Pendeln für den Job

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Du hast in der Großstadt, in der du arbeitest, keine Wohnung gefunden oder kannst dir eine solche nicht leisten? Dein Partner arbeitet in einer anderen Stadt als du? Oder hast du eine befristete Position, für die du deine schöne Wohnung nicht aufgeben wolltest? Gründe für das Pendeln gibt es viele. In diesem Artikel wollen wir zeigen, wie man das Beste aus der Situation macht.

Es wird wohl kaum Personen geben, die leidenschaftlich gern pendeln. Dennoch tun sich 39 % der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Mitarbeiter in Deutschland das täglich an: Sie fahren in einen anderen Landkreis (Stand: 2018, Quelle: Arbeitsagentur). Was sind die Nachteile des Pendelns? Darum geht es im Folgenden.

Die Schattenseiten des Pendelns

Zukünftige Pendler werden weniger gern eingestellt

Bereits bei der Bewerbung hat man es schwerer, wenn man weit weg vom Arbeitsort wohnt. Der potenzielle Arbeitgeber geht davon aus, dass sich der Mitarbeiter mehr als einmal verspäten wird und möglicherweise ein weniger stark ausgeprägtes Interesse an der Position hat als der Bewerber, der gleich um die Ecke wohnt.

Pendeln führt zu Unzufriedenheit und gesundheitlichen Beschwerden

  • Wer einen längeren Arbeitsweg hat, muss früher aufstehen und kommt später nach Hause und damit auch ins Bett. Die logische Konsequenz daraus kann ein chronischer Schlafmangel sein. Unter dem Schlafdefizit und der daraus resultierenden Müdigkeit des Mitarbeiters leidet auch die Arbeit.
  • Muss man selbst mit dem Auto fahren, ist dafür eine hohe Konzentration erforderlich. Manch ein Pendler kommt aufgrund seines langen Weges erschöpft in der Arbeit an. Das bringt mit sich, dass diese Person häufig weniger produktiv und aufgrund der Reise weniger leistungsfähig als seine Kollegen ist. Auch die Motivation kann unter dem Pendeln leiden: Oft sieht man weniger Sinn in seinem Leben und arbeitet aufgrund dieser Tatsache auch weniger enthusiastisch.
  • Ein ausgewogenes Frühstück oder ein gesundes Abendessen? Für viele Pendler bleibt das ein Traum. Stattdessen wird nebenbei, also während der Autofahrt oder am Bahnhof gegessen, anstatt dass man sich auf die Einnahme der Mahlzeit konzentriert. Das Resultat sind Gewichtsprobleme, die auch durch das viele Sitzen begünstigt werden. Weitere gesundheitliche Probleme, die bei Pendlern verbreitet sind: Schulter- oder Nackenschmerzen, Konzentrationsprobleme oder Kopfschmerzen.
  • Eine schlechtere psychische Verfassung liegt zusätzlich nahe, da das Pendeln mit viel Ärger verbunden sein kann. Man ärgert sich über die Verhaltensweisen der anderen Pendler: Im Zug begegnet man Menschen, die nicht geduscht haben oder mit anderen unangenehmen Gerüchen oder nervigen Verhaltensweisen aufwarten. Auf der Straße ärgert man sich über die rücksichtslose Fahrweise anderer Verkehrsteilnehmer, über den Stau oder auch die Hitze im Auto. Und unabhängig von dem Transportvehikel trauert man der vielen Zeit nach, die durch das Pendeln verloren gegangen ist.

Es geht ins Geld und ist schlecht für die Umwelt

Obwohl es kostengünstiger und besser für die Umwelt ist, öffentliche Verkehrsmittel oder Fahrgemeinschaften zu nutzen, bevorzugen viele Pendler das eigene Auto. Gründe dafür sind, dass man sich dort individueller entfalten kann und sich in einer vertrauten Umgebung bewegt. Ein weiterer nicht zu vernachlässigender Beweggrund: Man ist einfach flexibler.

Ein weiterer Vorteil der Nutzung eines Pkw: Man kann die kompletten Kosten von der Steuer absetzen, während man bei der Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Motorrad nur 4.500 € jährlich angeben kann (Quelle: Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V.).

Die Fahrzeit sinnvoll verbringen

  • Wer öffentliche Verkehrsmittel nutzt, kann diese Zeit häufig sinnvoll verwenden, indem beispielsweise ein Meeting bereits im Zug vorbereitet wird. Doch nicht selten ist es in den öffentlichen Verkehrsmitteln laut, sodass man sich nur schlecht konzentrieren kann. In diesem Fall kann man beispielsweise über Kopfhörer Radio hören.
  • Wer mit dem Auto fährt, kann dort zwar schlecht arbeiten (Ausnahme: Etwa ein Rechtsanwalt oder Sozialpädagoge, der Diktate aufzeichnet und dabei nicht in die Unterlagen sehen muss), kann die Zeit aber nutzen, indem die Lieblingsmusik gehört wird. Viele Angestellte sind derart routinierte Autofahrer, dass die Autofahrt mit Musik sogar eine entspannende Wirkung auf sie hat.
  • Eine weitere Möglichkeit: Während der Fahrt mit dem eigenen Auto kann mit speziellen MP3s oder CDs eine neue Sprache erlernt werden. So kann man als Resultat seines Pendler-Daseins mit Zusatzqualifikationen glänzen.
  • Steht man mit dem Auto im Stau, kann gearbeitet werden, wenn Notebook, Internetverbindung und alles, was man sonst braucht, zur Verfügung steht.
  • Wer aufgrund des späten Zubettgehens und des frühen Aufstehens kaum ein Auge zugetan hat, kann im Zug, in der S-Bahn oder im Bus etwas Schlaf nachholen. Dazu setzt du dich am besten an einen Platz, an dem sich voraussichtlich nicht so viele Leute vorbeiquetschen werden, und stellst dir einen Wecker, damit du deine Endstation nicht verpasst.
  • Wer die eigenen Kosten senken und gleichzeitig neue Leute kennenlernen möchte, kann die Fahrt auch mit anderen Personen verbringen: Man kann sich bei einer Mitfahrzentrale wie BlaBlaCar umsehen oder bei exklusiveren Ansprüchen eine Kleinanzeige aufgeben, in der man eine Mitfahrgelegenheit sucht. So können ganz nebenbei Freundschaften entstehen.
Flexible Arbeitszeiten

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Was Arbeitgeber tun können, um den Pendlern entgegenzukommen

Homeoffice-Tage anbieten: Alle Mitarbeiter, die täglich zur Arbeit pendeln müssen, sind dankbar dafür, wenn sie auch einmal ein paar Tage Auszeit vom Verkehrschaos oder dem Warten auf den Zug haben.

flexible Arbeitszeiten: Niemand kann etwas dafür, wenn jemand im Stau steht oder ein Zug ausfällt. Damit weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer unter diesem Umstand leiden müssen, macht eine Gleitzeitregelung Sinn.

Den Pendler bei der Vereinbarung von Terminen berücksichtigen: Damit es kein großes Drama gibt, wenn der Bus zu spät gekommen ist, ist es ratsam, Termine nicht auf den frühen Morgen zu legen. Auch für den späten Abend sollten möglichst keine Termine vereinbart werden.

Wenn alles nichts hilft: Umzug oder Jobwechsel

Während sich der eine mit seinem Pendlerdasein anfreunden und die oben genannten Tipps sinnvoll anwenden kann, ist das Pendeln für den anderen eine Belastung, die sich in chronischen Krankheiten oder einer starken Unzufriedenheit manifestieren kann. So entsteht in einigen Fällen Handlungsbedarf, und auch der Chef wird darüber erfreut sein, wenn der Mitarbeiter nicht mehr pendeln muss und deshalb bald konzentrierter arbeiten kann.

Wer an seinem Job hängt und in dem Unternehmen eine langfristige Perspektive sieht, der wird seine Arbeit nicht einfach kündigen wollen. Auch wenn erschwingliche Wohnungen an dem jeweiligen Wohnort schwer zu ergattern sind: Die zusätzliche Lebenszeit ist es wert, dass man Zeit und Energie in die Wohnungssuche steckt. Und zur Not kann man vorübergehend auch einmal in einer WG wohnen.

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