscheiden. Zum einen liegt eine geringfügige Beschäftigung vor, wenn das Arbeitsentgelt aller Minijobs zusammen regelmäßig nicht mehr als 450 Euro pro Monat beträgt. Aber auch wenn ein Arbeitnehmer innerhalb eines Kalenderjahres nicht mehr als 50 Arbeitstage beziehungsweise zwei Monate arbeitet, handelt es sich um einen (kurzfristigen) Minijob.

Neuerungen seit Januar 2013

Im Januar 2013 wurde das "Gesetze für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt" erneut angepasst. Eine wesentliche Änderung besteht darin, dass die Entgeltgrenze von 400 € auf 450 € angehoben wurde. Außerdem ist seitdem jeder Arbeitnehmer in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherungspflichtig. Dies hat den Vorteil hat, dass auch geringfügig Beschäftigte Anspruch auf Rente und weitere aus der Versicherung resultierende Rechte haben. Auf Antrag können sich geringfügig Beschäftigte jedoch von der Versicherungspflicht befreien lassen. Dann besteht allerdings kein voller Rentenversicherungsschutz mehr. Falls bereits vor dem 1. Januar 2013 ein Minijob-Verhältnis bestand, bleibt dieses rentenversicherungsfrei, sofern das Gehalt im Zuge der Neuregelung nicht auf über 400 Euro angehoben wurde. In einem solchen Fall ändert sich für die Betroffenen also durch die Neuregelung nichts.

Die verschiedenen Modelle für Minijobs

450-Euro-Minijobs (geringfügig entlohnte Beschäftigung) im gewerblichen Bereich
Alle Minijobs, die nicht in Privathaushalten ausgeübt werden, gelten als Minijobs im gewerblichen Bereich. Übersteigt das Arbeitsentgelt monatlich regelmäßig 450 Euro nicht, so ist die Voraussetzung für die geringfügige Beschäftigung (nach § 8 Abs. 1 Nr. 1 SGB IV) gegeben.

Der Arbeitgeber zahlt bei einer geringfügigen Beschäftigung im gewerblichen Bereich folgende pauschale Abgaben: 2% Lohnsteuer, 13 % Krankenversicherung, 15 % Rentenversicherung sowie ca. 1% für diverse Umlagen. Zusätzlich muss der Arbeitgeber für den Arbeitnehmer Beiträge an den zuständigen gesetzlichen Unfallversicherungsträger abführen. Bei Beschäftigungen, bei denen kein Pauschalbetrag für die Rentenversicherung eingezahlt wird, beträgt die pauschale Lohsteuer 20% und ist vom Arbeitgeber ans zuständige Finanzamt abzuführen.

Auch Sie als Minijobber bezahlen einen Beitrag zur Rentenversicherung, der bei 3,9 Prozent liegt, sofern nicht von der Möglichkeit der Befreiung von der Rentenversicherungspflicht Gebrauch gemacht wird. Rentenversicherungsfreiheit gilt auch, wenn der Minijob schon vor dem 1. Januar 2013 aufgenommen wurde und das Gehalt weiterhin bei maximal 400 Euro liegt. Ein Antrag auf Befreiung von der Rentenversicherungspflicht muss in diesem Fall nicht extra gestellt werden.

Diese Regelungen bestehen ebenfalls, wenn Sie mehreren geringfügigen Beschäftigungen nachgehen, sofern sie insgesamt nicht mehr als 450 Euro verdienen. Besonders zu beachten ist hier allerdings, dass es vom Jahresverdienst abhängig gemacht wird, ob die Grenze von 450 Euro überschritten wird, da der monatliche Durchschnittswert berechnet wird. Neben regelmäßigen Gehaltszahlungen werden dabei auch Einmalzahlungen, wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld, berücksichtigt. Hier gilt daher besondere Vorsicht, damit die Grenze nicht überschritten wird und man nicht ungewollt in ein versicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis gerät.

Steuerfreie Einnahmen wie die "Übungsleiterpauschale" oder die "Ehrenamtspauschale" zählen nicht zum sozialversicherungspflichtigen Arbeitsentgelt. Nur für die Beträge, die den jährlichen Freibetrag übersteigen (Übungsleiter: 2.400 Euro pro Jahr, Ehrenamt 720 Euro pro Jahr), müssen die Abgaben abgeführt werden.

450-Euro-Minijobs(geringfügig entlohnte Beschäftigung) in Privathaushalten
Für Minijobs in Privathaushalten, z.B. zur Betreuung von Kindern oder alten Menschen, für Haushalts- oder Gartenarbeiten, gilt ebenso die monatliche 450-Euro-Grenze. Der Arbeitgeber zahlt jedoch deutlich weniger pauschale Abgaben: es sind je 5 % für die Renten- und Krankenversicherung, ca. 1% Umlagen, 1,6% für die Unfallversicherung und 2 % Pauschalsteuer abzuführen, insgesamt betragen die Abgaben also ca. 15 %.

Für rentenversicherungspflichtige Minijobber beträgt der Arbeitnehmeranteil für die Rentenversicherung 13,9 % - mindestens aber 33,08 Euro. Auch hier ist es dem Minijobber freigestellt, ob er sich von der Beitragspflicht befreien lassen möchte, falls er die Beschäftigung in einem Privathaushalt nach dem 31.12.2012 aufgenommen hat.

Kurzfristige Minijobs
Für diese Art des Minijobs ist es für die Höhe der Abgaben unerheblich, ob der Arbeitgeber ein Privathaushalt oder ein Unternehmen ist.

Unter kurzfristige Beschäftigungen fallen Jobs, die auf maximal 2 Monate, falls sie an mindestens fünf Tagen in der Woche ausgeübt werden, beziehungsweise 50 Arbeitstage im Jahr begrenzt sind. Dies muss allerdings schon im Voraus vertraglich geregelt werden oder aufgrund der Eigenart des Jobs ersichtlich sein. Dabei werden alle Minijobs innerhalb eines Jahres, die als kurzfristige Beschäftigung ausgelegt sind, zusammengerechnet. Sollte ein Arbeitnehmer also innerhalb eines Jahres durch alle Beschäftigungen, denen er nachgeht, insgesamt über 50 Arbeitstage beziehungsweise mehr als zwei Monaten am Stück arbeiten, ist er nicht geringfügig beschäftigt und damit nicht sozialversicherungsfrei. Dies gilt ebenfalls, wenn die kurzfristige Beschäftigung berufsmäßig ausgeübt wird. Dies ist dann der Fall, wenn die Beschäftigung von wirtschaftlicher Bedeutung ist, wenn sie also zur Sicherung des Lebensunterhalts dient.

Wenn Sie also bei der Agentur für Arbeit als "arbeitsuchend" gemeldet sind, gilt dies als eine berufsmäßige Beschäftigung, sobald Sie mehr als 450 Euro im Monat verdienen. Im Fall von Schülern, Studenten oder Altersrentner liegt eine Berufsmäßigkeit jedoch nicht vor. Auch wenn Sie die geringfügige Beschäftigung neben einer Hauptbeschäftigung ausüben, über die Sie Ihren Lebensunterhalt hauptsächlich bestreiten, gilt diese nicht als berufsmäßig. Falls Sie sich nicht sicher sind, ob es sich bei einem Beschäftigungsverhältnis um eine berufsmäßige Beschäftigung handelt oder Sie nicht wissen, ob Sie die Spanne von 2 Monaten oder 50 Arbeitstagen bereits überschritten haben, sollten Sie sich mit der Minijob-Zentrale in Verbindung setzen, um den Status der geringfügigen Beschäftigung nicht zu riskieren.

Bezüglich der Rentenversicherung gilt, dass kurzfristig Beschäftigte von der Versicherungspflicht befreit sind, aber auch keinen Anspruch auf Leistungen der Rentenversicherung haben. Das besondere an einer kurzfristigen Beschäftigung ist, dass auch der Arbeitgeber außer ca. 1% für diverse Umlagen keine Pauschalen zur Sozialversicherung zahlen muss.

Der Arbeitgeber ist für die Beiträge zur zuständigen Unfallversicherung zuständig.

Der erzielte Lohn ist lohnsteuerpflichtig. In bestimmten Fällen kann die Lohnsteuer pauschaliert werden. Ausführliche Informationen dazu erhalten Sie bei Ihrem zuständigen Finanzamt, z.B. unter
www.finanzamt.bayern.de/Informationen/Steuerinfos/Haeufig_gestellte_Fragen/Geringfuegige_Beschaeftigung/

Weitere Infos zu Minijobs

Sonderzahlungen
Vorsicht: Zahlt der Arbeitgeber zusätzlich zu den 450 Euro im Monat noch Urlaubs- und Weihnachtsgeld, wird das gesamte Beschäftigungsverhältnis versicherungs- und beitragspflichtig, denn die Entgelte werden auf das Jahr umgelegt.

Wird jedoch die Grenze von 450 Euro nur gelegentlich und nicht vorhersehbar überschritten - etwa, wenn ein Minijobber ausnahmsweise für einen erkrankten Kollegen einspringt - schadet die Überschreitung der Beitragsgrenze nicht. Diese Regelung birgt allerdings Risiken, so dass nach Möglichkeit eine Überschreitung der Grenze vermieden werden sollte. Grundsätzlich dürfen aber Minijobber aus arbeitsrechtlichen Gründen nicht von Sonderzahlungen ausgeschlossen werden, wenn entsprechende Tarifverträge oder vertragliche Vereinbarungen existieren.

Weitere Rechte des Arbeitnehmers
Auch geringfügig Beschäftigte haben das Recht auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall für bis zu sechs Wochen. Gleiches gilt für Arbeitstage, die wegen eines gesetzlichen Feiertages ausfallen. Minijobber erhalten außerdem bezahlten Erholungsurlaub von mindestens vier Wochen (anteilig) beziehungsweise 24 Werktage bei einer 6-Tage-Woche. Der Urlaub muss hierbei auf die vereinbarten Werktage umgerechnet werden, wobei es auf die Anzahl der Werktage pro Woche und nicht auf die Stundenzahl an den entsprechenden Tagen ankommt.

Hauptberuf und Minijobs
Wer einen Hauptberuf hat, in dem er sozialversicherungspflichtig ist, kann zusätzlich einen Minijob ausüben. Der Lohn des zweiten und aller weiteren 450-Euro-Jobs werden allerdings zur Hauptbeschäftigung dazu gerechnet. Es fallen dann Beiträge für die Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung an, wohingegen keine zusätzlichen Beiträge in die Arbeitslosenversicherung gezahlt werden müssen. Wird ein Zuverdienst begründet nur ausnahmsweise und kurzfristig erzielt, wird er nicht mit dem Hauptberuf zusammengerechnet.

Mehrere Minijobs ohne Hauptbeschäftigung
Wenn ein Arbeitnehmer mehreren Minijobs bei verschiedenen Arbeitgebern nachgeht, jedoch keine Hauptbeschäftigung hat, werden die Gehälter dieser Beschäftigungen zusammengerechnet. Eine Ausnahme bildet die Entlohnung einer kurzfristigen Beschäftigung. Wenn der Arbeitnehmer, nachdem alle Gehälter aufaddiert wurden, mehr als 450 Euro monatlichen Verdienst erzielt, besteht Versicherungspflicht.

Hat ein Arbeitnehmer mehrere geringfügige Jobs bei einem Arbeitgeber, muss festgestellt werden, ob ein einheitliches Beschäftigungsverhältnis besteht. Dies ist z.B. der Fall, wenn der Arbeitgeber dieselbe juristische oder natürliche Person ist, also eine Person mehrere Unternehmen hat. Auch wenn ein Minijobber in verschiedenen Betrieben desselben Arbeitgebers beschäftigt ist, gilt dies als einheitliches Beschäftigungsverhältnis.

Studenten und Minijobs
Für Studenten gelten hinsichtlich der Minijobs grundsätzlich die gleichen Regeln wie für alle anderen Beschäftigten, solange das monatliche Gehalt nicht mehr als 450 Euro beträgt oder eine auf 2 Monate beziehungsweise 50 Arbeitstage befristete Tätigkeit ausgeübt wird. Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, findet unter Umständen die Regelung für Werkstudenten Anwendung.

Auszubildende und Minijobs
Auszubildende sind generell nicht versicherungsfrei, auch wenn ihre Vergütung weniger als 450 Euro beträgt. In Bezug auf die Sozialversicherung gilt für Auszubildende eine besondere Beitragsverteilung. Wird die Grenze von 325 Euro - die Geringverdienergrenze - nicht überschritten, muss der Arbeitgeber alle Beiträge zahlen.

Rentner und Minijobs
Die Hinzuverdienstgrenze bei Rentnern liegt bei 450 Euro. Diese Grenze gilt sowohl für Altersrentner, als auch für Personen, die aufgrund von Erwerbsunfähigkeit eine Rente beziehen. Wird die Rente als Teilrente in Anspruch genommen, gibt es individuelle Regelungen, die von Fall zu Fall unterschiedlich sind und dementsprechend individuell mit dem Träger der Rentenversicherung geklärt werden müssen. Sobald Rentner die jedoch Regelaltersgrenze erreicht haben, dürfen sie unbegrenzt hinzuverdienen. Das Gehalt wird dann nicht mehr auf die Rente angerechnet. Bei der Hinterbliebenenrente kommt es auf die Höhe des Verdienstes an. Ein Minijob bis zu 450 Euro liegt innerhalb der Freibetragsgrenze und beeinflusst die Hinterbliebenenrente somit nicht, sofern keine weiteren Einkünfte bezogen werden.

Arbeitslose und Minijobs
Ist ein Arbeitnehmer bei der Agentur für Arbeit als arbeitsuchend gemeldet, gilt er als berufsmäßig beschäftigt. Er hat jedoch dennoch die Möglichkeit, eine geringfügige Beschäftigung auszuüben. Geht ein Arbeitsuchender einer kurzfristigen Beschäftigung nach, also einer Arbeit, die von vorn herein auf einen Zeitraum von weniger als 50 Arbeitstagen oder weniger als 2 Monaten begrenzt ist, darf nicht mehr als 450 Euro monatlich verdient werden. Nur in einem solchen Fall gilt die Beschäftigung noch als Minijob.

Wird Arbeitslosengeld 1 oder 2 in Anspruch genommen, so gelten bestimmte Einkommensgrenzen. Informationen dazu erhalten Sie bei der Agentur für Arbeit.

Meldungen für Minijobs

Die Bundesknappschaft übernimmt mit der Minijob-Zentrale das Meldewesen und den Einzug aller anfallenden Sozialabgaben und Pauschalsteuern. Die Verwaltung der Minijobs findet also nicht bei den verschiedenen Krankenkassen statt. Der ARbeitgeber meldet bei dieser zentralen Stelle die Minijobber an und entrichtet alle Abgaben an die Minizentrale.

Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See
Minijob-Zentrale
www.minijob-zentrale.de
45115 Essen
Tel. Service-Center: 0355-2902-70799
Mo-Fr 7.00 - 17.00 Uhr
e-mail: minijob@minijob-zentrale.de

Weiterführende Informationen

Weiterführende Informationen zu Minijobs allgemein finden Sie auf der Website der Minijob-Zentrale:
www.minijob-zentrale.de


Ausführliche Informationen zur Rentenversicherungspflicht bei Minijobbern finden Sie in einer Broschüre der Deutschen Rentenversicherung.


Stand: 9.12.2014

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