Casual Friday: wie lässig ins Büro?

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Du liebst es lässig, entspannt und bequem? Anzug und Hemd bzw. Kostüm und Bluse sind nicht unbedingt deine besten Freunde? Dann freust du dich sicher nicht nur auf das Wochenende, weil da die Freizeit winkt. Bereits Donnerstagabend wirkst du deutlich entspannter als zu Wochenbeginn, denn morgen heißt es endlich wieder: Yes, it’s Casual Friday! Getreu dem Motto: entspannt ins Büro – chic, aber lässig. Modetechnisch ist das auf jeden Fall dein Tag.

Mode im Büro

Vorweg sei gesagt: Mode im Büro ist so vielfältig, wie es die verschiedenen Branchen der Arbeitswelt sind. Und: Modische Zwänge sind heute generell viel weniger verbreitet als noch vor 50 Jahren. In vielen Arbeitsfeldern ist heute modisch gesehen jede Menge erlaubt, dem eigenen Stil sind da nur wenige Grenzen gesetzt. Mode ist immer auch ein Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, und diese darf und möchte man durchaus in die Arbeitswelt transportieren.

Eine Grenze, die immer noch gilt, ist die bezüglich zu viel Freizügigkeit: Zu viel nackte Haut bzw. zu enge Klamotten sind im Berufsleben ein No-Go. Doch auch hier herrscht Interpretationsspielraum. Während die Bankangestellte bei der qualvollen Kombination aus hochsommerlichen Temperaturen und fehlender Klimaanlage brav und ausdauernd in Kostüm und die Schultern bedeckender Bluse vor sich hinschmilzt, erscheint die Webdesignerin in der Werbeagentur bei solchen Bedingungen ganz entspannt in Sandalen, Minirock und Tanktop. Trotzdem bekommt sie am nächsten Tag nicht ihre Kündigung auf den Platz gelegt. Wichtigste Devise: Passe dich kleidungstechnisch in gewissem Maße deiner Branche und den Gepflogenheiten in deinem Unternehmen an.

Ganz generell kann man, was die Büromode angeht, drei Gruppen unterscheiden:

Träger von Berufskleidung

In bestimmten Arbeitsfeldern bist du fein raus, was die Modefrage angeht. Gehst du einer Tätigkeit als Arzthelferin, Bäckereifachverkäuferin, Laborangestellter oder Kaminkehrer nach, musst du in der Früh keine Gehirnzelle an dein modisches Auftreten verschwenden: Du schlüpfst einfach in deine Arbeitskleidung, und los geht’s. Für manch einen mag das eine Erleichterung sein; andere, die sich gerne stylen, finden das natürlich eher schade. Fest steht: Ärzte, Mechaniker oder Heizungsmonteure kommen leider kaum in den Genuss eines Casual Fridays. Sie dürfen ihr Modebewusstsein an den Wochenenden und in der Freizeit zur Schau stellen. Im Job wird Berufskleidung getragen, und zwar jeden Tag.

Freestyle-Fans

Als Klassiker für (annähernde) Narrenfreiheit, was die Büromode angeht, gilt die sogenannte „kreative“ Branche. Im Film- und TV-Bereich sowie in der Werbung, ja generell in den Medien ist modisch gesehen fast alles erlaubt. Herren in Anzug mit Krawatte lösen da in manchen Büros eher Lachkrämpfe aus, als kompetent zu wirken. Hier dürfen Rückentattoos im Sommer freizügig Luft schnappen, und bei der Kollegin muss auch die Hotpant nicht im Schrank bleiben. Männer zeigen Zehen und nackte Oberarme – und es stört keinen. In diesen Branchen einen Casual Friday einzuführen, macht wenig Sinn: Noch legerer geht kaum. Deshalb haben einige Unternehmen aus diesem Bereich den Spieß einfach umgedreht: Sie haben einen „Formal Friday“ eingeführt. Ausschließlich freitags wird sich hier etwas formeller gekleidet als sonst.

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Bildquelle: www.istockphoto.com / SIphotography

In Anzug & Kostüm

Doch daneben gibt es immer noch viele Berufsfelder, in denen eine bestimme Kleiderordnung vorgeschrieben ist – wenn auch meist nicht auf dem Papier. Bist du beispielsweise im Bankenwesen oder in der Versicherungswirtschaft tätig, wirst du in der Regel in Kostüm oder Anzug zur Arbeit erscheinen. Auch in vielen Vertriebsjobs und bei Tätigkeiten mit jeder Menge Kundenkontakt ist ein eher konservatives Styling angesagt. Generell gilt: Je höher deine Hierarchieebene, desto formeller ist auch der Modestil, der von dir erwartet wird.

Aber es gibt auch viele Bereiche, in denen von einfachen Angestellten verlangt wird, mit Anzug und Hemd zur Arbeit zu erscheinen. Und genau für diese Gruppe wurde der Casual Friday eingeführt. Denn wer montags bis donnerstags stets komplett formell gestylt am Schreibtisch erscheint, freut sich darauf, am Freitag einmal etwas lässiger zur Arbeit zu kommen. Das ist nicht nur bei bestimmten Temperaturen angenehm, sondern ermöglicht es einem auch, sich von einer anderen Seite zu präsentieren.

Casual Friday

Entstehung in den USA

Seinen Ursprung soll der Casual Friday in den USA der Fünfzigerjahre haben. Es kursieren allerdings verschiedene Ansichten, was wohl den Ausschlag für den legeren Bürotag gegeben haben soll. Mal ist die Rede davon, dass das lässige Outfit den Büroangestellten damals die Einstimmung auf das Wochenende erleichtern und die Moral heben sollte. Andere wiederum vermuten, der Casual Friday sei eingeführt worden, um den Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, ihre Anzüge freitags in die Reinigung zu bringen und sie montags wieder parat zu haben. Ende der Siebziger wurden jedenfalls in den USA mehrere große Werbekampagnen für den Casual Friday geführt. Vermutlich wollte die amerikanische Bekleidungsindustrie damit unter anderem der aufkommenden Textil-Konkurrenz aus Europa Einhalt gebieten.

Aloha Friday auf Hawaii

Auf Hawaii gibt es übrigens einen sehr ähnlichen Brauch mit noch früheren Wurzeln: den „Aloha Friday“. In den frühen 1930er Jahren begann ein Chinese namens Ellery Chun auf Hawaii mit der Produktion der heute so berühmt-berüchtigten, bunten Hawaii-Hemden. Aus Restbeständen aus Stoff, der eigentlich für Kimonos gedacht war, ließ er in Waikiki sehr farbenfrohe Hemden nähen: das „Aloha-Shirt“ bzw. Hawaii-Hemd war geboren (Quelle). In den folgenden Jahren begann sein Siegeszug, und zwar nicht nur bei Touristen, sondern auch bei der hawaiianischen Bevölkerung. Vor allem Surfer entdeckten das coole Kleidungsstück für sich.

Im Jahr 1966 betrat schließlich ein echter Trendsetter die Bühne: Wilson P. Cannon Jr., damals Präsident der Bank of Hawaii, begann einfach, die knallbunten Freitzeithemden auch im Büro zu tragen. Damit läutete er den „Aloha Friday“ ein, denn in den nächsten Jahren entwickelte sich diese Kleiderordnung auf Hawaii zum Trend. Als Einstimmung auf das Wochenende durften Angestellte freitags nun auch in einem lässigeren Look inklusive Hawaii-Hemd zur Arbeit erscheinen. Der sogenannte „Aloha Friday“ wurde sogar offiziell ausgerufen.

Mit der New Economy nach Europa

Ende der Neunzigerjahre mit Aufkommen der New Economy und dem Aufschwung vieler Infotec-Unternehmen lebte die Idee des Casual Fridays auch in Europa auf. Sie hat sich bis heute gehalten, jedoch befindet sich der Trend wieder etwas auf dem Rückzug. Denn so manchem Chef war das, was er immer wieder freitags modisch von seinen Angestellten präsentiert bekam, dann doch etwas zu lässig.

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Bildquelle: www.istockphoto.com / zorandimzr

Casual Wear

Doch was ist eigentlich „casual“? Übersetzen lässt sich der Ausdruck am besten mit „lässig“ oder „leger“. Darunter jetzt allerdings ein Outfit mit Jogginghose und Schlabber-Shirt zu verstehen, wäre falsch. Den Begriff muss man im Kontext der Branche sehen. Erscheinen Mitarbeiter jeden Tag im kompletten Business-Outfit zur Arbeit, ist „casual“ eben bereits eine leichte Abweichung davon. Sprich man kann es etwas lässiger angehen lassen, muss aber trotzdem dem Business Look treu bleiben.

Wer am Casual Friday richtig gekleidet sein will, der sollte auf eine gute Mischung aus Smart Casual und Business Casual achten. Je nach Branche kann der Modestil eher mehr in die eine oder die andere Richtung tendieren. Doch was ist eigentlich was?

Smart Casual

Hierunter versteht man gehobene Freizeitkleidung, modisch und mit einem gewissen Etwas. Generell wird vorausgesetzt, dass deine Bürokleidung ordentlich und sauber ist. Bei Smart Casual kann es dann etwas legerer, jedoch auf keinen Fall zu lässig werden. Dafür darf man durchaus den einen oder anderen Akzent setzen, zum Beispiel mit einem auffälligen Accessoire wie einer großen Tasche, einem knalligen Gürtel oder einem bunten Tuch oder Schal. Um eine Frage gleich vorweg zu nehmen: Die Jeans findet sich streng genommen in keinem dieser Business-Styles wieder. Sie gehört ganz klar in den Bereich der Freizeitmode. Allerdings ist die Grenze zwischen Stoff- und Jeanshose heute ja fast fließend, sodass es letztendlich natürlich immer dir überlassen bleibt, was du dich traust.

Beispiel Dresscode Smart Casual bei Herren:

  • dunkle Chino (blau, schwarz oder grau)
  • langärmeliges, einfarbiges Hemd in einem hellen Farbton
  • Cardigan oder Feinstrickpullover
  • schlichte Lederschuhe

Zu lässig darf es allerdings auf keinen Fall werden: Turnschuhe, T-Shirts und Jeans passen nicht zu diesem Stil. An dem von vielen Herren gern gewählten Polo-Shirt scheiden sich die Geister: Für viele ist es bereits zu leger für das Büro, andere wählen es gerne als Kompromiss zwischen klassischem Hemd und T-Shirt. Wer sich für das Hemd entscheidet, wählt am besten ein Button-Down-Hemd, das sich perfekt ohne Krawatte tragen lässt. Wichtig bei allen gewählten Optionen ist, dass deine Kleidung keine Löcher oder Risse aufweist sowie unbedingt sauber und gut gebügelt ist.

Beispiel Dresscode Smart Casual bei Damen:

  • einfarbige Stoffhose oder Knie umspielender Rock
  • dezente Bluse, Tunika oder schickeres Shirt, das in den Hosenbund gesteckt wird
  • Blazer oder Strickjacke
  • etwas auffälligere Ohrringe oder eine Tasche als Blickfang
  • schlichte Pumps oder Ballerinas
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Bildquelle: www.istockphoto.com / didecs

Auch ein nicht zu buntes Sommerkleid passt in diese Kategorie, es sollte allerdings eine Handbreit über dem Knie enden oder länger sein. Setzt du auf ruhige, unauffällige Farbtöne, kannst du bei den Accessoires etwas mehr Gas geben. Die Turnschuhe wie auch Flip-Flops oder offene Sandalen bleiben im Schrank. Slingpumps sind okay.

Business Casual

Dieser Kleidungsstil ist noch etwas formeller als Smart Casual. Gerade in Branchen, in denen in der Regel ein sehr konservativer Modestil gelebt wird, bedeutet er die erste kleine Aufweichung. Es muss also nicht mehr der komplette Anzug sein, und die Frau darf vom klassischen Business-Outfit geringfügig abweichen.

Beispiel Dresscode Business Casual bei Herren:

  • dunkle Chino (blau, schwarz oder grau)
  • langärmeliges, einfarbiges Hemd in einem hellen Farbton
  • legeres Sakko
  • Lederschuhe
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Bildquelle: www.istockphoto.com / grinvalds

Beispiel Dresscode Business Casual bei Damen:

  • einfarbige Stoffhose oder Knie umspielender Rock
  • dezente Bluse, Seiden-Tunika
  • Blazer oder elegante Feinstrickjacke
  • dezente Accessoires
  • Pumps

Auf den ersten Blick unterscheidet sich für dich dieser Kleidungsstil kaum vom klassischen Business-Outfit? Tatsächlich trennen ihn auch nur Nuancen davon. Der auffälligste Unterschied ist allerdings, dass Männer nicht zwingend eine einfarbige Anzug-Kombination tragen müssen. Frauen dürfen auf das Business-Kostüm verzichten und sich ihr Outfit flexibler zusammenstellen. Wichtig ist hierbei vor allem, dass nicht zu viel Haut zu sehen ist. Tiefe Ausschnitte oder nackte Oberarme sind tabu.

Fazit

Dir schwirrt der Kopf vor lauter Mode-Diktat? Niemand hat behauptet, dass Mode einfach sei, und der Business-Style schon gar nicht. Doch wichtig ist: Mode muss immer Spaß machen. In den seltensten Fällen wirst du heute noch auf Firmen mit strikten Kleidungsvorschriften treffen. Da bleibt ganz viel Interpretationsspielraum dir überlassen. Und falls du mit einem Outfit wirklich mal daneben liegst, wirst du es höchstwahrscheinlich an der Reaktion deiner Kollegen bemerken. Am nächsten Morgen entscheidest du dich dann eben wieder für eine etwas klassischere Kombination. Denn das ist ein großer Vorteil von Mode: Sie ist flüchtig und extrem flexibel.

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