Immer mehr Firmen ersetzen das erste Kennenlernen eines Bewerbers durch ein Videointerview. Das kann der Firma wie auch dem Bewerber durchaus Vorteile bieten: Du hast beispielsweise keine weite Anreise und kannst das Gespräch bequem in deinem gewohnten Umfeld führen. Die Firma wiederum kann mehrere Kandidaten in Augenschein nehmen, bevor sie jemanden zu einem persönlichen Gespräch einlädt, und bleibt ebenso flexibel was den Ort des Geschehens angeht. Doch welche Besonderheiten gibt es beim Videointerview zu beachten und wie gelingt diese Art des Vorstellungsgesprächs?

Grundregel 1: Keine Angst vor Kameras!

Bist du auch privat viel in Online-Chats unterwegs und nutzt dafür die Kamera an deinem PC oder Laptop, dann dürfte ein Videointerview für dich keine große Hürde darstellen. Doch auch, wenn du die Kamera an deiner Hardware erst mühsam suchen musst: Ein Videointerview ist kein Hexenwerk. Und das Beste daran ist: Du kannst es vorab wunderbar üben. Das solltest du unbedingt auch tun, wenn du es nicht so gewöhnt bist, vor der Kamera zu agieren. Denn viele Menschen werden unsicher, wenn sie spüren, dass sie mit Bild und Ton aufgezeichnet werden.

Die meisten Videointerviews finden über das Programm Skype statt. Am besten, du probierst solch ein Skypegespräch einfach vorab mit einem Freund oder einer Freundin aus. Dann kannst du ganz entspannt an die Sache rangehen und in Ruhe testen, ob

  • dein Konto dort funktioniert (du musst dich dafür nämlich bei Skype anmelden),
  • welche E-Mailadresse und eventuell welches Bild du dort hinterlegt hast (beides sollte dich einigermaßen professionell erscheinen lassen) und
  • welche Bild- und Toneinstellungen du an deinem Rechner vornehmen musst, damit ein Gespräch reibungslos klappt.

Erste Grundvoraussetzung ist zudem, dass du weißt, wer dich anruft bzw. wen du anrufen musst. Du hast also die Kontaktdaten (Skype-Name, Telefonnummer, E-Mail-Adresse) mit deinem Gegenüber vorab ausgetauscht. Das ist auch hilfreich, falls euch die Technik doch im Stich lässt und ihr kurzfristig auf anderem Wege versuchen müsst, in Kontakt zu kommen. Kläre unbedingt auch ab, ob du anrufst oder ob du angerufen wirst.

Videointerview im Gespräch
Bildquelle: www.istockphoto.com / dusanpetkovic

Bereit für die Kamerasituation

Wie beim Fotograf: Bild schön?

Überlege dir genau, wie du dich in welchem Raum positionierst, und was – auch im Hintergrund – für deinen Gesprächspartner zu erkennen ist. Galoppiert hinter deiner rechten Gesichtshälfte noch ein schickes Wendy-Pferdeposter ins Bild oder stiehlt dir vielleicht ein halbnacktes Victoria’s-Secret-Model die Schau, das die Wand hinter dir ziert und somit auch für den Personaler sichtbar wird? Beides könnte unprofessionell wirken. Sieh dir den Bildausschnitt inklusive Hintergrund also vorab genau an und wähle ein neutrales Setting aus. Achte auch auf Details: Die Kaffeetasse mit der Aufschrift „Alter Sack“ muss ja nicht unbedingt im Bild stehen.


Wie im Sport: Mach dich locker!

Nachdem du die technischen Voraussetzungen einmal bei einem Skypegespräch mit einem Freund getestet hast, solltest du auf jeden Fall noch ein paar weitere private Testläufe nur für dich machen. Mach‘ die Kamera an, nimm dich auf und spiele die Situation mit den üblichen Bewerbungsfragen einfach ein paar Mal durch. Du wirst sehen: Beim dritten Mal wirkst du mit Sicherheit schon viel lockerer vor der Kamera. Wichtig ist, nicht zu verkrampft vor dem Bildschirm zu sitzen, sondern eine lockere Gesprächsposition zu finden. Allerdings solltest du auch auf keinen Fall während des Gesprächs damit beginnen, spontan im Raum herumzulaufen. Denn dann bist du garantiert nicht mehr im Bild.


Wie in der Schule: Sprich laut und deutlich

Ein Gespräch, das aufgezeichnet und wiedergegeben wird, kommt anders bei deinem Gegenüber an, als wenn du face-to-face mit ihm sprichst. Oftmals hat die Technik mit einer kurzen Zeitverzögerung zu kämpfen – und zwar nicht unbedingt beim Skypetelefonat mit Singapur, sondern vielleicht sogar eher beim Videointerview in die ländliche Eifel. Kalkuliere das mit ein. Generell bietet es sich an, nicht zu schnell und vor allem deutlich zu sprechen. Nichts ist schlimmer als unverständliches Nuscheln am anderen Ende der Leitung, wodurch der Personaler permanent nachfragen muss, was du jetzt eigentlich gesagt hast.


Grundregel 2: Bereite dich inhaltlich auf das Gespräch vor

Was den Inhalt des Gesprächs betrifft, besteht kaum ein Unterschied zu einem persönlichen Talk mit dem Personaler oder Gesprächspartner aus der Fachabteilung. Wie auf die Einladung zu einem herkömmlichen Vorstellungsgespräch solltest du dich auch auf das Videointerview vorbereiten. Gehe also für dich persönlich vorab die klassischen Fragen in einem Vorstellungsgespräch durch und überlege dir deine Antworten gut. Trage sie ruhig auch laut vor, dann sitzen die Formulierungen später besser und du wirkst souveräner. Allerdings solltest du nichts auswendig lernen; das wirkt schnell sehr gestellt und verkrampft.

Ein Vorteil des Videointerviews: Brauchst du noch ein paar Sekunden, um auf eine unerwartete Frage eine passende Antwort zu finden, kannst du hier ruhig deinen Gesprächspartner bitten, die Frage noch einmal zu wiederholen. Ein Aussetzer in der Übertragung kann immer mal sein und ist nichts Unwahrscheinliches; somit gewinnst du Zeit, dir eine Antwort zurecht zu legen, mit der du punkten kannst.

Topshot Laptop
Bildquelle: www.istockphoto.com / anyaberkut

Grundregel 3: Teste die Technik

Vielleicht hast du an sich gar keine Angst vor dem Interview mit seinen Fragen, sondern nur beim Gedanken an all die Technik, die funktionieren muss, wird dir schon ganz schlecht? So geht es sicherlich vielen. Vor allem, wenn du in einem Bereich arbeitest, in dem du ansonsten nicht viel mit moderner Kommunikationstechnik zu tun hast, ist das verständlich.

Hier ein paar Basics, die du vor dem Gespräch unbedingt testen solltest:

  • Der PC ist an die Stromversorgung angeschlossen bzw. der Laptop ist voll aufgeladen.
  • Du verfügst über eine ausreichend schnelle und stabile Internetverbindung.
  • Alle Stecker sitzen und alle Geräte, die du benötigst, sind angeschlossen (Headset, Maus, Tastatur, …).
  • Die Kamera funktioniert und überträgt dein Bild; genauso kannst du ein Bild von deinem entfernten Gesprächspartner empfangen.
  • Ist das Headset eingeschaltet und der Ton okay? Du kannst deinen Gesprächspartner hören und er hört dich.

Grundregel 4: Dresscode Businessoutfit

Eigentlich logisch: Auch wenn du den Kameraausschnitt exakt so einstellst, dass nur dein Kopf und Oberkörper im Bild sind, solltest du trotzdem untenrum nicht auf die Snoopy-Boxershort setzen. Kleide dich für das Gespräch in einem kompletten Businessoutfit, in dem du auch zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch erscheinen würdest. Denn schließlich will sich der Personaler einen professionellen Eindruck von dir verschaffen. Positiver Nebeneffekt: Stylst du dich businessmäßig, fühlst du dich oftmals auch gleich viel selbstbewusster. Und das strahlst du dann mit Sicherheit auch aus.


Grundregel 5: Ruhe, bitte!

Ganz wichtig für ein gutes Interview ist eine absolut ungestörte Gesprächssituation – auch akustisch. Schließe also aus, dass dich

  • Kleinkinder oder andere Familienmitglieder,
  • technische Geräte (Spülmaschine, Festnetztelefon, Smartphone) oder
  • Umgebungslärm (aus anderen Zimmern bzw. Wohnungen)

stören könnten. Musst du das Gespräch entnervt nach zehn Minuten abbrechen, weil dein Nachbar spontan die Schlagbohrmaschine ausgepackt hat, macht das keinen guten Eindruck. Kläre also vorab durchaus auch in deinem weiteren Umfeld ab, dass du in dem vereinbarten Zeitfenster wirklich deine Ruhe brauchst.

Videointerview
Bildquelle: www.istockphoto.com / fizkes

Sonderfall: Zeitversetztes Interview

Einen Spezialfall stellt das zeitversetzte Interview dar, das vor allem in größeren Unternehmen zum Einsatz kommt. Dabei handelt es sich um ein automatisiertes System, das die Firma einmal mit einem bestimmten, standardisierten Fragenpool online einstellt. Du bekommst einen Link inklusive Zugangscode zugesandt und hast dann beispielsweise eine Woche Zeit, innerhalb derer du irgendwann dieses Interview am PC führen musst. Dabei werden dir dann die Fragen nacheinander eingeblendet, du bekommst jeweils eine oder zwei Minuten Bedenkzeit und anschließend gibst du deine Antworten. Das Gespräch wird aufgezeichnet und hinterlegt; der Personaler kann sich dein Interview dann ansehen, wenn er Zeit dafür hat. Er bleibt dadurch maximal flexibel und hat den Aufwand für sich erheblich minimiert. Im Prinzip gelten jedoch auch für dieses Interview die gleichen Regeln wie für ein klassisches Videogespräch.


Fazit

Wenn du die Einladung zu einem Videointerview bekommst, gilt zunächst einmal: cool bleiben. Viele Anfängerfehler wie schlechte Lichtverhältnisse, ein ungünstiger Bildausschnitt oder das konsequente Nicht-in-die-Kamera schauen kannst du umgehen, wenn du die Situation vorab mit einem Bekannten durchspielst. Wichtig ist, dass deine Technik funktioniert. Alles andere kennst du bereits aus dem klassischen Vorstellungsgespräch.


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