Das Arbeitszeugnis entschlüsseln - der Zeugnis-Code und Verschlüsselungstechniken

Arbeitszeugnisse können verschlüsselte Botschaften enthalten. Doch welche Aussage verbirgt sich wirklich hinter den verwendeten Formulierungen der Arbeitgeber? Was ist unter dem "Zeugnis-Code" zu verstehen? Lesen Sie, wie Sie ein gutes von einem schlechten Zeugnis unterscheiden und welche Verschlüsselungs-Techniken es gibt.

Verschlüsselungs-Techniken

Das Arbeitszeugnis dient dem beruflichen Weiterkommen und ist daher eine der wichtigsten Bewerbungsunterlagen. Daher sollten Arbeitnehmer ein erhaltenes Arbeitszeugnis immer sofort nach Erhalt auf Aussagen zwischen den Zeilen prüfen. Nach wie vor ist die Auslegung von Zeugnistexten nicht immer eindeutig. Sie bietet Platz für unterschiedliche Interpretationen. Diese Verschlüsselungstechniken gibt es:

1. Superlative und Ergänzungen

Ein gutes Zeugnis ist unter anderem an der Verwendung von Superlativen und Zusätzen (stets, hervorragend, außerordentlich, immer") zu erkennen. So entspricht beispielsweise die zusammenfassende Leistungsbewertung eines Arbeitnehmers unserem Schulnotensystem:
Zeugnistextentspricht der Note
Wir waren mit den Leistungen von Frau / Herrn ... stets außerordentlich zufrieden. sehr gut
Sie / Er erledigte alle Aufgaben 
    - stets zu unserer vollen Zufriedenheit.gut
    - zu unserer vollen Zufriedenheit.befriedigend
    - zu unserer Zufriedenheit.ausreichend
stets zu unserer vollen Zufriedenheit.gut
zu unserer vollen Zufriedenheit.befriedigend
zu unserer Zufriedenheit.ausreichend
Sie / Er war bemüht, die ihr / ihm übertragenen Aufgaben zu erledigen.mangelhaft
Fehlt eine Angabe zur Leistungsbewertung völlig, waren die Leistungen des Arbeit-nehmers mangelhaft bis ungenügend.

2. Unübliche Reihenfolge

Werden bei der Tätigkeitsbeschreibung unbedeutende Tätigkeiten zuerst genannt, so wird damit eine Abwertung zum Ausdruck gebracht. Einfache Tätigkeiten, die im Zeugnis besonders betont werden, deuten darauf hin, dass der Arbeitnehmer mit wichtigeren Aufgaben überfordert war.

Gleiches gilt auch bei der Formulierung "Sein Verhältnis zu Mitarbeitern und Vorgesetzten war stets einwandfrei." Hier lässt die Reihenfolge (Mitarbeiter werden vor den Vorgesetzten erwähnt) auf ein schlechtes Sozialverhalten schließen.

3. Zeugnis-Länge

Die Länge des Arbeitszeugnisses beträgt in der Regel 1 bis 2 DIN A4-Seiten. Ist das Zeugnis trotz mehrjähriger Firmenzugehörigkeit wesentlich kürzer, lässt dies auf eine nicht zufriedenstellende Zusammenarbeit schließen. Arbeitszeugnisse können verschlüsselte Botschaften enthalten. Doch welche Aussage verbirgt sich wirklich hinter den verwendeten Formulierungen der Arbeitgeber? Was ist unter dem "Zeugnis-Code" zu verstehen? Lesen Sie, wie Sie ein gutes von einem schlechten Zeugnis unterscheiden und welche Verschlüsselungs-Techniken es gibt. Bei dieser Technik werden wichtige Eigenschaften einfach nicht erwähnt. Handelt es sich um Tätigkeiten oder Eigenschaften, zu denen üblicherweise Hinweise zu erwarten sind, kommt durch die Auslassung eine negative Beurteilung zum Ausdruck (zum Beispiel bei einer Führungskraft der fehlende Hinweis auf das Führungsverhalten).

5. Geheimzeichen

Geheimzeichen in Arbeitszeugnissen sind verboten. Dennoch kommt es in Einzelfällen vor, dass der Arbeitgeber geheime Kennzeichnungen vornimmt. So bedeutet eine unterstrichene Firmen-Telefonnummer, dass in einem Telefonat weitere Auskünfte über den Bewerber erfragt werden können. Verboten sind auch Ausrufe- und Anführungszeichen, Unterstreichungen sowie Kursiv- oder Fettdruck, durch die eine Aussage des Zeugnisses ins Gegenteil geändert werden soll.

6. Formulierung des Schluss-Satzes

Der Schluss-Formulierung kommt eine wichtige Bedeutung zu. Werden darin bestimmte Formulierungen (Dank für die Zusammenarbeit, Bedauern des Ausscheidens und Zukunftswünsche) nicht eingehalten, kann die ansonsten gute Gesamtbewertung des Zeugnisses durch den Schlusssatz deutlich schlechter ausfallen. Fehlt die Dankesformel völlig, deutet dies auf eine insgesamt schlechte Arbeitsleistung hin.

7. Das steht im Zeugnis und das ist gemeint

Neben den genannten Verschlüsselungstechniken gibt es Zeugnis-Formulierungen, die verschlüsselte Negativ-Botschaften enthalten. Einige Beispiele:
Das steht im ZeugnisDas ist tatsächlich gemeint
"Sie/Er war mit Interesse bei der Sache."Sie / Er hat sich angestrengt, aber nichts getan.
"Durch ihre/seine Geselligkeit trug sie/er zu einer Verbesserung des Betriebsklimas bei."Die / Der Arbeitnehmer/in neigt zu übertriebenem Alkoholgenuss.
"Ihr/sein umfassendes Wissen machte sie/ihn zu einer/einem gern gesehenen Gesprächspartner/in."Während der Arbeitszeit führte die/der Mitarbeiter/in oft und lange Privatgespräche.
"Sie / Er war sehr tüchtig und wusste sich gut zu verkaufen."Sie / Er war ein/e unangenehme/r Mitarbeiter/in und ein/e Wichtigtuer/in.
"Sie / Er hat sich im Rahmen ihrer/seiner Fähigkeiten eingesetzt."Was sie konnte, hat sie/er getan. Dies war jedoch nicht viel.

Tipp

Auch wenn in Ihrem Arbeitszeugnis einzelne Sätze oder sogar einzelne Worte für die Beurteilung wichtig sind, empfiehlt es sich, das Zeugnis immer als Ganzes zu analysieren. Fehlt zum Beispiel in einem sonst guten Zeugnis die zusammenfassende Leistungsbewertung oder eine Schlussformulierung mit Dank und Bedauern, so fällt die Beurteilung des Mitarbeiters insgesamt doch negativ aus.

Um unterschiedliche Interpretationen des Zeugnisses auszuschließen, sollten Sie bei der Überprüfung Ihres Arbeitszeugnisses darauf achten, dass Ihr Arbeitgeber bei der Erstellung nur allgemein bekannte Formulierungen verwendet. Unklare und überflüssige Aussagen sind zu vermeiden. Prüfen Sie ein erhaltenes Arbeitszeugnis umgehend auf dessen Aussagen und verlangen Sie, falls erforderlich, eine entsprechende Berichtigung.

Quelle: www.bewerbungstrainerin.de


Weitere Beiträge rund um das Thema Arbeitszeugnis:
Arbeitszeugnis Muster für Sie als Vorlage

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen